Trep­pen­sturz vor dem Wahl­lo­kal

Eine Bür­ge­rin, die auf einer Trep­pe zum Wahl­lo­kal stürz­te, erhält des­we­gen von der Gemein­de kein Schmer­zens­geld.

Trep­pen­sturz vor dem Wahl­lo­kal

Bei der Gemein­de­ver­tre­ter­wahl am 28. Sep­tem­ber 2008 dien­te in einem klei­nen bran­den­bur­gi­schen Ort bei Guben eine Gast­stät­te als Wahl­lo­kal. Die Klä­ge­rin begab sich an die­sem Tag nach Schlie­ßung des Wahl­lo­kals als Zuschaue­rin zur Stim­men­aus­zäh­lung und stieg dabei die Stu­fen der brei­ten Trep­pe hin­auf. Als sie sich nach Ein­bruch der Däm­me­rung auf den Heim­weg mach­te, stürz­te sie auf der an ver­schie­de­nen Stel­len schad­haf­ten Trep­pe und zog sich eine kom­pli­zier­te Sprung­ge­lenks­lu­xa­ti­ons­frak­tur zu, so dass sie noch am sel­ben Tag ope­riert wer­den muss­te. Sie war noch zwei Wochen im Kran­ken­haus und ins­ge­samt mehr als drei Mona­te arbeits­un­fä­hig.

Die Frau ver­klag­te dar­auf­hin die Gemein­de auf Scha­dens­er­satz und mach­te außer­dem einen Anspruch auf Schmer­zens­geld in Höhe von 5.000 € gel­tend. Das erst­in­stanz­lich mit die­ser Scha­dens­er­satz­kla­ge befass­te Land­ge­richt Cott­bus hat die Kla­ge abge­wie­sen 1. Und in der Beru­fungs­in­stanz ver­nein­te nun auch das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt einen Scha­dens­er­satz- und Schmer­zens­geld­an­spruch der Klä­ge­rin:

Die Gemein­de sei zwar für die Trep­pe ver­kehrs­si­che­rungs­pflich­tig, urteil­te das Bran­den­bur­gi­sche Ober­lan­des­ge­richt. Denn zum einen ste­he die Gast­stät­te in ihrem Eigen­tum, zum ande­ren habe sie sie an dem maß­geb­li­chen Tag als Wahl­lo­kal benutzt.

Die Gemein­de sei aller­dings nicht zu lücken­lo­sen Siche­rungs­vor­keh­run­gen ver­pflich­tet. Die Benut­zer der Trep­pe müss­ten sich den ört­li­chen Ver­hält­nis­sen anpas­sen. Dies hät­te auch die Klä­ge­rin tun kön­nen. Die Trep­pe sei in erkenn­bar schlech­tem Zustand gewe­sen. Die Klä­ge­rin hät­te die Aus­bruch­stel­le auf der Trep­pe, auf der sie gestürzt war, bemer­ken kön­nen. Der Klä­ge­rin sei­en die Trep­pe und ihr Zustand bekannt gewe­sen, weil sie die Trep­pe am Wahl­tag nach eige­ner Dar­stel­lung bereits bei Stimm­ab­ga­be und dann noch ein­mal auf dem Weg zur Stim­men­aus­zäh­lung benutzt hat­te.

Bran­den­bur­gi­sches Ober­lan­des­ge­richt, Urteil vom 31. Mai 2011 – 2 U 54/​10

  1. LG Cott­bus, Urteil vom 01.11.2010 – 3 O 70/​10[]