Kun­den­schutz­klau­seln zuguns­ten aus­schei­den­der GmbH-Gesell­schaf­tern

Kun­den­schutz­klau­seln, die zwi­schen einer GmbH und einem ihrer Gesell­schaf­ter anläss­lich des Aus­schei­dens aus der Gesell­schaft ver­ein­bart wer­den, sind nich­tig, wenn sie in zeit­li­cher Hin­sicht das not­wen­di­ge Maß über­stei­gen, das in der Regel zwei Jah­re beträgt.

Kun­den­schutz­klau­seln zuguns­ten aus­schei­den­der GmbH-Gesell­schaf­tern

Nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs sind nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bo­te mit Rück­sicht auf die grund­ge­setz­lich geschütz­te Berufs­aus­übungs­frei­heit nur dann gerecht­fer­tigt und nicht nach § 138 BGB sit­ten­wid­rig, wenn und soweit sie not­wen­dig sind, um einen Ver­trags­part­ner vor einer illoya­len Ver­wer­tung der Erfol­ge sei­ner Arbeit durch den ande­ren Ver­trags­part­ner zu schüt­zen. Sie sind nur wirk­sam, wenn sie in räum­li­cher, gegen­ständ­li­cher und zeit­li­cher Hin­sicht das not­wen­di­ge Maß nicht über­schrei­ten 1. Das betrifft auch nach­ver­trag­li­che Wett­be­werbs­ver­bo­te, die erst anläss­lich der Been­di­gung der gesell­schafts­recht­li­chen Bezie­hung ver­ein­bart wer­den 2.

Eine ver­ein­bar­te Dau­er des Wett­be­werbs­ver­bots von fünf Jah­ren über­schrei­tet dage­gen das zum Schutz erfor­der­li­che Maß.

Mit dem Ver­bot, die bis­he­ri­gen Kun­den der H. Nie­der­las­sung der GmbH anzu­spre­chen oder abzu­wer­ben, wur­de ver­sucht, die Ver­mö­gens­wer­te der GmbH wie bei einer Per­so­nen­ge­sell­schaft zwi­schen ihren Gesell­schaf­tern auf­zu­tei­len, und dem aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter die Chan­ce gebo­ten, die von ihm für die GmbH ein­ge­wor­be­nen Kun­den zu behal­ten und die Kun­den­be­zie­hun­gen fort­zu­füh­ren, also die Erfol­ge sei­ner bis­he­ri­gen Arbeit zu sichern. Von vor­ne­her­ein war es eine Ent­schei­dung der Kun­den, ob sie mit dem aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter wei­ter zusam­men­ar­bei­ten woll­ten oder wei­ter über die fort­be­stehen­de H. Nie­der­las­sung mit der GmbH. Zweck des Abwer­be­ver­bots war es damit, dem aus­schei­den­den Gesell­schaf­ter zu ermög­li­chen, unge­stört Kun­den mit­neh­men zu kön­nen. Der aus­schei­den­de Gesell­schaf­ter hat danach ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se dar­an, dass sein bis­he­ri­ger Mit­ge­sell­schaf­ter ihm kei­ne Kon­kur­renz macht, nur so lan­ge die Bezie­hun­gen der GmbH zu ehe­ma­li­gen, von ihm über­nom­me­nen Kun­den noch fort­wir­ken. Nach Ablauf die­ser Zeit­span­ne kann kei­ne Sei­te ein berech­tig­tes Inter­es­se an einer fort­dau­ern­den Wett­be­werbs­be­schrän­kung haben 3.

Für ver­gleich­ba­re Fäl­le hat die Recht­spre­chung aner­kannt, dass eine Wett­be­werbs­be­schrän­kung nicht mehr als zwei Jah­re nach Ver­trags­en­de andau­ern kann. Bei der Frei­be­ruf­ler­so­zie­tät wird ein Zeit­raum von zwei Jah­ren als aus­rei­chend für den Schutz der Inter­es­sen der Betei­lig­ten ange­se­hen, weil sich danach die Man­dan­ten­be­zie­hun­gen typi­scher­wei­se gelo­ckert haben 4. Die zeit­li­che Gren­ze von zwei Jah­ren wur­de vom Bun­des­ge­richts­hof in ande­ren Berei­chen über­nom­men. Auch ein Abwer­be­ver­bot von Arbeit­neh­mern darf nur auf zwei Jah­re beschränkt sein, wobei offen­ge­las­sen wur­de, ob in einem Aus­nah­me­fall ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se eines Unter­neh­mers an einem län­ger andau­ern­den Abwer­be­ver­bot bestehen kann 5.

