Die Hilfsmittel eines Handeslvertreters

Der Bundesgerichtshof hat jetzt in zwei Fällen über die Frage entschieden, in welchem Umfang Handelsvertreter gegen den Unternehmer einen Anspruch auf kostenlose Überlassung von Hilfsmitteln haben. Dabei hat der Bundesgerichtshof diesen Anspruch auf kostenlose Überlassung von Hilfsmitteln gemäß § 86a HGB auf solche Hilfsmittel beschränkt, auf die der Handelsvertreter angewiesen ist, um seiner Pflicht zur Vermittlung resp. zum Abschluss von Geschäften nachzukommen.

Die Hilfsmittel eines Handeslvertreters

Die Kläger in den beiden hier vom Bundesgerichtshof entschiedenen Fällen waren Unter-Handelsvertreter der Beklagten, die ihrerseits Finanzprodukte vertreibt. Die Beklagte bietet ihren Handelsvertretern kostenpflichtige Schulungs- und Fortbildungsmaßnahmen an. Zur Unterstützung ihrer Vermittlungstätigkeit können die Handelsvertreter von der Beklagten ferner verschiedene mit deren Logo versehene Artikel wie Briefpapier, Visitenkarten, Datenerhebungsbögen und Werbegeschenke aller Art gegen Entgelt erwerben. Das gleiche gilt für die von der Beklagten herausgegebene Zeitschrift “Finanzplaner”, die die Handelsvertreter für die von ihnen betreuten Kunden bestellen können. Die Kläger machten von diesen Angeboten Gebrauch. Die dadurch entstandenen Kosten wurden vereinbarungsgemäß dem jeweiligen Provisionskonto belastet.

Aufgrund eines zwischen den Parteien gesondert abgeschlossenen Vertrages wurde den Klägern die Nutzung der Vertriebssoftware der Beklagten gegen Zahlung eines gleichfalls seinem Provisionskonto belasteten Entgelts in Höhe von 80 € monatlich ermöglicht. Mit der Klage verlangen die Kläger Zahlung der einbehaltenen Beträge.

Das erstinstanzlich mit den beiden Zahlungsklagen befasste Landgericht Hannover hat die Klage in einem Fall1 vollständig, im anderen Fall2 mit Ausnahme der Kosten des Softwarepaktes abgewiesen3. Auf die Berufungen der Kläger hat das Oberlandesgericht Celle die landgerichtlichen Urteile abgeändert und die Beklagte zur Rückzahlung der einbehaltenen Beträge mit Ausnahme der Kosten für Schulungen und Fortbildungsmaßnahmen verurteilt4. Die dagegen gerichteten Revisionen der Beklagten hatten vor dem Bundesgerichtshof jetzt teilweise Erfolg. Die auf eine Erstattung der Fortbildungskosten gerichteten Anschlussrevisionen der Kläger sind zurückgewiesen worden.

Der Bundesgerichtshof entschied, dass Handelsvertreter nur insoweit einen Anspruch auf kostenlose Überlassung von Hilfsmitteln gemäß § 86a HGB haben, als sie auf diese angewiesen sind, um ihrer Pflicht zur Vermittlung beziehungsweise zum Abschluss von Geschäften nachzukommen. Dies hat der Bundesgerichtshof im vorliegenden Fall für das Softwarepaket bejaht, da es Komponenten enthält, ohne die eine Vermittlungstätigkeit der Kläger nicht möglich gewesen wäre. Demgegenüber hat der Handelsvertreter die in seinem Geschäftsbetrieb anfallenden Aufwendungen selbst zu tragen. Hierzu gehören insbesondere die Büroausstattung des Handelsvertreters, aber auch Werbegeschenke sowie die – nicht als Produktbroschüre anzusehende – Zeitschrift “Finanzplaner”, die der Handelsvertreter zur allgemeinen Kundenpflege einsetzt. Auch die Schulungs- und Weiterbildungsmaßnahmen musste die Beklagte den Klägern nicht kostenlos gewähren, da es dabei nicht um die Vermittlung von Produktinformationen, sondern um den Erwerb zusätzlicher Qualifikationen ging, die die Kläger benötigten, um ihr Tätigkeitsfeld – z. B. auf den Vertrieb von Immobilien – zu erweitern. Demzufolge hat der Bundesgerichtshof bezüglich der übrigen Positionen einen Anspruch der Kläger auf Auszahlung der einbehaltenen Beträge verneint.

Bundesgerichtshof, Urteile vom 4. Mai 2011 – VIII ZR 10/10 und VIII ZR 11/10

  1. VIII ZR 10/10 []
  2. VIII ZR 11/10 []
  3. LG Hannover, Urteile vom 10.02.2009 – 26 O 51/08; und vom 02.03.2009 – 24 O 40/08 []
  4. OLG Celle, Urteile vom 10.12.2009 – 11 U 50/09 und 11 U 51/09 []
  5. BGH, Urteil vom 23.11.2011 - VIII ZR 203/10, NJW-RR 2012, 674 Rn.2023 []
  6. gemäß Art.…

    Ausgleichsanspruch bei Vertragsverletzungen des HandelsvertretersAusgleichsanspruch bei Vertragsverletzungen des Handelsvertreters Der Bundesgerichthof kommt einem Urteil des Gerichtshofs der Europäischen Union (( EuGH, Urteil vom 28.10.2010 - C-203/09, DB 2010, 2495 []