Kos­me­ti­ke­rin­nen und die Fal­tensprit­ze

Kos­me­ti­ke­rin­nen dür­fen ohne Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis kei­ne Fal­ten unter­sprit­zen, wie das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len in Müns­ter jetzt ent­schie­den­hat. Fal­ten­un­ter­sprit­zen mit einem inji­zier­ba­ren Implan­tat stell­ten Aus­übung der Heil­kun­de da und bedürf­ten daher zumin­dest einer Heil­prak­ti­ker­er­laub­nis, so dass eine ohne eine sol­che Erlaub­nis aus­ge­üb­te Tätig­keit des Fal­ten­un­ter­sprit­zens unter­sagt wer­den kön­ne.

Kos­me­ti­ke­rin­nen und die Fal­tensprit­ze

Die Klä­ge­rin, eine selb­stän­di­ge Kos­me­ti­ke­rin aus dem Kreis Reck­ling­hau­sen bie­tet seit 1997 die Fal­ten­un­ter­sprit­zung im Lip­pen- und Ober­lip­pen­be­reich mit inji­zier­ba­ren Implan­ta­ten an. Im Febru­ar 1999 unter­sag­te die beklag­te Stadt der Klä­ge­rin die­se Tätig­keit, weil es sich dabei um eine heil­kund­li­che Tätig­keit han­de­le, für die die Klä­ge­rin nicht aus­ge­bil­det sei. Nach erfolg­lo­sem Wider­spruch erhob die Klä­ge­rin Kla­ge mit der Begrün­dung, die Fal­ten­un­ter­sprit­zung die­ne aus­schließ­lich kos­me­ti­schen Zwe­cken und sei eben­so wenig wie Ohr­loch­ste­chen, Täto­wie­ren oder das Anbrin­gen eines Per­ma­nent-Make-up Aus­übung der Heil­kun­de. Die­se Kla­ge hat­te beim Ver­wal­tungs­ge­richt Gel­sen­kir­chen Erfolg. Gegen die Ent­schei­dung des Ver­wal­tungs­ge­richts leg­te die beklag­te Stadt Beru­fung ein, der das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt nun­mehr mit dem Beschluss statt­ge­ge­ben hat. Zur Begrün­dung hat es aus­ge­führt:

Die von der Klä­ge­rin durch­ge­führ­te Tätig­keit des Fal­ten­un­ter­sprit­zens im Lip­pen- und Ober­lip­pen­be­reich sei Aus­übung der Heil­kun­de. Nicht nur die Tätig­keit zur Fest­stel­lung, Hei­lung oder Lin­de­rung von Krank­hei­ten, Lei­den oder Kör­per­schä­den bei Men­schen sei Aus­übung der Heil­kun­de, son­dern auch der Ein­griff in den Kör­per, der zu ästhe­ti­schen Zwe­cken vor­ge­nom­men wer­de. Das gel­te jeden­falls dann, wenn die­ser Ein­griff wie beim Inji­zie­ren von Implan­ta­ten im Lip­pen- und Ober­lip­pen­be­reich zur Fal­ten­un­ter­sprit­zung neben dem not­wen­di­gen all­ge­mei­nen Wis­sen bei der Ver­ab­rei­chung von Injek­tio­nen zusätz­li­che Kennt­nis­se über den Auf­bau und die Schich­ten der Haut sowie über den Ver­lauf von Blut­ge­fä­ßen, Ner­ven­bah­nen und Mus­kel­strän­gen im Gesichts­be­reich erfor­de­re. Viel­fach sei auch eine Dia­gno­se zu den mög­li­chen Ursa­chen der Fal­ten­bil­dung sowie eine Beur­tei­lung dazu erfor­der­lich, ob eine Fal­ten­un­ter­sprit­zung aus der­ma­to­lo­gi­scher oder chir­ur­gi­scher Sicht, etwa wegen einer Haut­krank­heit, unter­blei­ben müs­se. Bei nicht sach­ge­mä­ßer Hand­ha­bung könn­ten die Injek­tio­nen – wie Bei­spie­le zeig­ten – zu erheb­li­chen und ent­stel­len­den Ent­zün­dun­gen im Umfeld der Injek­ti­ons­stel­len und zu behand­lungs­be­dürf­ti­gen Gewe­be­schä­den mit ent­spre­chen­den Schmer­zen füh­ren. Die­ses Risi­ko sei um so grö­ßer, je weni­ger ana­to­mi­sche Kennt­nis­se vom Auf­bau der mensch­li­chen Haut all­ge­mein und spe­zi­ell im Gesicht beim Behand­ler bestün­den. Bei Kos­me­ti­ke­rin­nen kön­ne von einer für die sach­ge­mä­ße Fal­ten­un­ter­sprit­zung unbe­dingt not­wen­di­gen medi­zi­ni­schen Kennt­nis nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Viel­mehr sei für die­se Art der Aus­übung der Heil­kun­de zumin­dest eine Erlaub­nis nach dem Heil­prak­ti­ker­ge­setz erfor­der­lich. Da die Klä­ge­rin über eine sol­che Erlaub­nis nicht ver­fü­ge, habe die beklag­te Stadt ihr das Fal­ten­un­ter­sprit­zen unter­sa­gen dür­fen.

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Nord­rhein-West­fa­len, Beschluss vom – 13 A 2495/​03