Der weit sicht­ba­re und beleuch­te­te Wer­be­py­lon

Die Beleuch­tung einer weit sicht­ba­ren Wer­be­säu­le ver­stößt gegen das Gebot der Rück­sicht­nah­me, weil die Beleuch­tung zu einer „psy­cho­lo­gi­schen Blen­dung“ auf dem benach­bar­ten Grund­stück führt.

Der weit sicht­ba­re und beleuch­te­te Wer­be­py­lon

So die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen in dem hier vor­lie­gen­den Fall eines Wer­be­py­lons, der von der Auto­bahn aus weit sicht­bar ist. Er besteht aus einer 38 m hohen Säu­le, auf der ein Drei­eck aus jeweils 20 m brei­ten und 3 m hohen beleuch­te­ten Wer­be­ta­feln ange­bracht ist. Die Bau­ge­neh­mi­gung der Stadt Esch­wei­ler gestat­tet eine durch­ge­hen­de Beleuch­tung die­ser Tafeln, tat­säch­lich wird die Beleuch­tung der­zeit von 23 Uhr bis 5:30 Uhr aus­ge­schal­tet. Die Anwoh­ner füh­len sich durch die­sen Wer­be­py­lon eines bun­des­weit täti­gen Elek­tro­groß­mark­tes in ihren Rech­ten ver­letzt und haben geklagt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen habe die Wer­be­säu­le kei­ne sog. erdrü­cken­de Wir­kung für das ca. 200 m ent­fernt lie­gen­de Grund­stück der Klä­ge­rin. Auch habe der in den Abend­stun­den des 3. Mai 2011 statt­ge­fun­de­ne Orts­ter­min erge­ben, dass in den Schlaf­räu­men des klä­ge­ri­schen Wohn­hau­ses die Beleuch­tung der Wer­be­ta­feln nicht zu einer unzu­läs­si­gen Raum­auf­hel­lung füh­re. Die Beleuch­tung des Wer­be­drei­ecks am Anla­gen­kopf ver­sto­ße aber gegen das Gebot der Rück­sicht­nah­me, weil die Beleuch­tung zu einer „psy­cho­lo­gi­schen Blen­dung“ auf dem Grund­stück der Klä­ge­rin füh­re. Der Fach­be­griff der „psy­cho­lo­gi­schen Blen­dung“ beschrei­be die unge­woll­te Ablen­kung der Blick­rich­tung zu einer domi­nan­ten Licht­quel­le. Gera­de in den Nacht­stun­den wir­ke das Wer­be­drei­eck wie ein leuch­ten­des Objekt am Nacht­him­mel, zu wel­chem man unbe­wusst immer wie­der hin­se­he, wenn man sich im Gar­ten oder auf der Ter­ras­se auf­hal­te. Zur Ver­mei­dung wei­te­rer Strei­tig­kei­ten hat das Gericht dar­auf ver­wie­sen, dass eine Beleuch­tung der Anla­ge wäh­rend der Öff­nungs­zei­ten des Mark­tes von 10 Uhr bis 20 Uhr noch recht­mä­ßig sein dürf­te.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Urteil vom 28. August 2012 – 3 K 2277/​10