Scha­den und Repa­ra­tur eines Glas­fa­ser­ka­bels

Zu den wesent­li­chen Bestand­tei­len eines Grund­stücks i. S. von § 94 Abs. 1 BGB zäh­len nicht Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen; sie sind son­der­rechts­fä­hi­ge Schein­be­stand­tei­le i. S. von § 95 Abs. 1 BGB. Die Ver­le­gung von Licht­wel­len­lei­tern im Schutz­strei­fen einer im Grund­buch gesi­cher­ten Gas­lei­tung hat der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks gem. § 76 Abs. 1 Nr. 1 TKG 2004 auch dann zu dul­den, wenn die Betrei­ber von Gas­lei­tung und Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tung nicht iden­tisch sind.

Scha­den und Repa­ra­tur eines Glas­fa­ser­ka­bels

Wenn nach Beschä­di­gung eines Glas­fa­ser­ka­bels durch Bag­ger­ar­bei­ten je 50 m links und rechts der Schad­stel­le ein neu­es Kabel ver­legt und zu des­sen Ein­fü­gung zwei zusätz­li­che Spleiß­stel­len mit 2 zusätz­li­chen Muf­fen erfor­der­lich sind und das ver­blei­ben­de Kabel mög­li­cher­wei­se mit der Gefahr von Mikro­ris­sen gedehnt wur­de, liegt ein gemäß § 278 ZPO schätz­ba­rer tech­ni­scher Min­der­wert gemäß § 251 BGB nicht vor, wenn in 9 Jah­ren nach die­ser Sanie­rung kei­ne Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung ein­ge­tre­ten ist. Bei einer so durch­ge­führ­ten Repa­ra­tur besteht kein zusätz­li­cher Anspruch auf Ersatz der Kos­ten, die bei voll­stän­di­gem Ersatz des betrof­fe­nen Kabels durch ein neu­es Kabel mit vol­ler Kabel­län­ge von 6 km ent­ste­hen wür­den.

So das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart in dem hier vor­lie­gen­den Fall einer Klä­ge­rin, die Ansprü­che auf Scha­dens­er­satz wegen der Beschä­di­gung von Glas­fa­ser­ka­beln gel­tend macht. Die Klä­ge­rin ver­fügt deutsch­land­weit über ein Netz von etwa 9000 km zur Daten­über­tra­gung genutz­ter Glas­fa­ser­lei­tun­gen, bestehend aus Kabel­schutz­roh­ren und dar­in geführ­ten Glas­fa­ser­licht­wel­len­lei­tern, die sie nach ihrem Vor­trag zum Betrieb an ande­re ver­mie­tet. Eine sol­che Lei­tung ver­läuft als Teil einer Fern­stre­cke mit meh­re­ren Kabeln in einem Schutz­rohr neben einer Fern­gas­lei­tung über das Gelän­de des Stein­bruchs „B“ nahe der Bun­des­stra­ße bei R. Das Grund­stück gehört seit 1999 der S GmbH & Co. KG – im Fol­gen­den: Fa. S -, einem Tief­bau­un­ter­neh­men, über des­sen Ver­mö­gen am 28. Sep­tem­ber 2004 das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wur­de. Der Beklag­te wur­de zum Insol­venz­ver­wal­ter bestimmt. Zu Las­ten des Grund­stücks ist eine beschränk­te per­sön­li­che Dienst­bar­keit (Fern­gas­lei­tungs­recht) für die R Akti­en­ge­sell­schaft im Grund­buch ein­ge­tra­gen. Am 9. Sep­tem­ber 2003 beschä­dig­te ein Mit­ar­bei­ter der Fa. S bei Bag­ger­ar­bei­ten zwei Licht­wel­len­lei­ter mit 36 bzw. 72 Glas­fa­sern. Der Scha­dens­her­gang im Ein­zel­nen ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Die Klä­ge­rin ließ den Scha­den in der Wei­se repa­rie­ren, dass im Zeit­raum vom 09. bis 16. Sep­tem­ber 2003 auf einer Stre­cke von je 50 m links und rechts der Scha­dens­stel­le neue Glas­fa­ser­ka­bel ver­legt und in Repa­ra­tur­muf­fen an die bestehen­de Lei­tung angespleißt wur­den. Die Haft­pflicht­ver­si­che­rung der Fa. S, die ..Ver­si­che­rung AG, bezahl­te nach Beur­tei­lung durch den von ihr ein­ge­schal­te­ten Sach­ver­stän­di­gen Prof. Dr. K und Kor­re­spon­denz mit der Klä­ge­rin vor Insol­venz­eröff­nung dafür 12.967,89 EUR. Die Klä­ge­rin hat vor­ge­tra­gen, sie sei die Eigen­tü­me­rin der beschä­dig­ten Kabel, aber kein Netz­be­trei­ber. Die Lei­tung im Scha­dens­be­reich sei im Schutz­be­reich der bestehen­den Gas­lei­tung ver­legt wor­den, so dass die Fa. S als Grund­stücks­ei­gen­tü­me­rin zu sei­ner Dul­dung ver­pflich­tet sei. Sie behaup­tet, die durch­ge­führ­te Not­re­pa­ra­tur habe den vor dem Scha­dens­fall bestehen­den Zustand der Licht­wel­len­lei­ter tech­nisch nicht voll­wer­tig wie­der­her­ge­stellt. Außer­dem bestehe die Gefahr von Mikro­ris­sen in den Licht­wel­len­lei­tern über die aus­ge­tausch­te Stre­cke hin­aus, die durch die Stres­sung (hier: Deh­nung) der bei den Bag­ger­ar­bei­ten zer­ris­se­nen Kabel ver­ur­sacht wor­den sein könn­ten und die sich auch nach län­ge­rer Zeit noch aus­wei­ten könn­ten. Das qua­li­ta­ti­ve Niveau der Anla­ge zum Zeit­punkt des Scha­dens­falls kön­ne nur durch den Aus­tausch der gesam­ten Regel­län­ge zwi­schen den benach­bar­ten kon­struk­tiv beding­ten Muf­fen wie­der erreicht wer­den. Die Kos­ten für die­se Maß­nah­me belie­fen sich auf 43.045,86 EUR, die von der Beklag­ten gefor­dert wer­den.

