Preis­be­stim­mung für die Bahn­tras­sen-Benut­zung – und die AGB-Kon­trol­le

Die von der DB Netz AG im Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trag und in den All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für die Nut­zung der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur ent­hal­te­nen Klau­seln, die auf die "Ent­gelt­lis­te in ihrer jeweils gül­ti­gen Fas­sung" bzw. auf die "jeweils gül­ti­ge Lis­te der Ent­gel­te für Tras­sen" ver­wei­sen, sind nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB einer Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le am Maß­stab von § 307 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BGB ent­zo­gen.

Preis­be­stim­mung für die Bahn­tras­sen-Benut­zung – und die AGB-Kon­trol­le

Die DB Netz AG, die als Kon­zern­un­ter­neh­men der Deut­schen Bahn AG den weit über­wie­gen­den Teil des deut­schen Schie­nen­net­zes unter­hält und betreibt, ist nach Maß­ga­be der Vor­schrif­ten des All­ge­mei­nen Eisen­bahn­ge­set­zes (AEG) und der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur-Benut­zungs­ver­ord­nung (EIBV) dazu ver­pflich­tet, pri­va­ten Eisen­bahn­ver­kehrs­un­ter­neh­men (EVU) Zugang zur Eisen­bahn­in­fra­struk­tur zu gewäh­ren. Die Bedin­gun­gen des Netz­zu­gangs ein­schließ­lich der Ent­gelt­grund­sät­ze legt die DB Netz AG gemäß § 4 Abs. 1 EIBV in ihren Schie­nen­netz-Benut­zungs­be­din­gun­gen (SNB) fest, zu deren Bestand­tei­len (Kapi­tel 8 der SNB) die "All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für die Nut­zung der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur der DB Netz AG" (ABN) gehö­ren.

Die DB Netz AG schließt mit den am Netz­zu­gang inter­es­sier­ten pri­va­ten EVU für die Dau­er von deren Zulas­sung zum Schie­nen­ver­kehr gleich­lau­ten­de Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trä­ge (Grund­satz-INV), die in § 1 auf die Gel­tung der Schie­nen­netz-Benut­zungs­be­din­gun­gen und der dar­in ent­hal­te­nen All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen für die Nut­zung der Eisen­bahn­in­fra­struk­tur ver­wei­sen. Die­se Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trä­ge sind ihrer­seits Grund­la­ge für den Abschluss von Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­gen über kon­kret bestimm­te Zug­tras­sen. Die Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­ge wer­den ent­we­der für den ein­jäh­ri­gen Zeit­raum der Gül­tig­keit eines Netz­fahr­plans geschlos­sen oder betref­fen die Nut­zung einer Tras­se außer­halb des Netz­fahr­plans (Gele­gen­heits­ver­kehr). Die Ent­gel­te für die Tras­sen­nut­zung setzt die DB Netz AG in geson­der­ten und von ihr ver­öf­fent­lich­ten Ent­gelt­lis­ten (sog. Tras­sen­preis­sys­te­me) fest, die nicht Bestand­teil der Benut­zungs­be­din­gun­gen sind und jeweils für eine Netz­fahr­plan­pe­ri­ode gel­ten.

Bei den streit­be­fan­ge­nen Klau­seln han­delt es sich zwar um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne von § 305 Abs. 1 BGB, die zwi­schen Unter­neh­mern ver­wen­det wer­den. Die Klau­seln sind aber gemäß § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB einer Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le am Maß­stab des § 307 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BGB ent­zo­gen und auch nicht wegen Intrans­pa­renz (§ 307 Abs. 3 Satz 2 und Abs. 1 Satz 2 BGB) unwirk­sam.

