Godor­fer Hafen­aus­bau – was­ser­recht­li­che Plan­fest­stel­lung oder Bebau­ungs­plan?

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in Leip­zig hat Urtei­le des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter bestä­tigt, mit denen auf die Kla­ge von Anwoh­nern die Plan­fest­stel­lung für den Aus­bau des Hafens Köln-Godorf auf­ge­ho­ben wor­den ist.

Godor­fer Hafen­aus­bau – was­ser­recht­li­che Plan­fest­stel­lung oder Bebau­ungs­plan?

Die Häfen und Güter­ver­kehr Köln AG plant die Erwei­te­rung des Rhein­ha­fens in Köln-Godorf. Dort sol­len ein Hafen­be­cken und ein Hafen­ge­län­de neu geschaf­fen wer­den, in dem Güter – im soge­nann­ten tri­mo­da­len Umschlag – von Last­kraft­wa­gen und von Güter­zü­gen auf Schif­fe und umge­kehrt von Schif­fen auf Last­kraft­wa­gen und Güter­zü­ge gela­den wer­den. Hier­zu sol­len auch Stra­ßen neu gebaut und Bahn­glei­se neu ver­legt wer­den. Die zustän­di­ge Bezirks­re­gie­rung Köln ließ das gesam­te Erwei­te­rungs­pro­jekt im Wege der was­ser­recht­li­chen Plan­fest­stel­lung zu. Zuge­las­sen wur­de der Bau eines Hafen­be­ckens mit einer Flä­che von ca. 2 ha und land­sei­ti­ger Anla­gen mit einer Flä­che von ins­ge­samt ca. 18 ha.

Auf die Kla­gen von Nach­barn hin hat das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt für das Land Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter den Plan­fest­stel­lungs­be­schluss auf­ge­ho­ben, weil eine was­ser­recht­li­che Plan­fest­stel­lung nur für den Bau des Hafen­be­ckens in Betracht kom­me 1

)). Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bestä­tig­te nun die Müns­te­ra­ner Urtei­le und wies die Revi­sio­nen des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len zurück:

Die was­ser­recht­li­che Plan­fest­stel­lung ist rechts­wid­rig, weil auf der Grund­la­ge des Was­ser­haus­halts­ge­set­zes die Plan­fest­stel­lung eines Hafens als funk­tio­na­le Gesamt­heit von was­ser- und land­sei­ti­gen Betriebs­an­la­gen nicht mög­lich ist; plan­fest­stel­lungs­fä­hig ist nur der Aus­bau des Gewäs­sers. Die außer­halb des Hafen­be­ckens und sei­ner Ufer vor­ge­se­he­nen Maß­nah­men sind auch nicht sämt­lich auf ande­ren Rechts­grund­la­gen plan­fest­stel­lungs­fä­hig. Für Stra­ßen kommt nach dem irre­vi­si­blen Lan­des­recht eine Plan­fest­stel­lung nur in Betracht, wenn die­se dem öffent­li­chen Ver­kehr gewid­met sind; das soll bei den der inne­ren Erschlie­ßung des Hafen­ge­län­des die­nen­den Stra­ßen nicht der Fall sein. Eisen­bahn­recht­lich plan­fest­stel­lungs­fä­hig sind ledig­lich Bau und Ände­run­gen von Betriebs­an­la­gen einer Eisen­bahn. Nicht alle plan­fest­ge­stell­ten Tei­le des Vor­ha­bens, die nicht dem Gewäs­ser­aus­bau unter­fal­len, sind aus­schließ­lich als der­ar­ti­ge Betriebs­an­la­gen ein­zu­ord­nen; dane­ben die­nen sie auch ande­ren, nicht von der Ermäch­ti­gung zur Plan­fest­stel­lung umfass­ten Zwe­cken. Für die nicht plan­fest­stel­lungs­fä­hi­gen Tei­le des Gesamt­vor­ha­bens sind mit­hin die gesetz­lich vor­ge­schrie­be­nen Zulas­sungs­ver­fah­ren durch­zu­füh­ren, ins­be­son­de­re Geneh­mi­gungs­ver­fah­ren nach dem Bun­des-Immis­si­ons­schutz­ge­setz und dem Bau­recht, die bei einem sol­chen Vor­ha­ben die vor­he­ri­ge Auf­stel­lung eines Bebau­ungs­plans erfor­dern kön­nen.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, Urtei­le vom 19. Febru­ar 2015 – 7 C 10.12 und 7 C 11.12

  1. OVG NRW, Urtei­le vom 15.03.2011 – 20 A 2147/​09 und 20 A 2148/​09[]