Die unzu­rei­chen­de Kon­trol­le des Auf­trag­neh­mers

Die unzu­rei­chen­de Kon­trol­le einer von einem Unter­neh­mer ent­gelt­lich erbrach­ten Leis­tung begrün­det regel­mä­ßig kein Mit­ver­schul­den des Gläu­bi­gers, wenn der Schuld­ner den ent­stan­de­nen Scha­den nach dem Inhalt des Ver­trags hät­te ver­hü­ten müs­sen und der Gläu­bi­ger zu eige­nen Kon­troll- und Über­wa­chungs­maß­nah­men nicht ver­pflich­tet war.

Die unzu­rei­chen­de Kon­trol­le des Auf­trag­neh­mers

Im hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall hat­te die Auf­trag­ge­be­rin auf ein Tele­fax der Fracht­füh­re­rin, aus dem sich ergab, dass die für den Trans­port von der Fracht­füh­re­rin abge­schlos­se­ne Fracht­ver­si­che­rung unzu­rei­chend war, nicht reagiert. Der Bun­des­ge­richts­hof sieht inso­weit aller­dings allein die – zum Abschluss einer ord­nungs­ge­mä­ßen Ver­si­che­rung ver­pflich­te­te Fracht­füh­re­rin in der Pflicht:

Soweit das Schwei­gen der Auf­trag­ge­be­rin auf das Tele­fax der Fracht­füh­re­rin für den unter­blie­be­nen Abschluss einer ver­trags­ge­rech­ten Trans­port­ver­si­che­rung ursäch­lich war, beur­tei­len sich die für den Scha­dens­er­satz­an­spruch der Auf­trag­ge­be­rin erge­ben­den Fol­gen ent­ge­gen der Ansicht des Beru­fungs­ge­richts nicht aus § 242 BGB, son­dern aus § 254 BGB.

Die unzu­rei­chen­de Kon­trol­le der von der Fracht­füh­re­rin erbrach­ten Leis­tung stellt schon des­halb kein den Scha­dens­er­satz­an­spruch aus­schlie­ßen­des Mit­ver­schul­den der Auf­trag­ge­be­rin dar, weil ein Unter­neh­mer, der ent­gelt­li­che Leis­tun­gen anbie­tet, im All­ge­mei­nen im Ver­hält­nis zum Auf­trag­ge­ber für die ord­nungs­ge­mä­ße Ver­trags­durch­füh­rung allein ver­ant­wort­lich ist 1.

Der Mit­ver­schul­dens­ein­wand wegen unter­blie­be­nen Hin­wei­ses greift daher regel­mä­ßig nicht ein, wenn der in Anspruch Genom­me­ne den ent­stan­de­nen Scha­den nach dem Inhalt des Ver­trags hät­te ver­hü­ten müs­sen und der Geschä­dig­te zu eige­nen Kon­trol­lund Über­wa­chungs­maß­nah­men nicht ver­pflich­tet war 2.

Eine Oblie­gen­heit des Gläu­bi­gers, einen ihm dro­hen­den Scha­den durch Ertei­lung eines Hin­wei­ses an den Schuld­ner abzu­wen­den oder zu min­dern, besteht zudem nur dann, wenn der Schuld­ner die Gefahr weder gekannt hat noch hät­te erken­nen müs­sen 3; dies war hier aber nicht der Fall.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Febru­ar 2013 – I ZR 180/​11

  1. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.1999 – I ZR 70/​97, TranspR 1999, 410, 411 = VersR 2000, 474[]
  2. vgl. BGH, Urteil vom 17.10.1991 – IX ZR 255/​90, NJW 1992, 307, 309 = VersR 1992, 200, inso­weit nicht in BGHZ 115, 382; BGH, Urteil vom 22.11.2007 III ZR 9/​07, BGHZ 174, 255 Rn. 16[]
  3. vgl. MünchKomm-.BGB/Oetker, 6. Aufl., § 254 Rn. 72[]