Päch­ter­wech­sel im Hotel – und der Rei­se­gut­schein

Endet der Pacht­ver­trag über ein Hotel, so haf­tet der neue Päch­ter für Über­nach­tungs­gut­schei­ne, die noch der alte Päch­ter aus­ge­ge­ben hat, nur im Rah­men der Haf­tung wegen Fir­men­fort­füh­rung nach § 25 Abs. 1 HGB. Die blo­ße Fort­füh­rung der Hotel­be­zeich­nung reicht hier­für nicht.

Päch­ter­wech­sel im Hotel – und der Rei­se­gut­schein

Die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen der Fir­men­fort­füh­rung nach § 25 Abs. 1 HGB sind geklärt. Sie setzt vor­aus, dass eine Fir­men­be­zeich­nung wei­ter ver­wen­det wird. Die Über­nah­me eines Han­dels­ge­schäfts unter Fort­füh­rung einer blo­ßen Geschäfts- oder Eta­blis­se­ment­be­zeich­nung löst dage­gen kei­ne Haf­tung nach § 25 Abs. 1 HGB aus 1. Auf die Fort­füh­rung einer Eta­blis­se­ment- oder Geschäfts­be­zeich­nung als Fir­ma kann § 25 Abs. 1 HGB auch nicht ent­spre­chend ange­wandt wer­den 2.

Ob nur eine Geschäfts­be­zeich­nung vor­liegt, wenn – wie im hier vor­lie­gen­den Fall – ent­ge­gen § 19 Abs. 1 Nr. 1 HGB kein Rechts­form­zu­satz geführt wird 3, konn­te der Bun­des­ge­richts­hof dabei offen las­sen, da im Fall der fort­ge­führ­ten Hotel­be­zeich­nung ent­spre­chend der ober­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung 4 auch unter der Annah­me, dass ohne Ver­wen­dung eines Rechts­form­zu­sat­zes die Fort­füh­rung einer Fir­ma i.S.v. § 25 Abs. 1 Satz 1 HGB vor­lie­gen kann, kei­ne Fir­men­fort­füh­rung vor­liegt:

Bei der Bezeich­nung "A. hotel B. " han­delt es sich um eine Geschäfts­be­zeich­nung han­delt. Der Rechts­ver­kehr ver­steht sol­che Namen regel­mä­ßig als Bezeich­nung eines bestimm­ten Geschäfts und nicht als Fir­ma, die das Unter­neh­men kenn­zeich­net. Geschäfts­be­zeich­nun­gen in der Form der Eta­blis­se­ment­be­zeich­nung sind gera­de bei Hotels und Gast­stät­ten seit lan­gem ver­brei­tet 5.

Dass in dem vor­lie­gend ent­schie­de­nen Streit­fall der frü­he­re Päch­ter des Hotels die Bezeich­nung als Fir­ma im Rechts­ver­kehr ver­wen­det hat (§ 17 Abs. 1 HGB), die maß­geb­li­chen Ver­kehrs­krei­se ihr aus die­sem Grund eine Kenn­zeich­nung des Unter­neh­mens bei­ma­ßen und dar­in nicht nur die Bezeich­nung des Hotel­be­triebs erkann­ten, konn­te vor­lie­gend nicht fest­ge­stellt wer­den. Auf Schrei­ben und in e‑Mails zeich­ne­te der frü­he­re Päch­ter viel­mehr mit sei­nem bür­ger­li­chen Namen und auf dem Brief­pa­pier des "A. hotel B. " war er unter der Anga­be der Steu­er­num­mer als "Betrei­ber" mit Namen auf­ge­führt.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 17. Dezem­ber 2013 – II ZR 140/​13

  1. BGH, Urteil vom 29.11.1956 – II ZR 32/​56, BGHZ 22, 234, 236 f.; Urteil vom 29.04.1964 – VIII ZR 2/​63, DB 1964, 1297; OLG Köln, NZG 2012, 188; OLG Bran­den­burg, NJW-RR 1999, 395; OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1998, 965; LG Bonn, NJW-RR 2005, 1559, 1560; BFH, Beschluss vom 11.06.2012 – VII B 198/​11 12[]
  2. BGH, Urteil vom 17.09.1991 – XI ZR 256/​90, ZIP 1991, 1586, 1588 unter II. 4. b. bb; OLG Köln, NZG 2012, 188; OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1998, 965; OLG Bran­den­burg, NJW-RR 1999, 395 f.[]
  3. so LG Bonn, NJW-RR 2005, 1559, 1560[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 15.03.2004 – II ZR 324/​01, ZIP 2004, 1103, 1104; BFH, Beschluss vom 11.06.2012 – VII B 198/​11[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 29.11.1956 – II ZR 32/​56, BGHZ 22, 234, 236 f.[]