Nach § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB unter­lie­gen der Inhalts­kon­trol­le nur sol­che Bestim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die von dis­po­si­ti­ven Rechts­vor­schrif­ten abwei­chen­de oder die­se ergän­zen­de Rege­lun­gen ent­hal­ten. Kei­ner Inhalts­kon­trol­le unter­lie­gen dem­ge­gen­über leis­tungs­be­stim­men­de Klau­seln, die Art und Umfang der ver­trag­li­chen Haupt­leis­tung und der hier­für zu zah­len­den Ver­gü­tung unmit­tel­bar fest­le­gen und rechts­de­kla­ra­to­ri­sche Klau­seln, die ledig­lich das wie­der­ge­ben, was von Rechts wegen ohne­hin für die betref­fen­de The­ma­tik gilt. Bei die­sen rechts­de­kla­ra­to­ri­schen Klau­seln wür­de eine Kon­trol­le am Maß­stab der §§ 307 ff. BGB auf eine mit­tel­ba­re Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le des Geset­zes durch die Gerich­te hin­aus­lau­fen, die mit der Geset­zes­bin­dung der Judi­ka­ti­ve (Art.20 Abs. 3 GG) nicht zu ver­ein­ba­ren wäre. Die Kon­trol­le müss­te zudem leer­lau­fen, weil an die Stel­le der unwirk­sa­men Klau­sel gemäß § 306 Abs. 2 BGB ledig­lich eine inhalts­glei­che gesetz­li­che Bestim­mung trä­te 1.

Um den rechts­de­kla­ra­to­ri­schen Cha­rak­ter einer Klau­sel fest­stel­len zu kön­nen, bedarf es eines Ver­glei­ches zwi­schen dem durch Aus­le­gung zu ermit­teln­den Inhalt der Klau­sel und der für die Klau­sel­the­ma­tik sonst gel­ten­den recht­li­chen Rege­lung 2.

Das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main 3 hat in der Vor­in­stanz die streit­ge­gen­ständ­li­chen Klau­seln ersicht­lich dahin­ge­hend aus­ge­legt, dass sie der DB Netz AG ein ver­trag­li­ches ein­sei­ti­ges Leis­tungs­be­stim­mungs­recht bezüg­lich der Tras­sen­ent­gel­te für künf­ti­ge Netz­fahr­plan­pe­ri­oden ein­räu­men 4.

Rich­tig ist dabei im Aus­gangs­punkt, dass die Klau­seln durch die Bezug­nah­me auf die "jeweils gül­ti­ge Fas­sung" bzw. die "jeweils gül­ti­ge Lis­te" ein dyna­mi­sches Ele­ment ent­hal­ten. Dem EVU ist es im Zeit­punkt des Abschlus­ses des Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­tra­ges nicht mög­lich, die genaue Ent­gelt­hö­he für die spä­te­re Tras­sen­nut­zung sicher zu bestim­men. Das Gesetz ent­hält zwar in § 14 AEG und in §§ 21 ff. EIBV all­ge­mei­ne metho­di­sche Vor­ga­ben zur Bestim­mung des Ent­gelts für die Tras­sen­nut­zung. Die kon­kre­ten preis­be­stim­men­den Fak­to­ren sind dem ver­trags­be­tei­lig­ten EVU dage­gen nicht bekannt; es wirkt an der Preis­be­stim­mung eben­so wie die ande­ren Ver­kehrs­un­ter­neh­men nicht mit, so dass das EVU das in den Ent­gelt­lis­ten kon­kre­ti­sier­te Ergeb­nis der Preis­fin­dung durch die DB Netz AG weder nach­voll­zie­hen noch beein­flus­sen kann. Unter ver­gleich­ba­ren Umstän­den hat der Bun­des­ge­richts­hof im Ver­trag eines Strom­netz­be­trei­bers, der wegen der Ent­gel­te in einer Klau­sel auf ein "jeweils gel­ten­des" Preis­blatt ver­weist, die Ver­ein­ba­rung eines ver­trag­li­chen Leis­tungs­be­stim­mungs­rechts gese­hen, und zwar sowohl hin­sicht­lich eines betrags­mä­ßig bereits fest­stell­ba­ren Anfangs­ent­gelts als auch hin­sicht­lich der von dem Netz­be­trei­ber durch Ände­rung der nach bestimm­ten Preis­fin­dungs­prin­zi­pi­en berech­ne­ten Preis­blät­ter ein­sei­tig bestimm­ten Fol­ge­ent­gel­te 5.

