Die zahlungsunfähige der GmbH, die Zahlungszusage der Gesellschafter und die Insolvenzanfechtung

Mit Hilfe einer Zahlungszusage, durch die sich die Gesellschafter gegenüber ihrer GmbH verpflichten, dieser die zur Erfüllung ihrer jeweils fälligen Forderungen benötigten Mittel zur Verfügung zu stellen, kann die Zahlungsunfähigkeit der GmbH vermieden werden. Dies setzt jedoch – falls nicht der GmbH ein ungehinderter Zugriff auf die Mittel eröffnet wird außerdem voraus, dass die Gesellschafter ihrer Ausstattungsverpflichtung tatsächlich nachkommen1.

Die zahlungsunfähige der GmbH, die Zahlungszusage der Gesellschafter und die Insolvenzanfechtung

Allein die Erteilung einer Zahlungszusage durch die Gesellschafter war nicht geeignet, die Kenntnis der Beklagten von der Zahlungsunfähigkeit der Schuldnerin zu beseitigen. Mangels einer dem Gläubiger erkennbaren Liquiditätszufuhr an die Schuldnerin bestanden die auf eine Zahlungsunfähigkeit hindeutenden Umstände weiter. Darum scheidet ein Wegfall der Kenntnis des Gläubigers von vornherein aus2.

Die Kenntnis der Zahlungsunfähigkeit wird auch nach dem Urteil des Bundesgerichtshofs vom 10.01.20133 allein dann beseitigt, wenn die Umstände, die zwingend auf eine (drohende) Zahlungsunfähigkeit schließen lassen, nicht mehr gegeben sind. Eine nachträgliche Änderung der Tatsachengrundlage scheidet im Streitfall mangels einer erkennbaren Liquiditätszufuhr aus4.

Sowohl der Gesichtspunkt der drohenden Zahlungsunfähigkeit als auch derjenige der Inkongruenz können ihre Bedeutung als Beweisanzeichen für den Benachteiligungsvorsatz des Schuldners verlieren, wenn die angefochtene Rechtshandlung Bestandteil eines ernsthaften, letztlich aber fehlgeschlagenen Sanierungsversuchs ist. Voraussetzung hierfür ist, dass zu der Zeit der angefochtenen Handlung ein schlüssiges, von den tatsächlichen Gegebenheiten ausgehendes Sanierungskonzept vorliegt, das mindestens in den Anfängen schon in die Tat umgesetzt worden ist und beim Schuldner die ernsthafte und begründete Aussicht auf Erfolg rechtfertigt5.

Bundesgerichtshof, Beschluss vom 19. September 2013 – IX ZR 232/12

  1. BGH, Urteil vom 19.05.2011 – IX ZR 9/10, WM 2011, 1085 Rn. 21 []
  2. BGH, Urteil vom 19.05.2011 – IX ZR 9/10, WM 2011, 1085 Rn. 23 []
  3. BGH, Urteil vom 10.01.2013 – IX ZR 13/12, WM 2013, 180 Rn. 34 []
  4. BGH, Urteil vom 19.05.2011, aaO []
  5. BGH, Urteil vom 21.02.2013 – IX ZR 52/10, WM 2013, 763 Rn. 11 []