DSGVO – und der Anspruch auf Geldentschädigung

Die Fra­ge, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen Art. 82 Abs. 1 DSGVO einen Geld­ent­schä­di­gungs­an­spruch gewährt und wel­ches Ver­ständ­nis die­ser Vor­schrift ins­be­son­de­re im Hin­blick auf Erwä­gungs­grund 146 Satz 3 zu geben ist, ver­langt eine wei­te Aus­le­gung des Scha­dens­be­griffs im Lich­te der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on, die den Zie­len der DSGVO in vol­lem Umfang entspricht.

DSGVO – und der Anspruch auf Geldentschädigung

Nach Art. 82 Abs. 1 DSGVO hat jede Per­son, der wegen eines Ver­sto­ßes gegen die DSGVO ein mate­ri­el­ler oder imma­te­ri­el­ler Scha­den ent­stan­den ist, Anspruch auf Scha­dens­er­satz gegen den Ver­ant­wort­li­chen, also die­je­ni­ge natür­li­che oder juris­ti­sche Per­son, Behör­de, Ein­rich­tung oder ande­re Stel­le, die allein oder gemein­sam mit ande­ren über die Zwe­cke und Mit­tel der Ver­ar­bei­tung von per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten ent­schei­det (vgl. Art. 4 Nr. 7 DSGVO).

Die­ser Geld­ent­schä­di­gungs­an­spruch ist in der Recht­spre­chung des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on weder erschöp­fend geklärt noch kann er in sei­nen ein­zel­nen, für die Beur­tei­lung des im Aus­gangs­ver­fah­rens vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halts not­wen­di­gen Vor­aus­set­zun­gen unmit­tel­bar aus der DSGVO bestimmt wer­den. Auch in der bis­lang vor­lie­gen­den Lite­ra­tur, die sich im Hin­blick auf Erwä­gungs­grund 146 wohl für ein wei­tes Ver­ständ­nis des Scha­dens­be­grif­fes aus­spricht, sind die Details und der genaue Umfang des Anspruchs noch unklar1.

Von einer rich­ti­gen Anwen­dung des Uni­ons­rechts, die der­art offen­kun­dig ist, dass für ver­nünf­ti­ge Zwei­fel kein Raum blie­be (acte clair), kann nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Dies gilt umso mehr, als Art. 82 DSGVO aus­drück­lich imma­te­ri­el­le Schä­den einbezieht.

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Dem­entspre­chend darf ein deut­sches Gericht nicht ‑ver­fas­sungs­recht­lich rele­vant feh­ler­haft- eine eige­ne Aus­le­gung des Uni­ons­rechts vor­neh­men, indem es sich für die Ableh­nung des Anspruchs auf ein Merk­mal feh­len­der Erheb­lich­keit gestützt hat, das so weder unmit­tel­bar in der DSGVO ange­legt ist, noch von der Lite­ra­tur befür­wor­tet oder vom Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on ver­wen­det wird. Glei­ches gilt, wenn das Gericht auf das Bestehen eines bis­lang unge­klär­ten Merk­mals eines Baga­tell­ver­sto­ßes im Rah­men des Art. 82 Abs. 1 DSGVO rekurriert.

Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, Beschluss vom 14. Janu­ar 2021 – 1 BvR 2853/​19

  1. vgl. Gola/​Piltz, in: Gola, DSGVO, 2. Aufl., 2018, Art. 82 Rn. 12 f.; Quaas, in: Beck­OK Daten­schutz­recht, 34. Ed., 11/​2020, Art. 82 Rn. 23 f.; Bergt, in: Kühling/​Buchner, DSGVO BDSG, 3. Aufl., 2020, Art. 82 Rn. 17 f.; Boehm, in: Simitis/​Hornung/​Spiecker gen. Döh­mann, Daten­schutz­recht, 1. Aufl., 2019, Art. 82 Rn. 11 f.; Fren­zel, in: Paal/​Pauly, DSGVO BDSG, 2. Aufl., 2018, Art. 82 Rn. 10[]

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