Ob die­se Recht­spre­chung ohne wei­te­res auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen wer­den kann, hat der Bun­des­ge­richts­hof bis­lang offen gelas­sen 6, und die­se Fra­ge braucht auch hier nicht ent­schie­den zu wer­den. Durch den Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trag wer­den aller­dings selbst noch kei­ne unmit­tel­ba­ren, auf einer Leis­tungs­be­stim­mung der DB Netz AG beru­hen­den Zah­lungs­pflich­ten für das EVU begrün­det; dies ist erst mit dem Abschluss eines Ein­zel­nut­zungs­ver­tra­ges der Fall, des­sen höchst­mög­li­che Lauf­zeit ein Jahr beträgt (§ 11 Abs. 2 EIBV) und mit dem sich das EVU dazu ver­pflich­tet, die in dem zu die­sem Zeit­punkt gül­ti­gen Tras­sen­preis­sys­tem aus­ge­wie­se­nen Ent­gel­te für die Inan­spruch­nah­me der Zug­tras­sen zu bezah­len. Die Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trä­ge ent­hal­ten auch anders als Rah­men­ver­trä­ge im Sin­ne von §§ 14 a AEG, 13 EIBV noch kei­ne recht­li­che Ver­pflich­tung zum künf­ti­gen Abschluss von Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­gen 7. Unab­hän­gig davon ist dem Beru­fungs­ge­richt aber in sei­ner Beur­tei­lung bei­zu­tre­ten, dass § 3 Ziff. 1 Grund­satz-INV und Ziff. 8.07.1 ABN nicht "inhalts­leer" sind, son­dern einen selb­stän­di­gen Rege­lungs­in­halt haben. Ihnen lässt sich das Ein­ver­ständ­nis der EVU ent­neh­men, beim Abschluss von Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­gen (nur) die­je­ni­gen Ent­gel­te zu ver­ein­ba­ren, die in der jeweils gül­ti­gen Tras­sen­preis­lis­te für die betref­fen­de Netz­fahr­plan­pe­ri­ode vor­ge­ge­ben wer­den. Das EVU begibt sich damit der Mög­lich­keit, vor dem Abschluss künf­ti­ger Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­ge über die von der DB Netz AG in den jeweils gül­ti­gen Tras­sen­preis­lis­ten vor­ge­ge­be­nen Ent­gel­te ver­han­deln zu kön­nen.

Soweit sich aus den streit­ge­gen­ständ­li­chen Klau­seln eine auf die Ent­gelt­hö­he bezo­ge­ne Ein­schrän­kung des Ver­hand­lungs­spiel­raums der EVU beim Abschluss von Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­gen ergibt, kann dar­in aber kei­ne von der Rechts­la­ge abwei­chen­de Rege­lung gese­hen wer­den.

