Kei­ne Indi­vi­du­al­ver­fas­sungs­be­schwer­den zum Nie­der­säch­si­schen Staats­ge­richts­hof

Der Nie­der­säch­si­sche Staats­ge­richts­hof ist nach der der­zeit gel­ten­den Zustän­dig­keits­be­stim­mung in Art. 54 NV nicht befugt, auf den Antrag einer Bür­ge­rin oder eines Bür­gers die Ver­ein­bar­keit staat­li­chen Han­delns oder Unter­las­sens mit der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung oder mit dem Grund­ge­setz zu über­prü­fen. Eine sol­che Befug­nis ergibt sich auch nicht aus der Gewähr­leis­tung des Rechts­wegs nach Art. 53 NV.

Kei­ne Indi­vi­du­al­ver­fas­sungs­be­schwer­den zum Nie­der­säch­si­schen Staats­ge­richts­hof

Der­ar­ti­ge Anträ­ge sind unstatt­haft und daher gemäß §§ 12 Abs. 1 NStGHG, 24 BVerfGG zu ver­wer­fen.

Der Staats­ge­richts­hof ent­schei­det gemäß Art. 54 NV vom 19.05.1993 1, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 30.06.2011 2, aus­schließ­lich über die in die­ser Ver­fas­sungs­be­stim­mung abschlie­ßend auf­ge­führ­ten Gegen­stän­de. Die Befug­nis, auf den Antrag eines Bür­gers die Ver­ein­bar­keit staat­li­chen Han­delns oder Unter­las­sens mit der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung oder – was die Antrag­stel­ler in ers­ter Linie anstre­ben – mit dem Grund­ge­setz zu über­prü­fen, ist dem Staats­ge­richts­hof hier­nach nicht ein­ge­räumt 3. Eine sol­che Befug­nis ergibt sich auch nicht aus der Gewähr­leis­tung eines Rechts­wegs nach Art. 53 NV 4.

Auch der Ver­weis auf die Mög­lich­keit der Durch­füh­rung eines Ver­fah­rens nach Art. 54 Nr. 1 NV hilft der Indi­vi­du­al­ver­fas­sungs­be­schwer­de vor dem Nie­der­säch­si­schen Staats­ge­richts­hof nicht zur Zuläs­sig­keit.

In den (Organ­streit-)Ver­fah­ren nach Art. 54 Nr. 1 NV darf der Staats­ge­richts­hof nur auf Antrag eines obers­ten Lan­des­or­gans oder eines Betei­lig­ten im Sin­ne die­ser Ver­fas­sungs­be­stim­mung ent­schei­den. Nach dem Wort­laut die­ser Bestim­mung und dem inso­weit wort­glei­chen § 8 Nr. 6 NStGHG vom 01.07.1996 5, zuletzt geän­dert durch Gesetz vom 10.11.2011 6, kön­nen antrags­be­fug­te Betei­lig­te nur Orga­ne und Per­so­nen sein, die durch die Nie­der­säch­si­sche Ver­fas­sung oder in der Geschäfts­ord­nung des Land­tags oder der Lan­des­re­gie­rung mit eige­nen Rech­ten aus­ge­stat­tet sind. Eige­ne Rech­te im Sin­ne des Art. 54 Nr. 1 NV kön­nen nur sol­che sein, die dem Betref­fen­den über die jeder­mann zuste­hen­den Rech­te und ver­fas­sungs­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen hin­aus zuste­hen 7.

Sol­che Rech­te machen die Antrag­stel­ler im Zusam­men­hang mit ihrem maß­geb­li­chen Begeh­ren um eine Ver­pflich­tung der Nie­der­säch­si­schen Lan­des­re­gie­rung zur Vor­nah­me ver­schie­de­ner Geset­zes­in­itia­ti­ven nicht für sich gel­tend und kön­nen das auch nicht. Sie sind weder durch die Nie­der­säch­si­sche Ver­fas­sung noch durch eine der genann­ten Geschäfts­ord­nun­gen all­ge­mein oder in Bezug auf ihr Begeh­ren mit beson­de­ren Rech­ten aus­ge­stat­tet, deren Umfang durch Aus­le­gung der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung zu ermit­teln wäre. Eine sol­che beson­de­re Rechts­stel­lung erwächst ihnen ins­be­son­de­re nicht dar­aus, dass die im Grund­ge­setz für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land fest­ge­leg­ten Grund­rech­te und staats­bür­ger­li­chen Rech­te nach Art. 3 Abs. 2 Satz 1 NV Bestand­teil der Nie­der­säch­si­schen Ver­fas­sung sind. Denn dabei han­delt es sich um Gewähr­leis­tun­gen, auf die sich jeder­mann beru­fen kann.

Die Antrag­stel­ler kön­nen sich schließ­lich nicht mit Erfolg auf Art. 54 Nr. 6 NV beru­fen.

Nach die­ser Bestim­mung ent­schei­det der Staats­ge­richts­hof auch in den übri­gen, ihm durch die Nie­der­säch­si­sche Ver­fas­sung oder durch Gesetz zuge­wie­se­nen Fäl­len. Eine sol­che kon­kre­te ver­fas­sungs­recht­li­che oder ein­fach­ge­setz­li­che Zuwei­sung besteht für die vor­lie­gen­den Anträ­ge ersicht­lich nicht 8.

Nie­der­säch­si­scher Staats­ge­richts­hof, Beschluss vom 22. Juli 2013 – 1/​13, 2/​13, 3/​13, StGH 1/​13, StGH 2/​13, StGH 3/​13

  1. Nds. GVBl. S. 107[]
  2. Nds. GVBl. S. 210[]
  3. vgl. Nds. StGH, Beschluss vom 18.05.1998 – StGH 27/​94, NdsRpfl.1998, 270[]
  4. vgl. Nds. StGH, Beschluss vom 17.05.1999 – StGH 3/​99[]
  5. Nds. GVBl. S. 342[]
  6. Nds. GVBl. S. 414[]
  7. vgl. Nds. StGH, Beschluss vom 27.01.2006 – StGH 3/​05, StGHE 4, 131,132[]
  8. vgl. Nds. StGH, Beschluss vom 18.05.1998, a.a.O.[]