Anwalts­ge­büh­ren für die Abmah­nung

Der Rechts­an­walt erhält in einem durch­schnitt­li­chen Fall für eine wett­be­werbs­recht­li­che Abmah­nung eine Geschäfts­ge­bühr nach Nr. 2300 RVG VV nicht unter­halb einer 1,3‑fachen Gebühr.

Anwalts­ge­büh­ren für die Abmah­nung

Der berech­tigt Abmah­nen­de kann Ersatz der ihm tat­säch­lich ent­stan­de­nen und erfor­der­li­chen Auf­wen­dun­gen ver­lan­gen. Dazu gehö­ren die durch die Ein­schal­tung eines Rechts­an­walts ent­stan­de­nen Gebüh­ren und Aus­la­gen. Die Ver­fol­gung von Wett­be­werbs­ver­stö­ßen gehört nicht zu den ori­gi­nä­ren Auf­ga­ben eines Unter­neh­mers, für die er eine eige­ne Orga­ni­sa­ti­on vor­hal­ten muss [1].

Die Höhe der Anwalts­kos­ten bemisst sich nach Nr. 2300 RVG VV. Ohne Erfolg rügt die Revi­si­on, das Beru­fungs­ge­richt habe die Rechts­an­walts­ge­bühr der Nr. 2400 RVG VV ent­nom­men. Das Beru­fungs­ge­richt hat ersicht­lich auf den Tat­be­stand der Nr. 2400 RVG VV a.F. abge­stellt, der auf­grund der Ände­rung durch Art. 5 Abs. 1 Nr. 4 lit. b des Kos­ten­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­set­zes mit Wir­kung ab 1. Juli 2006 in Nr. 2300 RVG VV ange­führt ist [2].

Auch ist die Tätig­keit des Rechts­an­walts bei einer Abmah­nung nicht auf eine außer­ge­richt­li­che Bera­tung im Sin­ne des § 34 Abs. 1 RVG beschränkt. Eine Bera­tung im Sin­ne die­ser Vor­schrift liegt vor, wenn sich die Tätig­keit des Rechts­an­walts in einem Infor­ma­ti­ons­aus­tausch mit dem Auf­trag­ge­ber erschöpft. Dage­gen ent­steht die Geschäfts­ge­bühr für die außer­ge­richt­li­che Ver­tre­tung nach Nr. 2300 RVG VV, wenn der Auf­trag dar­auf gerich­tet ist, dass der Rechts­an­walt nach außen tätig wird [3].

Inner­halb des nach Nr. 2300 RVG VV bestehen­den Rah­mens einer 0,5 bis 2,5‑fachen Gebühr ist das Ver­lan­gen einer 1,3‑fachen Gebühr nicht unbil­lig.

Bei Rah­men­ge­büh­ren bestimmt der Rechts­an­walt die Gebühr nach nähe­rer Maß­ga­be des § 14 Abs. 1 Satz 1 RVG nach bil­li­gem Ermes­sen. In durch­schnitt­li­chen Fäl­len ist die in der Bemer­kung zu Nr. 2300 RVG VV ange­führ­te 1,3‑fache Gebühr die Regel­ge­bühr [4].

Bei einer wett­be­werbs­recht­li­chen Abmah­nung ist in einem durch­schnitt­li­chen Fall nicht von einer unter dem Regel­satz lie­gen­den 1,3‑fachen Gebühr aus­zu­ge­hen [5].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 19. Mai 2010 – I ZR 140/​08

  1. vgl. BGH, Urteil vom 08.05.2008 – I ZR 83/​06, GRUR 2008, 928 Tz. 15 = WRP 2008, 1188 – Abmahn­kos­ten-ersatz[]
  2. BGBl. I 2004, S. 847 f.[]
  3. vgl. Hart­mann, Kos­ten­ge­set­ze, 40. Aufl., § 34 RVG Rdn. 1; Teubel/​Winkler in Mayer/​Kroiß, Rechts­an­walts­ver­gü­tungs­ge­setz, 4. Aufl., § 34 Rdn. 27[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 31.10.2006 – VI ZR 261/​05, NJW-RR 2007, 420 Tz. 8; vgl. auch Begrün­dung zum Ent­wurf eines Geset­zes zur Moder­ni­sie­rung des Kos­ten­rechts, BT-Drs. 15/​1971, S. 207 zu Nr. 2400 RVG VV[]
  5. vgl. Born­kamm in Köhler/​Bornkamm aaO § 12 Rdn. 1.94; Fezer/​Büscher aaO § 12 Rdn. 71; Hess in Ull­mann, juris­PK-UWG, 2. Aufl., § 12 Rdn. 33[]