Dies gilt auch mit Blick auf § 14 Abs. 6 AEG, wonach die Ein­zel­hei­ten des Zugangs zur Eisen­bahn­in­fra­struk­tur ins­be­son­de­re auch das zu ent­rich­ten­de Ent­gelt zwi­schen den Ver­trags­par­tei­en zu "ver­ein­ba­ren" sind. Mit Recht weist das Beru­fungs­ge­richt in die­sem Zusam­men­hang auf die öffent­lich­recht­li­che Über­for­mung der an sich pri­vat­recht­lich ein­zu­ord­nen­den 8 Nut­zungs­ver­ein­ba­run­gen hin. Die eisen­bahn­recht­li­chen Rege­lun­gen zur Ent­gelt­ge­stal­tung rich­ten sich aus­drück­lich nur an die Betrei­ber der Schie­nen­we­ge. Nach § 14 Abs. 4 AEG haben sie ihre Ent­gel­te unter Beach­tung bestimm­ter gesetz­li­cher Vor­ga­ben im Wesent­li­chen des Gebots der Gewähr­leis­tung eines dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Netz­zu­gangs (§ 14 Abs. 1 Satz 1 AEG) und des Grund­sat­zes einer kos­ten­ori­en­tier­ten Ent­gelt­be­mes­sung (§ 14 Abs. 4 Satz 1 AEG) und der durch die Eisen­bahn­in­fra­struk­tur-Benut­zungs­ver­ord­nung kon­kre­ti­sier­ten Kri­te­ri­en zu "bemes­sen". Gemäß § 21 Abs. 1 Satz 1 EIBV sind die Ent­gel­te soweit sie die Bezah­lung von Pflicht­leis­tun­gen nach dem All­ge­mei­nen Eisen­bahn­ge­setz betref­fen durch den Betrei­ber der Schie­nen­we­ge so zu "gestal­ten", dass sie durch leis­tungs­ab­hän­gi­ge Bestand­tei­le Anrei­ze zur Ver­rin­ge­rung von Stö­run­gen und zur Erhö­hung der Leis­tungs­fä­hig­keit des Schie­nen­net­zes bie­ten. Das Wege­ent­gelt kann umwelt­be­zo­ge­ne Aus­wir­kun­gen, die Knapp­heit der Kapa­zi­tä­ten auf bestimm­ten Abschnit­ten und erhöh­te Kos­ten bei bestimm­ten Ver­kehrs­ar­ten berück­sich­ti­gen (§ 21 Abs. 2 bis Abs. 4 EIBV). § 21 Abs. 6 EIBV bestimmt, dass Ent­gel­te grund­sätz­lich gegen­über jedem Zugangs­be­rech­tig­ten in glei­cher Wei­se zu "berech­nen" sind. Ent­gelt­nach­läs­se dür­fen nur nach den kon­kret in § 23 EIBV bezeich­ne­ten Vor­ga­ben gewährt wer­den, wobei auch in die­sem Zusam­men­hang der Grund­satz der Gleich­be­hand­lung zu beach­ten ist. Die unter Beach­tung die­ser Kri­te­ri­en durch das Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men gestal­te­ten "Ent­gelt­grund­sät­ze" sind nach § 4 Abs. 1 und 2 EIBV i.V.m. mit der Anla­ge 2 zu § 4 Abs. 2 EIBV zwin­gen­der Bestand­teil der vom Betrei­ber der Schie­nen­we­ge zu erstel­len­den und zu ver­öf­fent­li­chen­den Schie­nen­netz-Benut­zungs­be­din­gun­gen. Auch sind die von den Betrei­bern der Schie­nen­we­ge bestimm­ten Ent­gel­te unter Berück­sich­ti­gung bestimm­ter Ver­fah­rens­re­geln bekannt­zu­ma­chen (§ 21 Abs. 7 EIBV).

Gemes­sen dar­an haben die Betrei­ber der Schie­nen­we­ge das Recht und die Pflicht, unter Beach­tung bestimm­ter inhalt­li­cher und ver­fah­rens­mä­ßi­ger Vor­ga­ben aus § 14 AEG und §§ 21 ff. EIBV und unter Belas­sung eines unter­neh­me­ri­schen Ermes­sens­spiel­raums 9 all­ge­mei­ne Ent­gel­te für die Netz­nut­zung zu bil­den, ohne den Zugangs­be­rech­tig­ten dabei eine Mit­wir­kungs­mög­lich­keit ein­räu­men zu müs­sen. Ob dies im Hin­blick auf die Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs zum Zugang zu frem­den Strom­net­zen 10 den offen­sicht­lich auch vom Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt 11 gezo­ge­nen Schluss recht­fer­tigt, dass den Betrei­bern der Schie­nen­we­ge damit ein gesetz­li­ches Leis­tungs­be­stim­mungs­recht ein­ge­räumt wor­den ist 12, muss nicht ent­schie­den wer­den. Für die AGBrecht­li­che Beur­tei­lung genügt die Erkennt­nis, dass die Höhe des Ent­gelts für die Benut­zung der Infra­struk­tur nach den Vor­schrif­ten des die Ver­trags­frei­heit inso­weit über­for­men­den Eisen­bahn­rechts ins­be­son­de­re wegen des Gebots der dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Ent­gelt­be­rech­nung (§ 21 Abs. 6 EIBV) indi­vi­du­ell nicht ver­han­del­bar sein soll. Eine Ver­trags­klau­sel, durch die sich das EVU der Mög­lich­keit des frei­en Aus­han­delns der Nut­zungs­ent­gel­te in den Ein­zel­nut­zungs­ver­trä­gen begibt, weicht von die­ser Rechts­la­ge nicht ab.