Das Land­ge­richt Stutt­gart [1] hat der Kla­ge aus § 823 Abs. 1 BGB in Höhe von 37.045,86 EUR nebst Zin­sen statt­ge­ge­ben. Dage­gen hat die Beklag­te Beru­fung beim Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart ein­ge­legt.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung führt das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart aus, dass die Klä­ge­rin zwar grund­sätz­lich einen Anspruch auf Scha­dens­er­satz gemäß § 823 Abs. 1 BGB gegen die Beklag­te hat. Denn durch die Insol­venz­schuld­ne­rin Fa. S wur­de das Eigen­tum der Klä­ge­rin an den Licht­wel­len­lei­tern schuld­haft ver­letzt. Durch die erfolg­te Zah­lung der V wur­de der dadurch ver­ur­sach­te Scha­den der Klä­ge­rin aber bereits aus­ge­gli­chen. Ein Anspruch auf Ersatz des vor­lie­gend ein­ge­klag­ten wei­te­ren Scha­dens steht der Klä­ge­rin nicht zu.

Die Klä­ge­rin ist die Eigen­tü­me­rin der am 9. Sep­tem­ber 2003 unstrei­tig beschä­dig­ten Licht­wel­len­lei­ter. Die Fa. S als Eigen­tü­me­rin des Grund­stücks hat das Eigen­tum an den Licht­wel­len­lei­tern nicht gemäß § 946 BGB erlangt. Denn die­se Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen sind kei­ne wesent­li­chen Bestand­tei­le des Grund­stücks im Sin­ne von § 94 Abs. 1 BGB, son­dern son­der­rechts­fä­hi­ge Schein­be­stand­tei­le im Sin­ne von § 95 Abs. 1 BGB.

In der Recht­spre­chung ist – wie für Ver­sor­gungs­lei­tun­gen ande­rer Art – für Fern­mel­de­ka­bel im Sin­ne des Tele­gra­phen­we­ge­ge­set­zes aner­kannt, dass sie nicht mit dem Grund­stücks­ei­gen­tum ver­bun­den, son­dern gem. § 95 BGB Gegen­stand geson­der­ter Rech­te sind [2].

