Höhe­re Netz­ent­gel­te für Strom und Gas

Die Berech­nungs­me­thol­de der Bun­des­netz­agen­tur, nach der Netz­be­trei­ber für die Jah­re bis 2006 ihre Anla­gen­kos­ten und Abschrei­bun­gen berech­nen konn­ten (Inde­xie­rung der Tages­neu­wer­te), sind unzu­tref­fend.

Höhe­re Netz­ent­gel­te für Strom und Gas

So die Ent­schei­dung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf in den hier vor­lie­gen­den Fäl­len von 19 Pilot-Beschwer­de­ver­fah­ren, in denen es um die Fra­ge geht, inwie­weit Gas- und Strom­netz­be­trei­ber die Preis- und Lohn­ent­wick­lung bei den Her­stel­lungs­kos­ten ihrer Lei­tun­gen und Anla­gen berück­sich­ti­gen dür­fen. Die 19 Pilot-Ver­fah­ren betref­fen die Fest­set­zun­gen bis zum Jahr 2006. Ins­ge­samt haben sich ca. 300 Gas- und Strom­netz­be­trei­ber – unter denen auch zahl­rei­che Stadt­wer­ke sind – aus dem gesam­ten Bun­des­ge­biet gegen die Fest­set­zung und die Fort­schrei­bung des Index bis zum Jahr 2010 gewehrt.

2007 hat­te die Bun­des­netz­agen­tur, die als Bun­des­ober­be­hör­de die Durch­lei­tungs­ent­gel­te im Gas- und Strom­markt fest­setzt, die Berech­nungs­me­tho­de bestimmt, nach der Netz­be­trei­ber für die Jah­re bis 2006 ihre Anla­gen­kos­ten und Abschrei­bun­gen berech­nen konn­ten (Inde­xie­rung der Tages­neu­wer­te). Die Netz­be­trei­ber geben die Netz­kos­ten an die Strom- und Gas­ver­sor­ger und die­se über den Strom- und Gas­preis an die End­ver­brau­cher wei­ter. Die Bun­des­netz­agen­tur hat­te sich für die Berech­nung der kal­ku­la­to­ri­schen Neu­wer­te auf Index­rei­hen des Sta­tis­ti­schen Bun­des­am­tes gestützt. Da jedoch nicht für alle der vie­len teils netz­spe­zi­fi­schen Gerät­schaf­ten und Anla­gen Index­rei­hen zur Ver­fü­gung ste­hen, hat­te die Bun­des­netz­agen­tur ins­be­son­de­re eini­ge Mate­ri­al- und Lohn­in­di­zes kom­bi­niert, um für bestimm­te Anla­ge­grup­pen zu nach ihrer Auf­fas­sung sach­ge­rech­ten Ergeb­nis­sen zu kom­men.

Die Netz­be­trei­ber hal­ten die von der Bun­des­netz­agen­tur ange­wen­de­ten Preis­in­di­zes für unzu­tref­fend. Sie mei­nen, der von der Bun­des­netz­agen­tur gewähl­te Ansatz sei feh­ler­haft, hin­sicht­lich der Lohn­kos­ten auf den Index der Löh­ne und Gehäl­ter des „Pro­du­zie­ren­den Gewer­bes“ statt etwa auf den Gehalts­in­dex des Bau­ge­wer­bes abzu­stel­len. Da eine um Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schrit­te berei­nig­te Lohn­ent­wick­lung im Bau­ge­wer­be höher als im „Pro­du­zie­ren­den Gewer­be“ ist, könn­ten die Netz­be­trei­ber bei Anwen­dung des Bau­ge­wer­be­in­dex höhe­re Anla­gen­wer­te, damit dann höhe­re Abschrei­bun­gen und Kos­ten errech­nen und die­se dann auf die Ener­gie­ver­sor­ger und letzt­lich auf den End­ver­brau­cher umle­gen. Der Lohn­in­dex „Pro­du­zie­ren­des Gewer­be“ ent­hal­te über­wie­gend sach­frem­de Bran­chen. Außer­dem sei die Bun­des­netz­agen­tur von einem zu hohen Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schritt aus­ge­gan­gen. Die Netz­be­trei­ber mei­nen, dass etwa das Ver­le­gen von Lei­tun­gen nur gerin­ge und damit kaum kos­ten­min­dern­de Pro­duk­ti­vi­täts­fort­schrit­te ermög­li­che. Es feh­le fer­ner an einer Plau­si­bi­li­sie­rung der Index­rei­hen. Die Aus­wir­kun­gen der unter­schied­li­chen Berech­nungs­wei­se betref­fen alle Gas- und Strom­netz­be­trei­ber in Deutsch­land und betra­gen pro Jahr und je nach Netz­be­trei­ber jeweils bis zu meh­re­re Mil­lio­nen Euro.

Nach Auf­fas­sung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf hat die Bun­des­netz­agen­tur die Berech­nungs­grund­la­gen nicht aus­rei­chend ermit­telt und plau­si­bi­li­siert. Außer­dem sind aus der Berech­nungs­me­tho­de sich erge­ben­de Unsi­cher­hei­ten nicht genü­gend berück­sich­tigt wor­den, so dass im Ergeb­nis zum Nach­teil der Unter­neh­men kal­ku­liert wor­den ist. So sind etwa Pro­duk­ti­vi­täts­stei­ge­run­gen zu hoch ange­setzt wor­den. Daher sind die Beschei­de der Bun­des­netz­agen­tur auf­ge­ho­ben wor­den.

Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf, Pres­se­mit­tei­lung vom 6. Juni 2012