Etwas ande­res ergibt sich auch nicht dar­aus, dass die sich in einer dyna­mi­schen Ver­wei­sung auf jeweils gül­ti­ge Ent­gelt­lis­ten beschrän­ken­den Klau­seln nicht den Anfor­de­run­gen genü­gen, wel­che die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung in ande­ren Fäl­len an die tat­be­stand­li­che Kon­kre­ti­sie­rung von Anlass, Vor­aus­set­zun­gen und Umfang eines ein­sei­ti­gen Preis­an­pas­sungs­rechts stellt 13. Mit Recht wird hier­ge­gen gel­tend gemacht, dass es sich bei den streit­ge­gen­ständ­li­chen Klau­seln for­mal nicht um "klas­si­sche" Preis­an­pas­sungs­klau­seln im Rah­men eines Dau­er­schuld­ver­hält­nis­ses han­delt, weil der Grund­satz-Infra­struk­tur­nut­zungs­ver­trag noch kei­ne Ver­pflich­tung zur Abnah­me der von der DB Netz AG erbrach­ten Leis­tun­gen zu den gege­be­nen­falls erhöh­ten Prei­sen aus einer nach einem Fahr­plan­wech­sel modi­fi­zier­ten Tras­sen­preis­lis­te beinhal­tet.

Im Übri­gen trifft es zwar zu, dass die Netz­nut­zer nicht erken­nen kön­nen, in wel­chem Umfang und gestützt auf wel­che Ände­run­gen bei den Vor­kos­ten die DB Netz AG Preis­er­hö­hun­gen im Rah­men einer nach einem Fahr­plan­wech­sel aktua­li­sier­ten Ent­gelt­lis­te vor­nimmt. Dies ent­spricht aber der eisen­bahn­recht­li­chen Kon­zep­ti­on, wel­che die Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men dazu berech­tigt und ver­pflich­tet, für jede Netz­fahr­plan­pe­ri­ode unter Berück­sich­ti­gung eisen­bahn­recht­li­cher Vor­ga­ben Ent­gel­te auf der Grund­la­ge der nur ihnen bekann­ten kon­kre­ten preis­bil­den­den Fak­to­ren zu bestim­men. Es kommt nicht dar­auf an, ob die DB Netz AG durch die mate­ri­ell­recht­li­chen und ver­fah­rens­recht­li­chen Vor­ga­ben des Eisen­bahn­rechts dar­an gehin­dert sein könn­te, in ihren All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen Klau­seln zu ver­wen­den, die es für die ver­trags­be­tei­lig­ten EVU trans­pa­rent machen, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen und in wel­cher Grö­ßen­ord­nung künf­ti­ge Preis­er­hö­hun­gen für die Tras­sen­nut­zung zu erwar­ten sind. Der den Eisen­bahn­in­fra­struk­tur­un­ter­neh­men kraft Geset­zes erteil­te Gestal­tungs­auf­trag bei der Ent­gelt­be­mes­sung sieht eine sol­che Trans­pa­renz gegen­über den Netz­nut­zern gera­de nicht vor. Wür­de man daher im Rah­men der AGBrecht­li­chen Über­prü­fung der Ver­trags­klau­seln in einem Netz­nut­zungs­ver­trag die­je­ni­gen Maß­stä­be imple­men­tie­ren, die von der Recht­spre­chung in ande­ren Fäl­len an die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit eines ein­sei­ti­gen Preis­an­pas­sungs­rechts ange­legt wer­den, lie­fe dies wor­auf schon das Beru­fungs­ge­richt zu Recht hin­ge­wie­sen hat auf eine unzu­läs­si­ge Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le des Geset­zes hin­aus.

Die Klau­seln in § 3 Ziff. 1 Grund­satz-INV und Ziff. 8.07.01. ABN sind auch nicht wegen Intrans­pa­renz unwirk­sam. Zwar kann sich, wenn eine Bestim­mung in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen wegen § 307 Abs. 3 Satz 1 BGB kei­ner Ange­mes­sen­heits­kon­trol­le am Maß­stab des § 307 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 BGB unter­liegt, eine unan­ge­mes­se­ne Benach­tei­li­gung des Ver­trags­part­ners des Klau­sel­ver­wen­ders auch dar­aus erge­ben, dass die Klau­sel nicht klar und ver­ständ­lich ist (§ 307 Abs. 3 Satz 2 und Abs. 1 Satz 2 BGB). Dies ist unter den hier obwal­ten­den Umstän­den aber nicht der Fall. Ins­be­son­de­re ist die Ver­wei­sungs­klau­sel schon wegen des Hin­wei­ses auf die "Gül­tig­keit" der Ent­gelt­lis­ten nicht geeig­net, bei einem ver­stän­di­gen EVU den Ein­druck zu erwe­cken, dass sich die DB Netz AG ein ver­trag­li­ches Recht zu einer unter­jäh­ri­gen und daher mit Blick auf § 21 Abs. 7 EIBV eisen­bahn­rechts­wid­ri­gen Neu­be­mes­sung der Ent­gel­te vor­be­hal­ten woll­te.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 8. Okto­ber 2014 – XII ZR 164/​12