Die­se Zuord­nung gilt nach der Auf­he­bung des Tele­gra­phen­we­ge­ge­set­zes zum 01. August 1996 durch § 100 Abs. 3 des Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­ge­set­zes vom 25. Juli 1996 [3] auch für Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen wie vor­lie­gend die Licht­wel­len­lei­ter. Das TKG ent­hielt und ent­hält zwar kei­ne aus­drück­li­che Bestim­mung dahin, dass die über frem­de Grund­stü­cke geführ­ten Lei­tun­gen Schein­be­stand­tei­le gem. § 95 BGB sind. Dies wird jedoch all­ge­mein so ange­nom­men [4] und folgt aus Sinn und Zweck des Geset­zes. § 57 TKG 1996 und sei­ne zum 26. Juni 2004 in Kraft getre­te­ne Nach­fol­ge­norm § 76 TKG 2004 [5] ver­pflich­ten den Eigen­tü­mer zur Dul­dung von Errich­tung und Betrieb der Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­li­ni­en auf sei­nem Grund­stück. Dies setzt die Ver­schie­den­heit von Grund­stücks­ei­gen­tum und Eigen­tum am Kabel gedank­lich vor­aus. Nur wenn das Eigen­tum am Kabel nicht jedem Eigen­tü­mer der Grund­stü­cke, durch die es ver­läuft, zusteht, son­dern recht­lich in ein­heit­li­cher Hand ist, sind außer­dem der Auf­bau und die Unter­hal­tung eines Lei­tungs­net­zes über­haupt mög­lich. Dass die Lei­tun­gen in der Annah­me ver­legt wor­den wären, dass sie nach Ende des Netz­be­triebs dem Grund­stücks­ei­gen­tü­mer zufal­len soll­ten, ist dage­gen nicht ersicht­lich.

Das Feh­len einer vom Beklag­ten beton­ten Grund­dienst­bar­keit zu Guns­ten der Klä­ge­rin für die Licht­wel­len­lei­ter steht der Anwen­dung von § 95 BGB schon begriff­lich nicht ent­ge­gen.

Aus § 1006 BGB kann der Beklag­te nichts ande­res für sich her­lei­ten. Er ist näm­lich nicht der Besit­zer der Licht­wel­len­lei­ter. Viel­mehr ist dies die Klä­ge­rin. Gegen die – zutref­fen­de – Fest­stel­lung des ange­grif­fe­nen Urteils, dass die Lei­tun­gen im Auf­trag der Klä­ge­rin ein­ge­bracht wur­den, bringt die Beru­fung nichts vor; sie wen­det sich nur gegen die Annah­me einer Über­eig­nung der Kabel an die Klä­ge­rin. Sind sie aber im Auf­trag der Klä­ge­rin ein­ge­baut wor­den, hat sie hier­durch an den Lei­tun­gen Besitz erlangt. Gemäß § 1006 Abs. 1 S. 1 BGB ist das – wie aus­ge­führt vom Grund­stück geson­der­te – Eigen­tum der Klä­ge­rin an den Licht­wel­len­lei­tern damit zu ver­mu­ten. Das ein­fa­che Bestrei­ten des Eigen­tums­er­werbs der Klä­ge­rin durch den Beklag­ten geht unter den Umstän­den des Falls ins Lee­re.

Die über­zeu­gen­den Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts zu einer schuld­haf­ten Eigen­tums­ver­let­zung greift der Beklag­te nicht an.

Auch § 242 BGB steht dem gel­tend gemach­ten Scha­dens­er­satz­an­spruch nicht ent­ge­gen. Dem Beklag­ten steht kein Anspruch auf Besei­ti­gung der Licht­wel­len­lei­ter gegen die Klä­ge­rin zu. Denn die Fa. S hat die streit­ge­gen­ständ­li­chen Licht­wel­len­lei­ter nach § 57 Abs. 1 Nr. 1 TKG 1996/​§ 76 Abs. 1 Nr. 1 TKG 2004 auch ohne eine eige­ne Grund­dienst­bar­keit zu dul­den, da sie im Schutz­be­reich der ding­lich gesi­cher­ten Fern­gas­lei­tung ver­lau­fen.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs [6] hat­te der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks die Ver­le­gung von Licht­wel­len­lei­tern im Schutz­strei­fen einer bereits bestehen­den Gas­lei­tung gemäß § 57 Abs. 1 Nr. 1 TKG 1996 zu dul­den. Für § 76 Abs. 1 Nr. 1 TKG 2004 muss Ent­spre­chen­des gel­ten.

