Sauer­stoff­hoch­druck­be­hand­lung für Frisch­fleisch

Unver­pack­tes Frisch­fleisch, das zur Sta­bi­li­sie­rung der roten Fleisch­far­be einer Sauer­stoff­hoch­druck­be­hand­lung unter­zo­gen wur­de, darf im Lebens­mit­tel­ein­zel­han­del in der Frisch­fleisch­the­ke nicht ohne einen Hin­weis auf die­se Behand­lung ange­bo­ten wer­den.

Sauer­stoff­hoch­druck­be­hand­lung für Frisch­fleisch

Ver­brau­chern ist bei Frisch­fleisch, das in Fer­tig­pa­ckun­gen ange­bo­ten wird, der auf der Ver­pa­ckung ange­brach­te Hin­weis "unter Schutz­at­mo­sphä­re ver­packt" bekannt. Die ver­wen­de­ten Gas­ge­mi­sche der Schutz­at­mo­sphä­re wei­sen nicht uner­heb­li­che Unter­schie­de auf. In der öffent­li­chen Dis­kus­si­on war vor kur­zem die Ver­wen­dung von Sauer­stoff, der nicht zu einer Ver­län­ge­rung der Halt­bar­keit führt, son­dern einem "Ver­grau­en" des Fleischs ent­ge­gen­wirkt; eine kräf­ti­ge rote Fleisch­far­be bleibt so län­ger erhal­ten.

In dem jetzt zunächst vom Ver­wal­tungs­ge­richt Braun­schweig 1 und dann vom Nie­der­säch­si­schen Ober­ver­wal­tungs­ge­richt ent­schie­de­nen Fall geht es um die Über­tra­gung des Farb­sta­bi­li­sie­rungs­ver­fah­rens auf unver­pack­tes Fleisch, das in einem Super­markt in der Frisch­fleisch­the­ke ange­bo­ten wird. Bei dem Ver­fah­ren wird Sauer­stoff unter hohem Druck meh­re­re Stun­den lang in einen Behäl­ter mit Fleisch ein­ge­lei­tet. Der kla­gen­de Lebens­mit­tel­ein­zel­händ­ler hat auf die Sauer­stoff­hoch­druck­be­hand­lung nicht hin­ge­wie­sen. Die amt­li­che Lebens­mit­tel­kon­trol­le hat dies als irre­füh­rend bean­stan­det. Zu Recht, wie das Lüne­bur­ger Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun­mehr ent­schie­den hat. Fehlt eine Kennt­lich­ma­chung, liegt eine Irre­füh­rung vor, weil die Ver­brau­cher­er­war­tung durch die blo­ße "Fri­sche­op­tik" ent­täuscht wer­den kann.

Nie­der­säch­si­sches Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2010 – 13 LA 28/​09

  1. VG Braun­schweig, Urteil vom 10.12.2008 – 5 A 185/​07[]