Iden­ti­täts­nach­weis bei der Füh­rer­schein­prü­fung – und die Auf­ent­halts­ge­stat­tung

Eine mit Licht­bild ver­se­he­ne Beschei­ni­gung über die Auf­ent­halts­ge­stat­tung kann auch dann aus­rei­chen, den bei der Bean­tra­gung einer Fahr­erlaub­nis und vor der Able­gung der Fahr­prü­fun­gen erfor­der­li­chen Iden­ti­täts­nach­weis zu erbrin­gen, wenn die Per­so­nen­an­ga­ben in die­ser Beschei­ni­gung allein auf den eige­nen Anga­ben des Betrof­fe­nen beru­hen.

Iden­ti­täts­nach­weis bei der Füh­rer­schein­prü­fung – und die Auf­ent­halts­ge­stat­tung

In dem hier vom Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall woll­te ein nach sei­nen Anga­ben aus Afgha­ni­stan stam­men­der Asyl­be­wer­ber in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land eine Fahr­erlaub­nis erwer­ben. Sei­nen Antrag vom Janu­ar 2013, als Iden­ti­täts­nach­weis für den Fahr­erlaub­nis­er­werb die ihm in Deutsch­land aus­ge­stell­te und mit einem Licht­bild ver­se­he­ne Beschei­ni­gung über die Auf­ent­halts­ge­stat­tung genü­gen zu las­sen, lehn­te der beklag­te Main-Kin­zig-Kreis ab. Zur Begrün­dung ver­wies die Fahr­erlaub­nis­be­hör­de dar­auf, dass nach der Fahr­erlaub­nis-Ver­ord­nung zur Über­prü­fung der Iden­ti­tät des Bewer­bers unter ande­rem ein amt­li­cher Nach­weis über Ort und Tag der Geburt bei­zu­brin­gen sei. Die­sen Anfor­de­run­gen genü­ge die vom Klä­ger vor­ge­leg­te Beschei­ni­gung nicht, denn die Ein­tra­gun­gen zu Tag und Ort sei­ner Geburt beruh­ten aus­schließ­lich auf sei­nen eige­nen Anga­ben.

Auf die nach erfolgs­lo­sem Wider­spruch hier­ge­gen erho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Frank­furt am Main die Beschei­de auf­ge­ho­ben und den Main-Kin­zig-Kreis ver­pflich­tet, einem Antrag des Klä­gers auf Ertei­lung einer Fahr­erlaub­nis auf der Grund­la­ge der Beschei­ni­gung über die Auf­ent­halts­ge­stat­tung als Iden­ti­täts­nach­weis statt­zu­ge­ben, sofern die hier­für erfor­der­li­chen wei­te­ren gesetz­li­chen Vor­aus­set­zun­gen vor­lie­gen 1. Die Beru­fung des Main-Kin­zig-Krei­ses hat der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof zurück­ge­wie­sen (Hess. VGH, Urteil vom 09.06.2015 – 2 A 732/​14)); der nach dem Fahr­erlaub­nis­recht erfor­der­li­che Nach­weis von Tag und Geburt des Klä­gers kön­ne, so der Hes­si­sche Ver­wal­tungs­ge­richts­hof, kön­ne mit der vor­ge­leg­ten Beschei­ni­gung über die Auf­ent­halts­ge­stat­tung geführt wer­den. Es bestün­den kei­ne Anhalts­punk­te dafür, dass die dort zugrun­de geleg­ten Anga­ben des Klä­gers unzu­tref­fend sei­en. Die mit einem Licht­bild ver­se­he­ne Beschei­ni­gung ermög­li­che auch die Über­prü­fung, ob der Fahr­erlaub­nis­be­wer­ber und der­je­ni­ge, der sich zur theo­re­ti­schen und prak­ti­schen Fahr­prü­fung vor­stel­le, iden­tisch sei­en.

Das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt hat nun auch die hier­ge­gen gerich­te­te Revi­si­on des Main-Kin­zig-Krei­ses zurück­ge­wie­sen:

Auch eine Beschei­ni­gung über eine Auf­ent­halts­ge­stat­tung mit dem Zusatz, dass die dort auf­ge­führ­ten Per­so­nen­an­ga­ben auf den eige­nen Anga­ben des Betrof­fe­nen beru­hen, kann als Iden­ti­täts­nach­weis bei der Bean­tra­gung einer Fahr­erlaub­nis genü­gen. Der nach § 2 Abs. 6 StVG sowie § 21 Abs. 1 und 3 FeV erfor­der­li­che Nach­weis u.a. von Tag und Ort der Geburt kann ori­en­tiert am Sinn und Zweck die­ser Rege­lung von der Fahr­erlaub­nis­be­hör­de als erbracht ange­se­hen wer­den, wenn kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel dar­an ver­blei­ben, dass der Fahr­erlaub­nis­be­wer­ber das für den Fahr­erlaub­nis­er­werb erfor­der­li­che Min­dest­al­ter erreicht hat und durch einen Abgleich auf der Grund­la­ge die­ser Per­so­nen­an­ga­ben mit den für den Fahr­erlaub­nis­er­werb maß­geb­li­chen Regis­tern (ins­be­son­de­re Fahr­eig­nungs­re­gis­ter, Fahr­erlaub­nis­re­gis­ter und Bun­des­zen­tral­re­gis­ter) fest­ge­stellt wer­den kann, ob sons­ti­ge Hin­de­rungs­grün­de, etwa Zwei­fel an der Fahr­eig­nung des Bewer­bers, bestehen. Die­se Vor­aus­set­zun­gen waren nach den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen des Beru­fungs­ge­richts im Fall des Klä­gers erfüllt. Eben­so ermög­licht es die mit einem Foto ver­se­he­ne Beschei­ni­gung über die Auf­ent­halts­ge­stat­tung dem Prü­fer, sich vor der theo­re­ti­schen (§ 16 Abs. 3 Satz 3 FeV) und der prak­ti­schen Fahr­prü­fung (§ 17 Abs. 5 Satz 2 FeV) davon zu über­zeu­gen, dass der Prüf­ling mit dem Antrag­stel­ler iden­tisch ist. Glei­ches gilt für die gemäß § 22 Abs. 4 Satz 4 FeV vor der Aus­hän­di­gung des Füh­rer­scheins erfor­der­li­che Iden­ti­täts­prü­fung.

Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, urteil vom 8. Sep­tem­ber 2016 – 3 C 162015 -

  1. VG Frankfurt/​Main, Urteil vom 28.02.2014 – 6 K 2998/​13[]