Die markt­be­herr­schen­de Stel­lung durch Zusam­men­schluss von Kli­ni­ken

Führt der geplan­te Zusam­men­schluss zwei­er Kli­ni­ken zu einer erheb­li­chen Ein­schrän­kung des Wett­be­werbs auf den Kran­ken­haus­märk­ten der betref­fen­den Regi­on, kann der Zusam­men­schluss unter­sagt wer­den.

Die markt­be­herr­schen­de Stel­lung durch Zusam­men­schluss von Kli­ni­ken

Mit die­ser Begrün­dung hat das Bun­des­kar­tell­amt in dem hier vor­lie­gen­den Fall die vom Land­kreis Ess­lin­gen und der Stadt Ess­lin­gen geplan­te Zusam­men­füh­rung der Kreis­kli­ni­ken Ess­lin­gen mit dem Kli­ni­kum Ess­lin­gen unter­sagt. Das Kli­ni­kum Ess­lin­gen ist das größ­te Kran­ken­haus im Land­kreis Ess­lin­gen. Es liegt in der Kreis­stadt Ess­lin­gen am Neckar und ver­fügt über 625 Plan­bet­ten in sie­ben Fach­ab­tei­lun­gen und Spe­zi­al­zen­tren. Die Kreis­kli­ni­ken Ess­lin­gen betrei­ben im Land­kreis Ess­lin­gen drei Kran­ken­häu­ser zur sta­tio­nä­ren Behand­lung soma­ti­scher Erkran­kun­gen mit ins­ge­samt 1.174 Bet­ten und sie­ben Pla­n­ab­tei­lun­gen sowie zwei medi­zi­ni­schen Ver­sor­gungs­zen­tren und wei­te­re Spe­zi­al­zen­tren.

Die Kreis­kli­ni­ken stan­den ins­be­son­de­re 2012 in einer finan­zi­ell schwie­ri­gen Situa­ti­on und haben dar­auf­hin ver­schie­de­ne Maß­nah­men ergrif­fen, um sich im Wett­be­werb ins­be­son­de­re mit dem Kli­ni­kum effi­zi­en­ter auf­zu­stel­len. Bereits 2013 konn­te ein posi­ti­ves ope­ra­ti­ves Ergeb­nis erwirt­schaf­tet wer­den. Gesell­schaf­ter ist der Land­kreis Ess­lin­gen, der u.a. Trä­ger der Kreis­spar­kas­se Ess­lin­gen-Nür­tin­gen ist, mit einem Geschäfts­vo­lu­men von über 8 Mrd. Euro eine der gro­ßen Spar­kas­sen Deutsch­lands.

Nach Auf­fas­sung­des Bun­des­kar­tell­am­tes hät­te die Zusam­men­le­gung wett­be­werbs­be­schrän­ken­de Aus­wir­kun­gen auf den Markt für Akut­kran­ken­häu­ser in den Gebie­ten Ess­lin­gen und Kirchheim/​Nürtingen. In bei­den Gebie­ten gibt es kei­ne wei­te­ren Akut­kran­ken­häu­ser. Durch den Zusam­men­schluss der bei­den füh­ren­den und engs­ten Wett­be­wer­ber ent­stün­de ein markt­be­herr­schen­der Kran­ken­haus­trä­ger in der Regi­on. Der der­zeit bestehen­de Druck, sich an Leis­tungs- und Qua­li­täts­ver­bes­se­run­gen des jeweils ande­ren Betei­lig­ten aus­zu­rich­ten, wür­de ent­fal­len. So erklär­te der Prä­si­dent des Bun­des­kar­tell­am­tes, dass wei­ter ent­fernt lie­gen­de Kli­ni­ken, zum Bei­spiel in Stutt­gart oder Tübin­gen, für die Pati­en­ten nur sehr begrenzt eine Aus­weich­al­ter­na­ti­ve dar­stel­len wür­den. Gera­de weil der Kran­ken­haus­be­reich spe­zi­fi­scher staat­li­cher Regu­lie­rung unter­lie­ge und es nur wenig Preis­wett­be­werb gebe, sei es wich­tig, Aus­wahl­al­ter­na­ti­ven für die Pati­en­ten und damit den Qua­li­täts­wett­be­werb zwi­schen den Kran­ken­häu­sern zu erhal­ten.

Die Betei­lig­ten haben im Lau­fe des Ver­fah­rens kei­ne zusam­men­schluss­be­ding­ten Vor­tei­le dar­ge­legt, die nicht in ähn­li­chem Umfang durch weni­ger wett­be­werbs­schäd­li­che Alter­na­ti­ven erzielt wer­den kön­nen. Viel­mehr hat­ten die Stadt und der Kreis Ess­lin­gen sich auf die Zusam­men­füh­rung ihrer Kran­ken­häu­ser fest­ge­legt und jeg­li­che Alter­na­ti­ven, wie zum Bei­spiel eine Betei­li­gung ande­rer Kran­ken­haus­trä­ger, aus­ge­schlos­sen.

Bun­des­kar­tell­amt, Ver­fü­gung vom 15. Mai 2014