Schmud­del-Lis­te für Lebens­mit­tel­ge­schäf­te

Die Ver­öf­fent­li­chung von in einem Lebens­mit­tel­ge­schäft fest­ge­stell­ten Män­gel in der sog. "Schmud­del-Lis­te" ist dann zu unter­sa­gen, wenn anläss­lich einer Betriebs­kon­trol­le ledig­lich all­ge­mei­ne Ver­stö­ße hygie­ne­recht­li­cher Art fest­ge­stellt wor­den sind und damit auch die Ver­hän­gung eines Buß­gel­des von min­des­tens 350 € nicht hin­rei­chend wahr­schein­lich ist. Außer­dem sol­len in der Lis­te an kon­kre­ten Lebens­mit­teln fest­ge­stell­te Män­gel i.S.e. Pro­dukt­war­nung ver­öf­fent­licht wer­den.

Schmud­del-Lis­te für Lebens­mit­tel­ge­schäf­te

Mit die­ser Begrün­dung hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Trier im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren die der­zei­ti­ge Ver­öf­fent­li­chung von in einem Lebens­mit­tel­ge­schäft im Trie­rer Stadt­ge­biet fest­ge­stell­ten Män­geln hygie­ni­scher Art unter­sagt.

Nach Auf­fas­sung des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier sei­en in die­sem kon­kre­ten Fall die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der ein­schlä­gi­gen, grund­sätz­lich mit Ver­fas­sungs- und Euro­pa­recht in Ein­klang ste­hen­den Vor­schrift des Lebens­mit­tel-, Bedarfs­ge­gen­stän­de- und Fut­ter­mit­tel­ge­setz­bu­ches (LFGB) nicht erfüllt. Die Vor­schrift befu­ge nur zur Ver­öf­fent­li­chung von an kon­kre­ten Lebens­mit­teln fest­ge­stell­ten Män­geln i.S.e. Pro­dukt­war­nung und nicht zur Ver­öf­fent­li­chung sons­ti­ger hygie­ne­recht­li­cher Ver­stö­ße ohne Bezug zu kon­kre­ten Lebens­mit­teln. Im zugrun­de lie­gen­den Fall sei­en anläss­lich der Betriebs­kon­trol­le indes ledig­lich all­ge­mei­ne Ver­stö­ße hygie­ne­recht­li­cher Art (wie Riss in Glas­schei­be einer Fleisch­the­ke, Ver­schmut­zun­gen an einem Kühl­schrank, feh­len­de hygie­ne­recht­li­che Schu­lung einer Mit­ar­bei­te­rin, nicht auf­ge­füll­ter Papier­hand­tuch- und Des­in­fek­ti­ons­mit­tel­be­häl­ter) fest­ge­stellt wor­den. Vor die­sem Hin­ter­grund sei zudem die von der ein­schlä­gi­gen Vor­schrift gefor­der­te Erwar­tung der Ver­hän­gung eines Buß­gel­des von min­des­tens 350 € nicht hin­rei­chend wahr­schein­lich. Im Übri­gen spre­che Über­wie­gen­des dafür, dass die geplan­te Ver­öf­fent­li­chung im vor­lie­gen­den Fall die Gren­zen der Ver­hält­nis­mä­ßig­keit über­schrei­te. Dabei sei ins­be­son­de­re in den Blick zu neh­men, dass die geplan­te Ver­öf­fent­li­chung ein­schnei­den­de tat­säch­li­che Fol­gen für den Betrieb und die dort Beschäf­tig­ten zur Fol­ge haben wür­de, die nach erfolg­ter Ver­öf­fent­li­chung nicht mehr rück­gän­gig zu machen sei­en. Da die wesent­li­chen Män­gel zwi­schen­zeit­lich zudem abge­stellt wor­den sei­en, sei eine Ver­öf­fent­li­chung zum Schutz der Ver­brau­cher der­zeit auch nicht uner­läss­lich.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Beschluss vom 28. Novem­ber 2012 – 1 L 1339/​12.TR