Einst­wei­li­ge Anord­nung – im Organ­streit­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Nach § 32 Abs. 1 BVerfGG kann das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt – auch schon vor Anhän­gig­keit eines Ver­fah­rens zur Haupt­sa­che 1 – einen Zustand durch einst­wei­li­ge Anord­nung vor­läu­fig regeln, wenn dies zur Abwehr schwe­rer Nach­tei­le oder aus einem ande­ren wich­ti­gen Grund zum gemei­nen Wohl drin­gend gebo­ten ist.

Einst­wei­li­ge Anord­nung – im Organ­streit­ver­fah­ren vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

Dabei müs­sen die Grün­de, wel­che für die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der ange­grif­fe­nen Maß­nah­me spre­chen, außer Betracht blei­ben, es sei denn, die Haupt­sa­che erwie­se sich als von vorn­her­ein unzu­läs­sig oder offen­sicht­lich unbe­grün­det 2.

Im Organ­streit­ver­fah­ren bedeu­tet der Erlass einer einst­wei­li­gen Anord­nung einen Ein­griff des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts in die Auto­no­mie eines ande­ren Ver­fas­sungs­or­gans. Bei der Prü­fung der Vor­aus­set­zun­gen des § 32 Abs. 1 BVerfGG ist des­halb grund­sätz­lich ein stren­ger Maß­stab anzu­le­gen 3. Der Erlass kann allein der vor­läu­fi­gen Siche­rung des strei­ti­gen organ­schaft­li­chen Rechts der Antrag­stel­ler die­nen, damit es nicht im Zeit­raum bis zur Ent­schei­dung der Haupt­sa­che durch Schaf­fung voll­ende­ter Tat­sa­chen über­spielt wird 4.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Juni 2017 – 2 BvQ 29/​17

  1. vgl. BVerfGE 11, 339, 342; 27, 152, 156; 92, 130, 133; stRspr[]
  2. vgl. BVerfGE 89, 344, 345; 92, 130, 133; 118, 111, 122; BVerfGK 20, 293, 298; stRspr[]
  3. vgl. BVerfGE 104, 23, 27; 108, 34, 41; 118, 111, 122[]
  4. vgl. BVerfGE 89, 38, 44; 96, 223, 229; 98, 139, 144; 108, 34, 41; 118, 111, 122[]