Der Preis für die Nut­zung von Kabel­ka­nal­an­la­gen

Die Prei­se für die Nut­zung der Kabel­ka­nal­an­la­gen, die Kabel Deutsch­land GmbH auf­grund eines zwi­schen ihr und der Deut­schen Tele­kom GmbH geschlos­se­nen Ver­tra­ges seit 2003 an die Deut­sche Tele­kom gezahlt hat, sind nicht kar­tell­rechts­wid­rig über­höht gewe­sen.

Der Preis für die Nut­zung von Kabel­ka­nal­an­la­gen

So hat das Land­ge­richt Frank­furt am Main in dem hier vor­lie­gen­den Kar­tell­rechts­streit ent­schie­den und die Kla­ge der Kabel Deutsch­land GmbH auf Zah­lung eines Betra­ges von ca. 350 Mio. € gegen die Tele­kom Deutsch­land GmbH abge­wie­sen. Die Kabel Deutsch­land GmbH betreibt in einer Viel­zahl von Bun­des­län­dern ein Breit­band­ka­bel­netz, das zu einem Groß­teil in Kabel­ka­nal­an­la­gen der Deut­schen Tele­kom GmbH liegt. Dies hat den his­to­ri­schen Hin­ter­grund, dass das Breit­band­ka­bel­ge­schäft ursprüng­lich von der Beklag­ten betrie­ben wur­de, Ende der 90er Jah­re aber aus­ge­glie­dert und schließ­lich an die Klä­ge­rin ver­kauft wur­de. Dabei wur­den Nut­zungs­ver­trä­ge hin­sicht­lich der Kabel­ka­nal­an­la­gen geschlos­sen, die die Klä­ge­rin nun als kar­tell­rechts­wid­rig angreift. Sie bezieht sich dabei auf die Ent­geltre­gu­lie­rung der Bun­des­netz­agen­tur für die "letz­te Mei­le", die zu deut­lich nied­ri­ge­ren Ent­gel­ten führt. Unter­neh­men, die markt­be­herr­schend sind, ist eine miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung einer markt­be­herr­schen­den Stel­lung nach § 19 des Geset­zes gegen Wett­be­werbs­be­schrän­kun­gen ver­bo­ten. Die Fra­ge der markt­be­herr­schen­den Stel­lung erfor­dert die Abgren­zung des sach­lich und räum­lich rele­van­ten Mark­tes.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Frank­furt am Main war bereits eine markt­be­herr­schen­de Stel­lung der Beklag­ten und damit eine Anwend­bar­keit der kar­tell­recht­li­chen Miss­brauchs­re­ge­lun­gen abzu­leh­nen, da die Ver­trä­ge der Par­tei­en eng an die Über­nah­me der Kabel­ge­sell­schaf­ten von der Beklag­ten ver­knüpft gewe­sen sei­en. Dazu hat das Land­ge­richt aus­ge­führt, dass es sich bei der Ent­schei­dung, ob die Klä­ge­rin nach Über­nah­me des Kabel­ge­schäfts der Beklag­ten (wei­ter­hin) deren Kabel­an­la­gen nutzt, nicht um eine nach­ge­schal­te­te Nach­fra­ge han­de­le, son­dern um Teil der pri­mä­ren Ent­schei­dung für ein bestimm­tes Sys­tem – hier den Erwerb eines Groß­teils des Kabel­net­zes der Beklag­ten. Die wett­be­werb­li­chen Kräf­te wir­ken daher auf der Ebe­ne der Ent­schei­dung für die Über­nah­me des Kabel­ge­schäfts und nicht auf einer zwei­ten nach­ge­la­ger­ten Ebe­ne der Ent­schei­dung über die Fra­ge, wie und wo die­se Net­ze – die immer schon in den Kabel­ka­nal­an­la­gen der Beklag­ten lagen – nun­mehr genutzt wer­den.

Die Fra­ge, ob die – deut­lich nied­ri­ge­ren – Preis­fest­set­zun­gen der Bun­des­netz­agen­tur nach dem Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­setz im Hin­blick auf die "letz­te Mei­le" in den Kabel­ka­nal­an­la­gen der Beklag­ten auf einen Miss­brauch durch die Beklag­ten hin­weist, stell­te sich nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts man­gels Markt­be­herr­schung durch die Beklag­te daher nicht.

Land­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 28. August 2013 – 2 – 06 O 182/​12