  1. grund­le­gend BGHZ 91, 55, 57 = NJW 1984, 2161; BGH Urteil vom 08.05.2012 – XI ZR 437/​11 WM 2012, 1344 Rn. 15 mwN[]
  2. vgl. Staudinger/​Coester BGB [2013] § 307 Rn. 292; Münch­Komm-BGB/Wurm­nest 6. Aufl. § 307 Rn. 6[]
  3. OLG Frank­furt am Main, Urteil vom 20.06.2012 – 1 U 112/​11[]
  4. eben­so OLG Frank­furt [1. Kar­tell­se­nat], Urteil vom 17.01.2012 – 11 U 43/​09 (Kart 38 f.; OLG Mün­chen, Urteil vom 23.02.2012 – U 3365/​11 (Kart 34); OLG Düs­sel­dorf Urteil vom 14.10.2009 – VI-U (Kart) 4/​09 86; Bremer/​Höppner N&R Bei­la­ge 2010 Nr. 1, S. 1 f.; Uhlen­hut IR 2009, 173, 176; dage­gen Sta­ebe in Schmitt/​Staebe Ein­füh­rung in das Eisen­bahn-Regu­lie­rungs­recht Rn. 562; Röckrath/​Linsmeier Zivil­recht­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le und Eisen­bahn­recht S. 58 f.; Bredt N&R 2009, 235, 238[]
  5. vgl. BGHZ 164, 336, 339 f. = NJW 2006, 684 f. Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt I[]
  6. BGH Urteil vom 18.10.2011 – KZR 18/​10 NVwZ 2012, 189 Rn. 12 Stor­nie­rungs­ent­gelt[]
  7. vgl. Röckrath/​Linsmeier Zivil­recht­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le und Eisen­bahn­recht S. 58[]
  8. vgl. BGH Urteil vom 18.10.2011 – KZR 18/​10 NVwZ 2012, 189 Rn. 22 Stor­nie­rungs­ent­gelt; BVerwG NVwZ 2012, 307 Rn. 22[]
  9. vgl. BGH Urteil vom 18.10.2011 – KZR 18/​10 NVwZ 2012, 189 Rn. 16 f. Stor­nie­rungs­ent­gelt; Lud­wigs Zivil­recht­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le nach § 315 BGB und euro­päi­sches Eisen­bahn­re­gu­lie­rungs­recht S. 25 f.[]
  10. BGH Urtei­le vom 04.03.2008 – KZR 29/​06 NJW 2008, 2175 Rn. 18 ff. Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt III; vom 20.07.2010 – EnZR 23/​09 NJW 2011, 212 Rn. 17 Strom­netz­nut­zungs­ent­gelt IV; und vom 20.07.2010 – EnZR 24/​09 NVwZ-RR 2011, 58 Rn. 17[]
  11. OLG Frank­furt, a.a.O.[]
  12. eben­so OLG Mün­chen Urteil vom 23.02.2012 U 3365/​11 (Kart 36; Otte LMK 2012, 327729; Bremer/​Höppner N&R Bei­la­ge 2010 Nr. 1, S. 1, 2; dage­gen Sta­ebe in Schmitt/​Staebe, Ein­füh­rung in das Eisen­bahn-Regu­lie­rungs­recht Rn. 566 ff.; Röckrath/​Linsmeier Zivil­recht­li­che Bil­lig­keits­kon­trol­le und Eisen­bahn­recht, S. 58 f; Bredt N&R 2009, 235, 239[]
  13. vgl. etwa BGHZ 180, 257 = NJW 2009, 2051 Rn. 27 f. und BGH Urteil vom 13.12 2006 – VIII ZR 25/​06 NJW 2007, 1054 Rn. 21[]