Im Fall des Bun­des­ge­richts­hofs war zwar der Betrei­ber einer Gas­lei­tung, zu des­sen Guns­ten dafür eine Dienst­bar­keit im Grund­buch ein­ge­tra­gen war, der­je­ni­ge, der auch die Licht­wel­len­lei­ter ver­le­gen woll­te. Die Ent­schei­dung ist aber auf den vor­lie­gen­den Fall zwei ver­schie­de­ner Lei­tungs­be­rech­tig­ter über­trag­bar. Denn dem Zweck des TKG – der raschen Her­stel­lung eines flä­chen­de­cken­den Net­zes ter­res­tri­scher Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­lei­tun­gen bei Sicher­stel­lung eines funk­tio­nie­ren­den Wett­be­werbs pri­va­ter Anbie­ter [7] – wird mit einer Ein­be­zie­hung ande­rer Lei­tungs­be­rech­tig­ter in den Schutz­be­reich bestehen­der Lei­tungs­rech­te am ehes­ten ent­spro­chen. Für den Grund­stücks­ei­gen­tü­mer macht dies auch kei­nen Unter­schied, weil die Nutz­bar­keit sei­nes Grund­stücks durch die Ver­le­gung einer zusätz­li­chen Lei­tung durch einen Drit­ten nicht mehr ein­ge­schränkt wird als durch die Ver­le­gung einer sol­chen Lei­tung durch den bis­her schon Berech­tig­ten.

Über das Grund­stück der Fa. S ver­läuft seit 1989 eine Gas­lei­tung. Im Grund­buch sind in Abt. II Nr. 2 und Nr. 8 zu Guns­ten der R AG Lei­tungs­rech­te ein­ge­tra­gen. Dem Lage­plan ist der Ver­lauf der Lei­tun­gen im Scha­dens­be­reich inner­halb des Flur­stücks zu ent­neh­men. Die­ses Flur­stück, das im Grund­buch unter BV Nr („…“) auf­ge­führt ist, ist vom Lei­tungs­recht der R AG in Abt. II Nr 8, ein­ge­tra­gen am 10. August 1989, umfasst. Damit über­ein­stim­mend und unbe­strit­ten trägt die Klä­ge­rin vor, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Kabel im Schutz­be­reich der Erd­gas­lei­tung der R AG ver­lau­fen.

Aus den vom Beklag­ten her­an­ge­zo­ge­nen Ent­schei­dun­gen ande­rer Gerich­te folgt nichts ande­res, da die Sach­ver­hal­te nicht ver­gleich­bar sind. In den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ge­richts­hofs [8] und des Ober­lan­des­ge­richts Thü­rin­gen [9] ging es um die Fra­ge des Betriebs von Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­an­schlüs­sen auf einem Grund­stück gegen den Wil­len des Grund­stück­ei­gen­tü­mers. Dar­um geht es vor­lie­gend nicht. Im Fall des Ober­lan­des­ge­richts Sach­sen-Anhalt [10] wur­de eine Dul­dungs­pflicht gemäß § 57 Abs. 1 Nr. 2 TKG 1996 ver­neint, weil die Lei­tungs­an­la­ge die Benut­zung des Grund­stücks wesent­lich beein­träch­tig­te. Vor­lie­gend geht es, wie aus­ge­führt, um § 57 Abs. 1 Nr. 1 TKG 1996, der nicht die Unwe­sent­lich­keit der Beein­träch­ti­gung als Vor­aus­set­zung der Dul­dungs­pflicht for­dert.

Unab­hän­gig davon ist der Beklag­te dar­an gebun­den, dass die V der Fa. S den Auf­wand für die bereits durch­ge­führ­te Repa­ra­tur regu­liert hat. Hier­in liegt ein dekla­ra­to­ri­sches Aner­kennt­nis der Haf­tung der Fa. S dem Grun­de nach auch mit Wir­kung gegen den Beklag­ten.

Die Zah­lung der V ist ein dekla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis der Haf­tung dem Grun­de nach mit Wir­kung auch gegen­über der Fa. S.

Der Beklag­te weist zwar zu Recht dar­auf hin, dass die blo­ße Zah­lung einer For­de­rung, auch vor­be­halt­los, grund­sätz­lich kein Aner­kennt­nis der For­de­rung beinhal­tet [11].

