Die Kos­ten­be­tei­li­gung an einer Sport­an­la­ge

Die im Sport­för­de­rungs­ge­setz des Lan­des Rhein­land-Pfalz fest­ge­leg­te kos­ten­freie Nut­zung von Sport­an­la­gen ver­bie­tet kei­ne frei­wil­li­gen Ver­ein­ba­run­gen über die Ver­tei­lung von Kos­ten, die für die Unter­hal­tung von Sport­an­la­gen anfal­len.

Die Kos­ten­be­tei­li­gung an einer Sport­an­la­ge

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land dem Grun­de nach dazu ver­pflich­tet, sich an den Kos­ten für die Schul­sport­an­la­ge in Mei­sen­heim zu betei­li­gen. Die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land ist Schul­trä­ger des Paul-Schnei­der-Gym­na­si­ums in Mei­sen­heim, einer aner­kann­ten Pri­vat­schu­le mit einem Sport­zug und einem Inter­nat. Sie schloss mit der Ver­bands­ge­mein­de Mei­sen­heim, der Stadt Mei­sen­heim sowie dem 1. FC Mei­sen­heim 07 e.V. im Jahr 2007 einen Ver­trag über die gemein­sa­me Nut­zung der Schul­sport­an­la­ge an der Prä­ses-Held-Stra­ße (in Mei­sen­heim), die an die Ver­bands­ge­mein­de zu einem sym­bo­li­schen Preis von 1 Euro ver­äu­ßert wur­de. In der Prä­am­bel der Ver­ein­ba­rung ist aus­ge­führt, die Schul­sport­an­la­ge des Gym­na­si­ums sei eben­so sanie­rungs­be­dürf­tig wie die Sport­an­la­ge der benach­bar­ten Regio­na­len Schu­le und Grund­schu­le. Gleich­zei­tig ste­he dem Sport­ver­ein kei­ne Sport­flä­che mehr zur Ver­fü­gung. Damit begrün­de sich der Inves­ti­ti­ons­be­darf. Die Ver­ein­ba­rung ent­hält in § 4 unter der Über­schrift: "Abrech­nung der Betriebs‑, Unter­hal­tungs- und Bewirt­schaf­tungs­kos­ten" eine Rege­lung über die jähr­li­che Ver­tei­lung von Kos­ten. Nach Inbe­trieb­nah­me der Anla­ge zahl­te die Evan­ge­li­sche Kir­che im Jahr 2010 einen Betrag von 23.877,91 Euro an die Ver­bands­ge­mein­de­kas­se. In der Fol­ge­zeit erklär­te sie gegen­über der Ver­bands­ge­mein­de Mei­sen­heim die Anfech­tung des Ver­trags und trug inso­weit vor, ihre Ver­tre­ter hät­ten kei­ne Kennt­nis von einer Rege­lung im Sport­för­de­rungs­ge­setz gehabt, wonach öffent­li­che Sport­an­la­gen dem Schul- und Ver­eins­sport für den Übungs- und Wett­kampf­be­trieb kos­ten­frei zur Ver­fü­gung stün­den. Da die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land in der Fol­ge­zeit kei­ne Zah­lun­gen mehr vor­nahm, erhob die Ver­bands­ge­mein­de Mei­sen­heim Kla­ge vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt und ver­lang­te auf­grund der ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung für die Jah­re 2008 bis 2011 eine Kos­ten­er­stat­tung in Höhe von 75.491,08 Euro. Hier­ge­gen wand­te die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land ein, der Ver­trag sei unwirk­sam. Die Höhe der gel­tend gemach­ten For­de­rung sei nicht gerecht­fer­tigt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Koblenz sei die im Jahr 2007 geschlos­se­ne Ver­ein­ba­rung wirk­sam und miss­ach­te kein gesetz­li­ches Ver­bot. Die Vor­schrift über die kos­ten­freie Nut­zung von Sport­an­la­gen nach dem Sport­för­de­rungs­ge­setz ver­bie­te kei­ne frei­wil­li­gen Ver­ein­ba­run­gen über die Ver­tei­lung von Kos­ten, die für die Unter­hal­tung von Sport­an­la­gen anfie­len.

Zudem habe die Evan­ge­li­sche Kir­che im Rhein­land den Ver­trag unab­hän­gig davon, ob ein Irr­tum über die Rechts­la­ge über­haupt zur Anfech­tung berech­ti­ge, nicht wirk­sam ange­foch­ten. Die ent­spre­chen­de Erklä­rung sei nicht, wie erfor­der­lich, gegen­über allen Ver­trags­par­tei­en abge­ge­ben wor­den.

Es sei auch kei­ne Anpas­sung des Ver­trags wegen ver­än­der­ter Umstän­de gebo­ten. Der Ver­trags­schluss beru­he auf dem frei­en Wil­len der Ver­trags­par­tei­en, die in mehr als zwei­jäh­ri­gen Ver­hand­lun­gen den Inhalt im Ein­zel­nen abge­stimmt hät­ten. Dies gel­te umso mehr, als bei der Dimen­sio­nie­rung und Aus­ge­stal­tung der Sport­an­la­ge ins­be­son­de­re auch die Vor­stel­lun­gen der Evan­ge­li­schen Kir­che im Rhein­land als Trä­ge­rin der sport­be­ton­ten Schu­le mit berück­sich­tigt wor­den sei­en.

Mit­hin sei die Evan­ge­li­sche Kir­che auf­grund des Ver­tra­ges ver­pflich­tet, den auf sie ent­fal­len­den Anteil der Betriebs‑, Unter­hal­tungs- und Bewirt­schaf­tungs­kos­ten zu ent­rich­ten. Über die Höhe der Kos­ten­er­stat­tung ent­schei­det das Ver­wal­tungs­ge­richt nach Rechts­kraft des Grund­ur­teils.

Ver­wal­tungs­ge­richt Koblenz, Urteil vom 9. April 2014 – 2 K 675/​13.KO