Kon­klu­den­te Abnah­me beim Bau­sta­ti­ker

Die kon­klu­den­te Abnah­me der Trag­werks­pla­nung kann dar­in lie­gen, dass der Bestel­ler nach Fer­tig­stel­lung der Leis­tung, Bezah­lung der Rech­nung des Trag­werk­pla­ners und meh­re­re Mona­te nach Ein­zug in das nahe­zu fer­tig gestell­te Bau­werk kei­ne Män­gel der Trag­werks­pla­nung rügt.

Kon­klu­den­te Abnah­me beim Bau­sta­ti­ker

Auch bei einer kon­klu­den­ten Abnah­me kommt es nach einem aktu­el­len Urteil gemäß § 640 Abs. 2 BGB zu einem Rechts­ver­lust, wenn der Bestel­ler sich die Rech­te wegen der ihm bekann­ten Män­gel nicht vor­be­hält.

Ein Ver­trag über die Leis­tun­gen des bei einem Bau­vor­ha­ben zuge­zo­ge­nen Sta­ti­kers ist nach Werk­ver­trags­recht zu beur­tei­len [1]. Eine Abnah­me kann nicht nur aus­drück­lich, son­dern auch kon­klu­dent, d.h. durch schlüs­si­ges Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, erklärt wer­den. Kon­klu­dent han­delt der Auf­trag­ge­ber, wenn er dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ohne aus­drück­li­che Erklä­rung erken­nen lässt, dass er des­sen Werk als im Wesent­li­chen ver­trags­ge­mäß bil­ligt. Erfor­der­lich ist ein tat­säch­li­ches Ver­hal­ten des Auf­trag­ge­bers, das geeig­net ist, sei­nen Abnah­me­wil­len dem Auf­trag­neh­mer gegen­über ein­deu­tig und schlüs­sig zum Aus­druck zu brin­gen. Ob eine kon­klu­den­te Abnah­me vor­liegt, beur­teilt sich grund­sätz­lich nach den Umstän­den des Ein­zel­fal­les [2].

Beim Werk eines Sta­ti­kers liegt eine kon­klu­den­te Abnah­me vor, wenn der Bestel­ler des­sen Plä­ne ent­ge­gen­nimmt und ihm gegen­über zu erken­nen gibt, er wol­le die Leis­tung als in der Haupt­sa­che dem Ver­trag ent­spre­chend bil­li­gen [3]. Eine kon­klu­den­te Abnah­me wird im Regel­fall aller­dings erst nach einer ange­mes­se­nen Prü­fungs­frist ange­nom­men wer­den kön­nen, vor deren Ablauf eine Bil­li­gung des Werks red­li­cher­wei­se nicht erwar­tet wer­den kann [4].

Der Sta­ti­ker kann somit nach Treu und Glau­ben und mit Rück­sicht auf die Ver­kehrs­sit­te (§§ 133, 157 BGB) mit dem Ablauf der ange­mes­se­nen – in dem jetzt vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall drei­mo­na­ti­gen – Prü­fungs­frist Ende des Jah­res 2003 von einer Bil­li­gung der Leis­tung durch den Bestel­ler aus­ge­hen. Durch die­se Abnah­me kon­kre­ti­siert sich sei­ne Leis­tungs­ver-pflich­tung auf das her­ge­stell­te Werk. Der Erfül­lungs­an­spruch des Bestel­lers besteht nun nicht mehr schlecht­hin, son­dern geht dahin, dass der Sta­ti­ker Män­gel des abge­nom­me­nen kon­kre­ten Wer­kes abzu­stel­len hat [5]. Dem Bestel­ler ste­hen nur noch die Gewähr­leis­tungs­rech­te aus den §§ 633635 BGB zu [6].

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 25. Febru­ar 2010 – VII ZR 64/​09

  1. vgl. BGH, Urteil vom 18.09.1967 – VII ZR 88/​65, BGHZ 48, 257, 258[]
  2. BGH, Urteil vom 10.06.1999 – VII ZR 170/​98, BauR 1999, 1186, 1188 = ZfBR 1999, 327, 328; Urteil vom 22.12.2000 – VII ZR 310/​99, BGHZ 146, 250, 262[]
  3. BGH, Urteil vom 15.11.1973 – VII ZR 110/​71, BauR 1974, 67; Urteil vom 27.09.2001 – VII ZR 320/​00, BauR 2002, 108, 109 = NZBau 2002, 42 = ZfBR 2002, 61 f.[]
  4. vgl. BGH, Urteil vom 20.09.1984 – VII ZR 377/​83, BauR 1985, 200 = ZfBR 1985, 71; Urteil vom 28.04.1992 – X ZR 27/​91, ZfBR 1992, 264, 265[]
  5. vgl. BGH, Urteil vom 06.02.1958 – VII ZR 39/​57, BGHZ 26, 337, 340[]
  6. vgl. BGH, Urteil vom 10.01.1974 – VII ZR 28/​72, BGHZ 62, 83, 86[]