Ande­res liegt es aber bei einer Zah­lung der Haft­pflicht­ver­si­che­rung an den Geschä­dig­ten. Inso­weit hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass – auch bei feh­len­dem Direkt­an­spruch – die Regu­lie­rungs­zu­sa­ge des Haft­pflicht­ver­si­che­rers, der auf­grund sei­ner unein­ge­schränk­ten Ver­hand­lungs­voll­macht in der Pra­xis regel­mä­ßig der maß­geb­li­che Ansprech­part­ner des Geschä­dig­ten ist, ein dekla­ra­to­ri­sches Schuld­an­er­kennt­nis beinhal­tet. Aus der Sicht des Geschä­dig­ten ist die ihm erteil­te Regu­lie­rungs­zu­sa­ge des­halb dahin zu ver­ste­hen, dass der Ver­si­che­rer sei­nem Ver­si­che­rungs­neh­mer gegen­über deckungs­pflich­tig ist und in des­sen Namen den Haft­pflicht­an­spruch aner­kennt [12].

Eine sol­che Regu­lie­rungs­zu­sa­ge liegt kon­klu­dent in der erfolg­ten Zah­lung der V. Die­se ist als Kauf­mann (Ver­si­che­rung AG) gemäß § 350 HGB nicht an die Schrift­form des § 781 BGB gebun­den. Die Klä­ge­rin konn­te und durf­te die Zah­lung dahin ver­ste­hen, dass nur die Höhe der Scha­dens­er­satz­for­de­rung im Streit ste­he, ihr Anspruch dem Grun­de nach aber nicht ange­zwei­felt wer­de. Die­ses Ver­ständ­nis lag umso mehr des­we­gen nahe, weil die Fa. S bereits vor der Zah­lung mit Schrei­ben vom 12. Juni 2003 dar­auf hin­ge­wie­sen hat­te, dass ihr der Ver­lauf der Lei­tung bekannt war, und der von der V ein­ge­schal­te­te Gut­ach­ter Prof. Dr. K den Anspruch dem Grun­de nach bestä­tig­te. Unstrei­tig hat die V auf­grund die­ser Stel­lung­nah­me auf die durch­ge­führ­te Repa­ra­tur den größ­ten Teil der von der Klä­ge­rin damals dafür gefor­der­ten EUR 14.740,95 bezahlt und auch in der wei­te­ren Kor­re­spon­denz mit der Klä­ge­rin die Haf­tung dem Grun­de nach nicht ange­zwei­felt. Das eine wei­te­re Regu­lie­rung ableh­nen­de Schrei­ben der V vom 27. Juli 2004 wird nicht vor­ge­legt, so dass auch inso­weit von nichts ande­rem aus­ge­gan­gen wer­den kann.

Das dekla­ra­to­ri­sche Aner­kennt­nis gilt auch für und gegen den beklag­ten Insol­venz­ver­wal­ter. Inso­weit kann dahin­ste­hen, ob § 117 InsO im vor­lie­gen­den Fall die Voll­macht der V been­det hat. Denn die Regu­lie­rungs­zah­lung erfolg­te unbe­strit­ten bereits Ende Juli/​Anfang August 2004, also vor Insol­venz­eröff­nung am 28. Sep­tem­ber 2004. Die Wir­kun­gen des § 117 InsO tre­ten erst mit der Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens ein [13]. Zurück­lie­gen­des Han­deln eines bevoll­mäch­tig­ten Ver­tre­ters des Insol­venz­schuld­ners bleibt unbe­rührt.

Das dekla­ra­to­ri­sche Aner­kennt­nis hat zur Fol­ge, dass sich der Beklag­te heu­te nicht mehr gegen die Haf­tung dem Grun­de nach wen­den kann.

Der Zweck des dekla­ra­to­ri­schen Aner­kennt­nis­ses ist es, Zwei­fel über das Schuld­ver­hält­nis ins­ge­samt oder in ein­zel­nen Bezie­hun­gen dem Streit oder der Unge­wiss­heit zu ent­zie­hen [14]. Damit ver­bun­den ist gera­de im Fall der Regu­lie­rungs­zu­sa­ge des Haft­pflicht­ver­si­che­rers der künf­ti­ge Aus­schluss von Ein­wen­dun­gen nicht nur gegen den Deckungs­schutz, son­dern auch gegen den Grund des Anspruchs. Ansons­ten wür­de der Zweck der Regu­lie­rungs­zu­sa­ge – die Erklä­rung des in der Pra­xis als Haupt­an­sprech­part­ner des Geschä­dig­ten han­deln­den Ver­si­che­rers, sei­nem Ver­si­che­rungs­neh­mer gegen­über deckungs­pflich­tig zu sein und in des­sen Namen den Haft­pflicht­an­spruch anzu­er­ken­nen – ver­fehlt. Schutz­wür­di­ge Inter­es­sen des Ver­si­che­rungs­neh­mers wer­den auch in der Insol­venz dadurch nicht berührt. Denn ihm gegen­über wird der Haft­pflicht­ver­si­che­rer durch sei­ne Regu­lie­rungs­zu­sa­ge eben­so gebun­den. Die Insol­venz ändert dar­an nichts (§ 110 VVG).

