Vor­rats­grün­dung einer Akti­en­ge­sell­schaft – und der Grün­dungs­auf­wand

Wur­de bei der Vor­rats­grün­dung einer Akti­en­ge­sell­schaft der Grün­dungs­auf­wand aus­schließ­lich von der Grün­de­rin selbst (und damit nicht von der Gesell­schaft) getra­gen, so kann im Rah­men der wirt­schaft­li­chen Neu­grün­dung ein Grün­dungs­auf­wand von der Gesell­schaft (erst­mals) über­nom­men wer­den und die ent­spre­chen­de Sat­zungs­er­gän­zung in das Han­dels­re­gis­ter ein­ge­tra­gen wer­den.

Vor­rats­grün­dung einer Akti­en­ge­sell­schaft – und der Grün­dungs­auf­wand

Die der Gewähr­leis­tung der Kapi­tal­aus­stat­tung die­nen­den Grün­dungs­vor­schrif­ten des Akti­en­ge­set­zes ein­schließ­lich der Bestim­mun­gen über die regis­ter­ge­richt­li­che Kon­trol­le sind bei der wirt­schaft­li­chen Neu­grün­dung einer soge­nann­ten Vor­rats-AG grund­sätz­lich ent­spre­chend anzu­wen­den 1.

Was die Fra­ge der Tra­gung des Grün­dungs­auf­wan­des – hier: die Kos­ten der wirt­schaft­li­chen Neu­grün­dung bis zu einem Betrag von 2.000,00 € – anbe­langt, ist zunächst zu berück­sich­ti­gen, dass bei der ursprüng­li­chen Grün­dung der Vor­rats­ge­sell­schaft die Gesell­schaft kei­nen Grün­dungs­auf­wand über­nom­men hat­te, son­dern die­ser viel­mehr von der Grün­de­rin getra­gen wur­de. Grün­dungs­auf­wand, der nicht aus dem Gesell­schafts­ver­mö­gen geleis­tet wer­den soll, muss in der Sat­zung kei­ne Berück­sich­ti­gung fin­den 2. Bei die­ser Sach­la­ge ist aber die Rege­lung des § 26 Abs. 3 AktG, auf die der Rechts­pfle­ger des Regis­ter­ge­richts hin­weist, hier nicht ein­schlä­gig. Auch § 26 Abs. 4 und 5 AktG sind nicht anwend­bar, da es an einer Fest­set­zung im Sin­ne die­ser Nor­men hier zunächst ganz fehl­te.

Es geht in der vor­lie­gen­den Kon­stel­la­ti­on nicht dar­um, dass die Gesell­schaft erneut einen Grün­dungs­auf­wand über­neh­men soll. Viel­mehr steht in Rede, ob die Über­nah­me des durch die wirt­schaft­li­che Neu­grün­dung ent­ste­hen­den Grün­dungs­auf­wan­des – begrenzt auf 2.000,00 € – als erst­ma­li­ge Über­nah­me eines Grün­dungs­auf­wan­des mög­lich ist. Der Senat sieht kei­ne Grün­de, die dem ent­ge­gen­stün­den. Dem mit § 26 Abs. 2 AktG ver­folg­ten Zweck, die aus der Über­nah­me von Grün­dungs­auf­wand sei­tens der Gesell­schaft resul­tie­ren­den Vor­be­las­tun­gen des Stamm­ka­pi­tals im Sin­ne des Gläu­bi­ger­schut­zes offen­zu­le­gen, wird auch hier Genü­ge getan. Es besteht kein Anlass, die wirt­schaft­li­che Neu­grün­dung bei der vor­lie­gen­den Gestal­tung – kei­ne Über­nah­me von Grün­dungs­auf­wand durch die Gesell­schaft bei der Grün­dung der Vor­rats­ge­sell­schaft – anders zu behan­deln als die erst­ma­li­ge Grün­dung 3. Hier­von zu tren­nen ist die – sich vor­lie­gend nicht stel­len­de – Fra­ge, ob beim Erwerb einer Vor­rats­ge­sell­schaft die hier­für not­wen­di­gen Grün­dungs­kos­ten noch­mals zu Las­ten des Kapi­tals erstat­tet wer­den dür­fen 4

Für das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ist letzt­lich maß­geb­lich, dass im vor­lie­gen­den Fall im Rah­men der wirt­schaft­li­chen Neu­grün­dung erst­ma­lig Grün­dungs­auf­wand über­nom­men wor­den ist. Die dies­be­züg­li­che, neu in die Sat­zung auf­ge­nom­me­ne Rege­lung in § 8 genügt den Anfor­de­run­gen des § 26 Abs. 2 AktG.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 23. Okto­ber 2012 – 8 W 218/​12

  1. vgl. Münch­Komm-Akt­G/­P­entz, 3. Auf­la­ge 2008, § 23 AktG, Rdnr. 93 ff. m.w.N.[]
  2. OLG Frankfurt/​Main, GmbHR 2010, 589; Münch­Komm-Akt­G/­P­entz, a.a.O., § 26 AktG, Rdnr. 34[]
  3. eben­so Ger­ber, Anmer­kung zu OLG Frankfurt/​Main, GmbHR 2010, 589; Münch­Komm-GmbH­G/Wi­cke, 2010, § 3 GmbHG, Rdnr. 37[]
  4. ver­nei­nend OLG Jena ZIP 2004, 2327; Ger­ber a.a.O.[]