Die Piz­ze­ria im All­ge­mei­nen Wohn­ge­biet

Eine Piz­ze­ria ist auch in einem All­ge­mei­nen Wohn­ge­biet zuläs­sig. Das Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt hat mit die­ser Begrün­dung jetzt die Kla­gen von 24 Nach­barn auf Ein­schrei­ten der Bau­auf­sicht des Land­krei­ses Offen­bach gegen eine in der Sou­ter­rain­woh­nung eines Rei­hen­end­haus ein­ge­rich­te­ten Piz­ze­ria in Röder­mark-Ober­ro­den abge­wie­sen. Die Beson­der­heit des Fal­les lag auch dar­in, dass in der nähe­ren Umge­bung der Gast­stät­te in den ver­gan­ge­nen 30 Jah­ren aus­schließ­lich Wohn­nut­zung vor­zu­fin­den war. Sowohl die Klä­ger als auch ins­ge­samt 250 wei­te­re Nach­barn und Bür­ger der wei­te­ren Umge­bung hat­ten sich zuvor in einer Unter­schrif­ten­ak­ti­on gegen die Piz­ze­ria aus­ge­spro­chen.

Die Piz­ze­ria im All­ge­mei­nen Wohn­ge­biet

Nach den bau­recht­li­chen Bestim­mun­gen bestehen aller­dings gegen die in einem All­ge­mei­nen Wohn­ge­biet gele­ge­ne Piz­ze­ria kei­ne Beden­ken. Ins­be­son­de­re ist das zu beach­ten­de Gebot der Rück­sicht­nah­me nicht ver­letzt. Der ein­schlä­gi­ge Bebau­ungs­plan ist wei­ter­hin gül­tig und ermög­licht damit die ent­spre­chen­de Aus­nut­zung. Die Gast­stät­te mit 14 Sitz­plät­zen und 4 The­ken­plät­zen dient nach der Über­zeu­gung des Gerichts der Ver­sor­gung des Gebiets. Das Gericht hat­te sich in einem drei­stün­di­gen Orts­ter­min einen Ein­druck von der Piz­ze­ria und der Umge­bung machen kön­nen; eine in die­sem Ter­min ange­reg­te güt­li­che Eini­gung und Lösung des Kon­flikts ist indes nicht zustan­de gekom­men. Ent­ge­gen der zunächst geäu­ßer­ten Befürch­tun­gen wur­den nach Inbe­trieb­nah­me der Piz­ze­ria Lärm­be­läs­ti­gun­gen und Ver­kehrs­pro­ble­me nicht mehr vor­ge­tra­gen. Die von nur noch eini­gen Klä­gern im wei­te­ren Ver­fah­ren ein­zig gel­tend gemach­ten Geruchs­be­läs­ti­gun­gen haben jedoch nach der Auf­fas­sung des Gerichts das orts­üb­li­che und damit grund­sätz­lich hin­zu­neh­men­de Maß nicht über­schrit­ten. Von Bedeu­tung war hier auch, dass die der Küche der Piz­ze­ria unmit­tel­bar gegen­über­lie­gen­den Nach­barn kei­ne Geruchs­be­läs­ti­gun­gen behaup­tet haben, wohl aber jene Nach­barn, die wei­ter ent­fernt oder der Gast­stät­te abge­wandt ansäs­sig sind. Soweit der Gesetz­ge­ber in einem All­ge­mei­nen Wohn­ge­biet eine der Ver­sor­gung des Gebiets die­nen­de Spei­se­wirt­schaft zuge­las­sen hat, sind die bei ord­nungs­ge­mä­ßem Betrieb übli­chen Emis­sio­nen von der Nach­bar­schaft hin­zu­neh­men.

Ver­wal­tungs­ge­richt Darm­stadt, Urteil vom 24. August 2009 – 2 K 215/​09.DA.