Vor­lie­gend sind von der Aner­kennt­nis­wir­kung umfasst das Eigen­tum der Klä­ge­rin an den beschä­dig­ten Licht­wel­len­lei­tern und die pflicht­wid­ri­ge Scha­dens­ver­ur­sa­chung durch die Fa. S. Ers­te­res zu prü­fen lag auch im Rah­men der erfolg­ten Regu­lie­rung offen auf der Hand, so dass die Regu­lie­rung aus Sicht der Klä­ge­rin die Beja­hung die­ser Fra­ge beinhal­te­te. Von letz­te­rem ging die V bei ihrer Zah­lung auf­grund der dies beja­hen­den Aus­füh­run­gen im Gut­ach­ten Prof. Dr. K sogar posi­tiv aus.

Anhalts­punk­te dafür, dass das Aner­kennt­nis unwirk­sam, kon­di­zier­bar oder aus ande­ren Grün­den nicht bin­dend wäre, bestehen nicht.

Das Land­ge­richt hat zu Recht ein Mit­ver­schul­den der Klä­ge­rin an der Ent­ste­hung des Scha­dens (§ 254 BGB) ver­neint. Die Beweis­last trifft inso­weit nach stän­di­ger Recht­spre­chung den Schä­di­ger [15].

Nach den von der Beru­fung inso­weit nicht ange­grif­fe­nen Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen P sind die Kabel auf Pri­vat­grund­stü­cken in einer Tie­fe von 1 m und bei öffent­li­chen Wegen von 0,6 m zu ver­le­gen. Es kann offen blei­ben, ob der Weg, ent­lang des­sen das beschä­dig­te Kabel ver­legt wur­de, in die­sem Sin­ne öffent­lich ist und eine Tie­fe von 0,6 m aus­rei­chend ist, weil nicht erkenn­bar ist, dass er für die Benut­zung durch die Öffent­lich­keit zur Ver­fü­gung steht. Denn es steht auf­grund der vom Land­ge­richt durch­ge­führ­ten Beweis­auf­nah­me nicht ein­mal fest, dass eine Ver­le­ge­tie­fe von 1,0 m nicht ein­ge­hal­ten wor­den wäre. Der Zeu­ge J hat ange­ge­ben, die Kabel lägen 0,8 m bis 1,0 m tief. Der Zeu­ge G hat dies bestä­tigt. Der Zeu­ge E war sich zwar sicher, dass die Kabel weni­ger als 1,0 m tief lagen. Das Land­ge­richt ist dem Zeu­gen E inso­weit aller­dings gera­de nicht gefolgt und hat dies damit begrün­det, dass der Zeu­ge E nicht aus­schlie­ßen konn­te, dass es nach der Ver­le­gung der Kabel zu einer Gelän­de­ver­än­de­rung (Ver­rin­ge­rung der Über­de­ckung der Kabel) gekom­men war.

Die­se Beweis­wür­di­gung ist nicht zu bean­stan­den und für das Beru­fungs­ge­richt bin­dend, § 529 Abs. 1 Nr. 1 ZPO. Die Beru­fung beschränkt sich inso­weit dar­auf, ihre eige­ne Beweis­wür­di­gung an die Stel­le der des Land­ge­richts zu set­zen. Neue Tat­sa­chen bringt sie nicht vor.

Ob eine etwai­ge zu gerin­ge Ver­le­ge­tie­fe für den Scha­den ursäch­lich gewe­sen wäre und wer dafür die Beweis­last zu tra­gen hät­te, kann bei die­ser Sach­la­ge dahin­ste­hen.

