Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter – und die Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers

Mit den Vor­aus­set­zun­gen einer Abbe­ru­fung eines von meh­re­ren GmbH-Geschäfts­füh­rern aus wich­ti­gem Grund wegen eines zwi­schen den Geschäfts­füh­rern ein­ge­tre­te­nen unheil­ba­ren Zer­würf­nis­ses hat­te sich das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart zu befas­sen:

Zer­würf­nis der Gesell­schaf­ter – und die Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers

Ein wich­ti­ger Grund zur Abbe­ru­fung jedes von meh­re­ren Geschäfts­füh­rern liegt bereits in dem Umstand, dass die­se unter­ein­an­der so zer­strit­ten sind, dass eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen ihnen nicht mehr mög­lich ist, soweit der jeweils Abzu­be­ru­fen­de durch sein – nicht not­wen­di­ger­wei­se schuld­haf­tes – Ver­hal­ten zu dem Zer­würf­nis bei­getra­gen hat, wobei es für die Beur­tei­lung, ob zwi­schen Geschäfts­füh­rern ein unheil­ba­res Zer­würf­nis ein­ge­tre­ten ist, nicht ent­schei­dend auf ein etwai­ges Ver­schul­den der betei­lig­ten Geschäfts­füh­rer, son­dern viel­mehr dar­auf ankommt, ob unter den gege­be­nen Umstän­den eine gedeih­li­che Zusam­men­ar­beit noch zu erwar­ten ist 1; es ist auch nicht ent­schei­dend, wes­sen Ver­schul­dens­an­teil über­wiegt 2, auf die Ver­ur­sa­chens- und Ver­schul­dens­bei­trä­ge kommt es viel­mehr nicht an 3. Im Fal­le dau­er­haf­ten Streits zwi­schen Geschäfts­füh­rern, der ein gedeih­li­ches Zusam­men­wir­ken gefähr­det oder gar aus­schließt, im Fal­le unbe­heb­ba­rer Ver­fein­dung muss nicht der über­wie­gend schul­di­ge Geschäfts­füh­rer, son­dern es kann der­je­ni­ge abbe­ru­fen wer­den, auf des­sen Mit­wir­kung weni­ger Wert gelegt wird 4, ein Anspruch auf Gleich­be­hand­lung besteht nicht 5. Strei­tig ist aller­dings, ob auch ein Geschäfts­füh­rer aus wich­ti­gem Grund abbe­ru­fen wer­den kann, der zu dem Streit nichts bei­getra­gen hat 6.

Nach die­sen Maß­stä­ben war die im hier ent­schie­de­nen Fall im Streit ste­hen­de Abbe­ru­fung des Geschäfts­füh­rers von einem wich­ti­gen Grund getra­gen.

Unter ande­rem er und der (wei­te­re) Geschäfts­füh­rer der GmbH sind unter­ein­an­der so zer­strit­ten, dass eine Zusam­men­ar­beit zwi­schen ihnen nicht mehr mög­lich ist. Dass die­se Fest­stel­lung rich­tig ist, zeigt schon die Viel­zahl der recht­li­chen Strei­tig­kei­ten, die auch zwi­schen die­sen bei­den Per­so­nen unstrei­tig gericht­lich anhän­gig sind bzw. aus­ge­tra­gen wur­den.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Beschluss vom 9. Sep­tem­ber 2014 – 14 U 9/​14

  1. vgl. BGH, GmbHR 1992, 299, 300 f.; fer­ner z. B. BGH, GmbHR 2009, 434, 435 m. A. Wer­ner, GmbHR 2009, 435, 436 f.; eben­so etwa Ober­lan­des­ge­richt, GmbHR 2013, 414 – Tz. 167; OLG Köln, GmbHR 2011, 135 – Tz. 27;Münchener Kom­men­tar zum GmbHG/​Stephan/​Tieves, 1. Aufl., § 38 Rn. 88, 98 ["Zer­rüt­tung"]; Schneider/​Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 38 Rn. 50[]
  2. s. etwa OLG Mün­chen, Urteil vom 22.07.2010 – 23 U 4147/​09 – Tz. 35 f.; vgl. auch Schneider/​Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 38 Rn. 50[]
  3. s. OLG Mün­chen, Urteil vom 22.07.2010 – 23 U 4147/​09 – Tz. 35; Mün­che­ner Kom­men­tar zum GmbHG/​Stephan/​Tieves, 1. Aufl., § 38 Rn. 88; ten­den­zi­ell anders aber wohl etwa Zöllner/​Noack, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 38 Rn. 13[]
  4. Mün­che­ner Kom­men­tar zum GmbHG/​Stephan/​Tieves, 1. Aufl., § 38 Rn. 98; Zöllner/​Noack, in: Baumbach/​Hueck, GmbHG, 20. Aufl., § 38 Rn. 13[]
  5. s. etwa Schneider/​Schneider, in: Scholz, GmbHG, 11. Aufl., § 38 Rn. 50[]
  6. beja­hend Mün­che­ner Kom­men­tar zum GmbHG/​Stephan/​Tieves, 1. Aufl., § 38 Rn. 88 m. N. zum Streit­stand in Fn. 177[]