Kos­ten­er­stat­tung bei gleich­ge­la­ger­ten akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­ver­fah­ren

Erklärt ein Streit­hel­fer sei­nen Bei­tritt zu meh­re­ren akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­ver­fah­ren, die den­sel­ben Haupt­ver­samm­lungs­be­schluss betref­fen, und wird die­sen Kla­gen, ohne die Ver­fah­ren zuvor zu ver­bin­den, statt­ge­ge­ben, kann der Streit­hel­fer grund­sätz­lich in jedem der Ver­fah­ren sei­ne jewei­li­gen Pro­zess­kos­ten ersetzt ver­lan­gen.

Kos­ten­er­stat­tung bei gleich­ge­la­ger­ten akti­en­recht­li­chen Anfech­tungs­ver­fah­ren

Da das Land­ge­richt nicht nach § 246 Abs. 3 Satz 5 AktG a.F. 1 ver­fah­ren ist, han­delt es sich bei der Tätig­keit der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten der Streit­hel­fe­rin im Ver­hält­nis zu dem Tätig­wer­den der Pro­zess­be­voll­mäch­tig­ten in den übri­gen Ver­fah­ren um eine eigen­stän­di­ge Ange­le­gen­heit i.S. des § 15 RVG.

Der Bei­tritt in die­sem Ver­fah­ren – eben­so wie in den drei wei­te­ren Sachen – war not­wen­dig i.S. des § 91 Abs. 1 Satz 1 Halbs. 2 ZPO. Kos­ten sind in die­sem Sin­ne not­wen­dig, wenn eine ver­stän­di­ge und wirt­schaft­lich ver­nünf­ti­ge Par­tei – glei­ches gilt für den Streit­hel­fer – die die Kos­ten aus­lö­sen­de Maß­nah­me im Zeit­punkt ihrer Ver­an­las­sung als sach­dien­lich anse­hen darf. Dabei darf sie ihr berech­tig­tes Inter­es­se ver­fol­gen und die zur vol­len Wahr­neh­mung ihrer Belan­ge erfor­der­li­chen Schrit­te ergrei­fen. Sie ist ledig­lich gehal­ten, unter meh­re­ren gleich­ar­ti­gen Maß­nah­men die kos­ten­güns­tigs­te aus­zu­wäh­len 2. Eine Erstat­tung auf­ge­wen­de­ter Kos­ten setzt danach vor­aus, dass die aus dem Pro­zess­rechts­ver­hält­nis fol­gen­de Oblie­gen­heit erfüllt ist, die Kos­ten mög­lichst nied­rig zu hal­ten 3.

Die­se Oblie­gen­heit hat die Streit­hel­fe­rin nicht dadurch ver­letzt, dass sie sämt­li­chen vier Ver­fah­ren bei­getre­ten ist. Denn dafür bestand ein sach­li­cher Grund. Zwar reicht es im All­ge­mei­nen aus, wenn der­je­ni­ge, der die Anfech­tung eines Beschlus­ses unter­stüt­zen will, nur einem Anfech­tungs­pro­zess bei­tritt. Er kann dann gemäß § 69 ZPO wie ein not­wen­di­ger Streit­ge­nos­se des Klä­gers im Sin­ne des § 62 ZPO auf­tre­ten 4. Wenn das Ver­fah­ren – wie nach § 246 Abs. 3 Satz 6 AktG gebo­ten – mit den übri­gen gegen den­sel­ben Haupt­ver­samm­lungs­be­schluss gerich­te­ten Anfech­tungs­pro­zes­sen ver­bun­den wird, ist der Streit­hel­fer an dem gesam­ten Ver­fah­ren betei­ligt.

Die­se Rechts­po­si­ti­on ist aber nicht gesi­chert. Wenn der Klä­ger, dem der Streit­hel­fer bei­getre­ten ist, sei­ne Kla­ge zurück­nimmt, ver­liert die Streit­hil­fe ihre Wir­kung 5. Das Glei­che gilt, wenn die Kla­ge etwa wegen Ver­säu­mung der Anfech­tungs­frist zurück­ge­wie­sen wird. Ist zu die­sem Zeit­punkt die ein­mo­na­ti­ge Bei­tritts­frist des § 246 Abs. 4 Satz 2 AktG abge­lau­fen, hat der Streit­hel­fer kei­ne Mög­lich­keit mehr, sich an dem Beschluss­män­gel­streit­ver­fah­ren durch erneu­ten Bei­tritt zu betei­li­gen. Im Übri­gen muss er sei­ne Ver­fah­rens­kos­ten dann unab­hän­gig von dem Aus­gang die­ses Ver­fah­rens tra­gen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 10. Mai 2010 – II ZB 3/​09

  1. seit dem Inkraft­tre­ten des Geset­zes zur Umset­zung der Aktio­närs­rech­te­richt­li­nie (ARUG) vom 30. Juli 2009 (BGBl. I S. 2479) am 1. Sep­tem­ber 2009: § 246 Abs. 3 Satz 6 AktG[]
  2. BGH, Beschlüs­se vom 09.09.2004 – I ZB 5/​04, Rpfle­ger 2005, 49, 50; vom 11.11.2003 – VI ZB 41/​03, Rpfle­ger 2004, 182; vom 16.10.2002 – VIII ZB 30/​02, Rpfle­ger 2003, 98, 100[]
  3. BGH, Beschlüs­se vom 10.11.2009 – VIII ZB 60/​09, Rpfle­ger 2010, 162 Tz. 9; vom 02.07.2009 – V ZB 54/​09, NJW 2009, 3102 Tz. 9; vom 03.07.2007 – VI ZB 21/​06, NJW 2007, 3723 Tz. 7[]
  4. vgl. BGHZ 180, 154 Tz. 5 – Wert­pa­pier­dar­le­hen; BGHZ 180, 9 Tz. 55 – Kirch/​Deutsche Bank; BGHZ 122, 211, 240[]
  5. BGH, Beschluss vom 22.12.1964 – I a ZR 237/​63, NJW 1965, 760; OLG Köln, NZG 2004, 46, 47 ff.; Stein/​Jonas/​Bork, ZPO 22. Aufl. § 69 Rdn. 7; Musielak/​Weth, ZPO 7. Aufl. § 69 Rdn. 8[]