Kei­ne Ablie­fe­rungs­pflicht für nur in gerin­ger Stück­zahl her­ge­stell­te Druck­wer­ke

Druck­wer­ke, die nicht von vor­ne­her­ein in bestimm­ter Auf­la­gen­stär­ke son­dern ledig­lich ein­zeln auf Anfor­de­rung her­ge­stellt wer­den (sog. publi­shing on demand), unter­fal­len dann nicht der Pflicht­ex­em­plar­re­ge­lung des rhein­land-pfäl­zi­schen Lan­des­me­di­en­ge­set­zes, wenn eine Auf­la­gen­stär­ke von min­des­tens 10 Exem­pla­ren aller Vor­aus­sicht nach nicht zu erwar­ten steht.

Kei­ne Ablie­fe­rungs­pflicht für nur in gerin­ger Stück­zahl her­ge­stell­te Druck­wer­ke

Dies ist einem Urteil des Ver­wal­tungs­ge­richts Trier zu ent­neh­men, mit dem die Kla­ge eines Ver­le­gers abge­wie­sen wor­den ist, der von ihm her­ge­stell­te Druck­wer­ke als Pflicht­ex­em­pla­re an die Stadt­bi­blio­thek Trier abge­lie­fert und von der beklag­ten Stadt Trier als­dann die Zah­lung eines Zuschus­ses zu den Her­stel­lungs­kos­ten in Höhe von etwa 11.000,00 € begehrt hat.

Zur Begrün­dung sei­ner Kla­ge hat der Klä­ger im Wesent­li­chen gel­tend gemacht, dass ihn die kos­ten­lo­se Ablie­fe­rung eines Pflicht­ex­em­plars unzu­mut­bar belas­te, da die Her­stel­lung sei­ner Druck­wer­ke auf­wän­di­ge Retu­schier­ar­bei­ten und umfang­rei­che Hand­ar­beit erfor­de­re und die­se nur in gerin­ger Stück­zahl absetz­bar sei­en.

Die Rich­ter lehn­ten das Begeh­ren mit der Begrün­dung ab, dass die von dem Klä­ger her­ge­stell­ten Wer­ke nicht dem Pflicht­ex­em­plar­be­griff des § 14 Lan­des­me­di­en­ge­set­zes unter­fie­len. Der Zweck der Pflicht­ex­em­plar­re­ge­lung bestehe dar­in, das gesam­te inner­halb des Lan­des erschei­nen­de Schrift­tum voll­stän­dig zu sam­meln, der Öffent­lich­keit bereit zu hal­ten und der Nach­welt zu über­lie­fern. Aus­ge­hend vom Zweck die­ser Rege­lung betref­fe die­se jedoch ledig­lich sol­che Druck­wer­ke, an deren Auf­be­wah­rung und Erfas­sung ein wis­sen­schaft­li­ches oder öffent­li­ches Inter­es­se bestehe. Ein der­ar­ti­ges Inter­es­se ver­mu­te der rhein­land-pfäl­zi­sche Gesetz­ge­ber ab einer Auf­la­gen­stär­ke in Höhe von 10 erschie­ne­nen Druck­wer­ken. Bei einer gerin­ge­ren Auf­la­gen­stär­ke unter­stel­le der Gesetz­ge­ber mit­hin, dass es dem Druck­werk an dem die Ablie­fe­rungs­pflicht aus­lö­sen­den öffent­li­chem Inter­es­se an sei­ner Auf­be­wah­rung feh­le. Da die Druck­wer­ke des Klä­gers eine der­ar­ti­ge Auf­la­gen­stär­ke aller Vor­aus­sicht nach nicht errei­chen wür­den, brau­che er kein Pflicht­ex­em­plar abzu­lie­fern. Einen unzu­mut­ba­ren wirt­schaft­li­chen Nach­teil, der durch die Zuschuss­re­ge­lung im Lan­des­me­di­en­ge­setz abge­mil­dert wer­den sol­le, erfah­re er damit nicht, da ihm die abge­lie­fer­ten Exem­pla­re als wirt­schaft­li­cher Wert ver­blie­ben und gera­de nicht (unter Ver­kaufs­preis) abge­lie­fert wer­den müss­ten. Der Zuschuss zu den Her­stel­lungs­kos­ten eines Pflicht­ex­em­plars die­ne nicht dazu, die Her­stel­lung aus­schließ­lich von Pflicht­stü­cken zu ermög­li­chen, um die­se über die öffent­li­chen Biblio­the­ken der All­ge­mein­heit kos­ten­los zur Ver­fü­gung zu stel­len. Viel­mehr die­ne der Her­stel­lungs­zu­schuss aus­schließ­lich dazu, unzu­mut­ba­re finan­zi­el­le Nach­tei­le zu ver­mei­den, die durch die Her­stel­lung zusätz­li­cher Exem­pla­re im Fal­le der Ablie­fe­rungs­ver­pflich­tung ent­ste­hen wür­den.

Gegen die Ent­schei­dung steht den Betei­lig­ten inner­halb eines Monats die vom Ver­wal­tungs­ge­richt wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung zuge­las­se­ne Beru­fung an das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz zu.

Ver­wal­tungs­ge­richt Trier, Urteil vom 21. Janu­ar 2009 – 5 K 698/​08.TR