Der ersatz­fä­hi­ge Scha­den der Klä­ge­rin wur­de jedoch mit der Zah­lung der V über 12.967,98 EUR bereits voll­stän­dig aus­ge­gli­chen. Den Ersatz der Kos­ten für den Aus­tausch der Licht­wel­len­lei­ter auf der gesam­ten Regel­län­ge kann die Klä­ge­rin unter den Umstän­den des vor­lie­gen­den Fal­les auf der Grund­la­ge der Aus­füh­run­gen des Sach­ver­stän­di­gen P weder aus dem Gesichts­punkt des § 249 BGB noch aus dem Gesichts­punkt des § 251 BGB ver­lan­gen.

§ 249 Abs. 1 BGB ver­pflich­tet den Schä­di­ger vor­ran­gig zur Her­stel­lung des Zustan­des, der bestehen wür­de, wenn der zum Ersatz ver­pflich­ten­de Umstand nicht ein­ge­tre­ten wäre (Natu­ral­re­sti­tu­ti­on). Eine beschä­dig­te Sache ist zu repa­rie­ren oder durch eine gleich­wer­ti­ge Sache zu erset­zen. Dies bedeu­tet nicht, genau den Zustand her­zu­stel­len, wie er ohne die Beschä­di­gung bestehen wür­de, was bei beschä­dig­ten Sachen viel­fach ohne­hin unmög­lich wäre. Es ist bei Berück­sich­ti­gung des von § 249 BGB geschütz­ten Inte­gri­täts­in­ter­es­ses des Geschä­dig­ten daher erfor­der­lich, aber auch aus­rei­chend, wenn durch eine gleich­ar­ti­ge und gleich­wer­ti­ge Sache ein Zustand her­bei­ge­führt wird, der dem scha­dens­frei­en mög­lichst nahe kommt [16]. Dabei ist ein objek­ti­ver Maß­stab anzu­le­gen. Aus der Sicht eines ver­stän­di­gen – also wirt­schaft­lich ver­nünf­tig den­ken­den [17] – Geschä­dig­ten ist zu fra­gen, ob trotz der Unter­schie­de zwi­schen dem zer­stör­ten Gegen­stand und der Ersatz­sa­che das Inte­gri­täts­in­ter­es­se befrie­digt wird. Das Kri­te­ri­um der Gleich­ar­tig­keit erfor­dert einen objek­ti­ven Ver­gleich der Eigen­schaf­ten. Bei der Beur­tei­lung der Gleich­wer­tig­keit ist eine dif­fe­ren­zie­ren­de Betrach­tung erfor­der­lich, die den unter­schied­li­chen Fak­to­ren des Inte­gri­täts­in­ter­es­ses Rech­nung trägt. Beschränkt sich die­ses auf ein mate­ri­el­les Inter­es­se, reicht aber eine wirt­schaft­li­che Gleich­wer­tig­keit aus [18]. Dar­auf zielt auch die vom Land­ge­richt zitier­te Recht­spre­chung ab, wonach der Geschä­dig­te in die glei­che wirt­schaft­li­che Ver­mö­gens­la­ge zu ver­set­zen ist, in der er sich bei Ein­tritt des zum Scha­dens­er­satz ver­pflich­ten­den Umstan­des befand [19].

Eine Geld­ent­schä­di­gung gemäß § 251 BGB kommt dage­gen in Betracht, wenn die Wie­der­her­stel­lung der Sache nicht mög­lich oder zur Ent­schä­di­gung des Gläu­bi­gers nicht genü­gend ist (Abs. 1), oder nur mit unver­hält­nis­mä­ßi­gen Auf­wen­dun­gen mög­lich ist (Abs. 2). Den Maß­stab für die Bemes­sung der Ent­schä­di­gung bil­det das Kom­pen­sa­ti­ons­in­ter­es­se des Geschä­dig­ten, das sich im Unter­schied zu § 249 BGB nicht nach dem zur Wie­der­her­stel­lung erfor­der­li­chen Auf­wand, son­dern nach ihrem Ver­kehrs­wert zum Zeit­punkt des Scha­dens­ein­tritts rich­tet [20]. Zu dem nach § 251 BGB ersatz­fä­hi­gen Scha­den gehört der tech­ni­sche und der mer­kan­ti­le Min­der­wert, der nach Natu­ral­re­sti­tu­ti­on gemäß § 249 BGB gege­be­nen­falls ver­bleibt [21].