Bei Par­tei­en als Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten, die gewerb­li­che Dienst­leis­tun­gen erbrin­gen, kann grund­sätz­lich kein län­ge­rer Zeit­raum gel­ten. Dass die Par­tei­en nicht frei­be­ruf­lich tätig sind, son­dern ein Gewer­be betrei­ben, recht­fer­tigt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Revi­si­ons­er­wi­de­rung kei­ne län­ge­re Zeit­gren­ze. Die Begren­zung der Wett­be­werbs­ver­bo­te grün­det nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs nicht dar­in, dass Wett­be­werbs­ver­bo­te mit dem Berufs­zweck von frei­en Beru­fen nicht ver­ein­bar wären, son­dern in der grund­ge­setz­lich geschütz­ten Berufs­aus­übungs­frei­heit. Die­se kommt auch Gewer­be­trei­ben­den und Gesell­schaf­tern jeden­falls einer per­so­na­lis­tisch geführ­ten GmbH zu. Soweit sie Dienst­leis­tun­gen anbie­ten, bestehen hin­sicht­lich der Kun­den­bin­dung nicht von vor­ne­her­ein Unter­schie­de zu den Kun­den­be­zie­hun­gen von Frei­be­ruf­lern. Dass auf dem Markt der Arbeit­neh­mer­über­las­sung Beson­der­hei­ten bestehen, die eine Kun­den­bin­dung typi­scher­wei­se län­ger als zwei Jah­re fort­wir­ken lässt, ist nicht vor­ge­tra­gen und nicht ersicht­lich.

Ob in Aus­nah­me­fäl­len eine län­ge­re Dau­er in Fra­ge kommt, kann dahin­ste­hen, weil ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se des aus­schei­den­den Gesell­schaf­ters an einem län­ge­ren Abwer­be­ver­bot vor­lie­gend nicht erkenn­bar ist.

Ein die zeit­li­chen Schran­ken über­stei­gen­des Wett­be­werbs­ver­bot kann zwar im Wege der gel­tungs­er­hal­ten­den Reduk­ti­on auf das noch zu bil­li­gen­de zeit­li­che Maß – hier zwei Jah­re – zurück­ge­führt wer­den 6.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 20. Janu­ar 2015 – II ZR 369/​13

  1. BGH, Urteil vom 14.07.1997 – II ZR 238/​96, WM 1997, 1707, 1708 mwN; Urteil vom 08.05.2000 – II ZR 308/​98, ZIP 2000, 1337, 1338 f.; Urteil vom 29.09.2003 – II ZR 59/​02, ZIP 2003, 2251, 2252; Urteil vom 18.07.2005 – II ZR 159/​03, ZIP 2005, 1778, 1779; Urteil vom 10.12 2008 – KZR 54/​08, NJW 2009, 1751 Rn. 24 – Sub­un­ter­neh­mer­ver­trag II; Beschluss vom 31.05.2012 – I ZR 198/​11, GRUR-RR 2012, 495 Rn. 9 – Kun­den­schutz­klau­sel[]
  2. BGH, Urteil vom 29.09.2003 – II ZR 59/​02, ZIP 2003, 2251, 2252[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.01.1996 – II ZR 286/​94, NJW-RR 1996, 741, 742[]
  4. BGH, Urteil vom 29.01.1996 – II ZR 286/​94, NJW-RR 1996, 741, 742 mwN; Urteil vom 08.05.2000 – II ZR 308/​98, ZIP 2000, 1337, 1338 f.; Urteil vom 29.09.2003 – II ZR 59/​02, ZIP 2003, 2251, 2252; Urteil vom 18.07.2005 – II ZR 159/​03, ZIP 2005, 1778, 1780[]
  5. BGH, Urteil vom 30.04.2014 – I ZR 245/​12, ZIP 2014, 1934 Rn. 35 ff. – Abwer­be­ver­bot[]
  6. BGH, Urteil vom 29.01.1996 – II ZR 286/​94, NJW-RR 1996, 741, 742 mwN; Urteil vom 08.05.2000 – II ZR 308/​98, ZIP 2000, 1337, 1339; Urteil vom 29.09.2003 – II ZR 59/​02, ZIP 2003, 2251, 2252; Urteil vom 18.07.2005 – II ZR 159/​03, ZIP 2005, 1778, 1780[]

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