Sau­ber­keit in Bäcke­rei­en – und der Inter­net­pran­ger

Das Ver­wal­tungs­ge­richts Aachen hat der Städ­te­re­gi­on Aachen unter­sagt, lebens­mit­tel­recht­li­che Ver­stö­ße eines regio­na­len Betrei­bers meh­re­rer Bäcke­rei­fi­lia­len im Inter­net zu ver­öf­fent­li­chen.

Sau­ber­keit in Bäcke­rei­en – und der Inter­net­pran­ger

Im Okto­ber 2012 hat­ten Mit­ar­bei­ter der Städ­te­re­gi­on im Pro­duk­ti­ons­be­reich der Antrag­stel­le­rin diver­se lebens­mit­tel­recht­li­che Ver­stö­ße fest­ge­stellt und ange­kün­digt, die­se in dem Inter­net-Por­tal "Lebensmitteltransparenz-NRW"zu ver­öf­fent­li­chen. Die Antrag­stel­le­rin ver­weist dar­auf, dass alle Män­gel mitt­ler­wei­le beho­ben sei­en und eine Ver­öf­fent­li­chung im Inter­net ihre Exis­tenz ver­nich­ten wür­de. Für die Städ­te­re­gi­on recht­fer­tig­ten die fest­ge­stell­ten erheb­li­chen Ver­stö­ße eine Infor­ma­ti­on der Öffent­lich­keit. § 40 LFGB gestat­te in einem sol­chen Fall die Namens­nen­nung im Inter­net.

Das Ver­wal­tung­ge­richt Aachen befand nun, eine Ver­öf­fent­li­chung grei­fe schwer­wie­gend in die Grund­rech­te der Antrag­stel­le­rin ein. Ob dies recht­mä­ßig sei, müs­se in dem von der Antrag­stel­le­rin bereits ange­streng­ten Kla­ge­ver­fah­ren geklärt wer­den. In der Recht­spre­chung wür­den erheb­li­che Beden­ken bestehen, ob § 40 LFGB mit EU-Recht und deut­schem Ver­fas­sungs­recht ver­ein­bar sei. Die­se Beden­ken habe zuletzt der Ver­wal­tungs­ge­richts­hof Mann­heim mit Beschluss vom 28. Janu­ar 2013 geäu­ßert.

Die des­halb im Eil­ver­fah­ren gebo­te­ne Abwä­gung fal­le wegen der mit einer Ver­öf­fent­li­chung ver­bun­de­nen Fol­gen zu Guns­ten der Antrag­stel­le­rin aus, zumal die Städ­te­re­gi­on ord­nungs­recht­lich vor­ge­hen kön­ne, wenn Gefah­ren von Pro­duk­ten der Antrag­stel­le­rin aus­gin­gen.

Ver­wal­tungs­ge­richt Aachen, Beschluss vom 4. Febru­ar 2013 – 7 L 569/​12