Oli­go­pol auf dem Markt für Ben­zin und Die­sel

Für die Ent­schei­dung über ein mög­li­ches Oli­go­pol auf dem Die­sel- und Ben­zin­markt sind für den Bun­des­ge­richts­hof noch wesent­li­che Sach­ver­halts­fra­gen offen. Daher hat es den Fall an das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf zurück­ver­wie­sen.

Oli­go­pol auf dem Markt für Ben­zin und Die­sel

Im Dezem­ber 2008 hat die Total Deutsch­land GmbH das Vor­ha­ben ange­mel­det, von der OMV Deutsch­land GmbH 59 Tank­stel­len­be­trie­be in Sach­sen und Thü­rin­gen zu erwer­ben. Total betreibt mit mehr als 1.000 Sta­tio­nen nach eige­nen Anga­ben das viert­größ­te Tank­stel­len­netz in Deutsch­land. Der Schwer­punkt ihrer inlän­di­schen Akti­vi­tä­ten liegt in den neu­en Bun­des­län­dern. OMV ist ins­be­son­de­re in Süd- und Ost­deutsch­land tätig und betreibt neben einem Tank­stel­len­netz auch eine Raf­fi­ne­rie in Bay­ern.

Das Bun­des­kar­tell­amt hat den Zusam­men­schluss unter­sagt [1], weil auf den Regio­nal­märk­ten Chem­nitz, Dres­den, Erfurt und Leip­zig schon jetzt ein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol von Shell, Aral/​BP, Cono­co­Phil­lips (Jet), ExxonMobil/​Esso und Total bestehe. Beim Erwerb wei­te­rer 59 Tank­stel­len durch Total sei damit zu rech­nen, dass sich die markt­be­herr­schen­de Stel­lung des Oli­go­pols ver­stär­ke.

Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die­sen Beschluss auf­ge­ho­ben [2]. Dage­gen wen­det sich die Rechts­be­schwer­de des Bun­des­kar­tell­amts. Im Lau­fe des Rechts­be­schwer­de­ver­fah­rens hat OMV die frag­li­chen Tank­stel­len ander­wei­tig ver­kauft.

Der Bun­des­ge­richts­hof, der sich trotz des zwi­schen­zeit­li­chen Ver­kaufs der Tank­stel­len mit der Recht­mä­ßig­keit der Unter­sa­gungs­ver­fü­gung zu befas­sen hat­te, hat die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts auf­ge­ho­ben. Nach den bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen kann nicht aus­ge­schlos­sen wer­den, dass auf den maß­geb­li­chen Märk­ten ein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol besteht, das ver­stärkt wür­de, wenn Total wei­te­re 59 Tank­stel­len in Sach­sen und Thü­rin­gen erwirbt.

Das Ober­lan­des­ge­richt hat­te ange­nom­men, das Wett­be­werbs­ge­sche­hen, ins­be­son­de­re die Preis­schwan­kun­gen auf den betrof­fe­nen Regio­nal­märk­ten bewei­se, dass die gro­ßen Mine­ral­öl­ge­sell­schaf­ten kein markt­be­herr­schen­des Oli­go­pol bil­de­ten. Dabei hat es aber nicht hin­rei­chend berück­sich­tigt, dass das Auf und Ab der Ben­zin­prei­se kei­nen ein­deu­ti­gen Schluss auf bestehen­den Wett­be­werb zulässt, son­dern vor dem Hin­ter­grund der Markt­struk­tur, ins­be­son­de­re des hohen Kon­zen­tra­ti­ons­grads, der ver­ti­ka­len Inte­gra­ti­on der auch Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und Raf­fi­ne­rien gemein­sam betrei­ben­den Mine­ral­öl­ge­sell­schaf­ten, der hohen Preis­trans­pa­renz und der Homo­ge­ni­tät des Pro­dukts Ben­zin, gewür­digt wer­den muss.

Da wesent­li­che Sach­ver­halts­fra­gen noch nicht geklärt sind, muss­te die Sache zur neu­en Ver­hand­lung an das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf zurück­ver­wie­sen wer­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 6. Dezem­ber 2011 – KVR 95/​10, Total/​OMV

  1. Beschluss vom 29.04.2009 – B 8 – 175/​08[]
  2. OLG Düs­sel­dorf, Beschluss vom 04.08.2010 – VI‑2 Kart 6/​09 (V) []