Die Höhe die­ses Scha­dens kann gemäß § 287 Abs. 1 ZPO vom Gericht geschätzt wer­den. Vor­aus­set­zung einer Scha­dens­schät­zung müs­sen aber greif­ba­re Tat­sa­chen sein, die der Geschä­dig­te im Regel­fall im Ein­zel­nen dar­le­gen und bewei­sen muss. Eine völ­lig abs­trak­te Berech­nung des Scha­dens, auch in Form der Schät­zung eines Min­dest­scha­dens, lässt § 287 ZPO grund­sätz­lich nicht zu [22].

Vor­lie­gend ist von nach­ste­hen­den Gesichts­punk­ten aus­zu­ge­hen: Der Sach­ver­stän­di­ge P hat einen Aus­tausch der beschä­dig­ten Licht­wel­len­lei­ter auf der gesam­ten Regel­län­ge für not­wen­dig erach­tet. Er befin­det sich bei den die­ser Beur­tei­lung zugrun­de lie­gen­den Anknüp­fungs­fra­gen weit­ge­hend in Über­ein­stim­mung mit den von der Klä­ge­rin vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten sowie auch dem vom Beklag­ten vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten, die in ande­ren Gerichts­ver­fah­ren erstat­tet wur­den. Unter­schie­de zwi­schen den Sach­ver­stän­di­gen bestehen im Wesent­li­chen dar­in, ob und unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen aus tech­ni­scher Sicht die kom­plet­te Regel­län­ge aus­zu­tau­schen ist. Dabei sind auch Beson­der­hei­ten des vor­lie­gen­den Ein­zel­falls zu beach­ten. Im Ein­zel­nen:

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart geht auf der Grund­la­ge der Äuße­run­gen sämt­li­cher Gut­ach­ter davon aus, dass die im Sep­tem­ber ein­ge­füg­ten Repa­ra­tursplei­ße die Signal­über­tra­gungs­qua­li­tät im Licht­wel­len­lei­ter ver­rin­gern (Signal­dämp­fung). Der Sach­ver­stän­di­ge P hat dar­ge­legt, dass als zusätz­li­che Dämp­fung durch die ein­ge­bau­ten Splei­ße ein Wert von 0,1 dB je Spleiß anzu­neh­men sei. Damit müs­se bei der Ver­wen­dung der Stre­cke gerech­net wer­den. Jeder zusätz­li­che Spleiß ent­spre­che einer Ver­min­de­rung der erziel­ba­ren Gesamt­stre­cken­leis­tung von 500 m. Dies sei eine deut­li­che Qua­li­täts­min­de­rung im Ver­gleich mit dem Zustand vor der Beschä­di­gung (GA P, S. 6). Anzu­mer­ken ist dabei aller­dings, dass es sich, so der Sach­ver­stän­di­ge P, bei die­sen 0,1 dB um einen typi­scher­wei­se ange­setz­ten Maxi­mal­wert han­delt. Wie eine Unter­su­chung der Fach­hoch­schu­le T nach Anga­ben des Gut­ach­ters Sch erge­ben hat, kann jedoch von einem Mit­tel­wert von (nur) 0,03 dB aus­ge­gan­gen wer­den. Im vor­lie­gen­den Fall wur­de, wie die Klä­ge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung ein­ge­räumt hat, die Dämp­fung wäh­rend des Spleiß­vor­gangs nicht gemes­sen, obwohl dies nach den Äuße­run­gen des Gut­ach­ters Sch üblich ist.

Wei­ter wird davon aus­ge­gan­gen, dass ein Netz­be­trei­ber eine Dämp­fungs­re­ser­ve vor­hält, die auch zum Auf­fan­gen einer scha­dens- oder repa­ra­tur­be­ding­ten Dämp­fung dient, auf die aber die Klä­ge­rin als blo­ße Eigen­tü­me­rin und Ver­mie­te­rin von Licht­wel­len­lei­tern kei­nen Ein­fluss hat und deren „Ver­brauch“ nicht in Bezug auf einen ein­zel­nen Stre­cken­ab­schnitt, wie eine Regel­län­ge, bemes­sen wer­den kann.

Eine Sys­tem­re­ser­ve („Dämp­fungs­re­ser­ve“) wer­de, so der Sach­ver­stän­di­ge P, zwar bei der Pla­nung übli­cher­wei­se vor­ge­se­hen. Im Ver­hand­lungs­ter­min vom 21. Febru­ar 2011 hat der Sach­ver­stän­di­ge aber klar­ge­stellt, dass die Dämp­fungs­re­ser­ve für die kom­plet­te Stre­cke zwi­schen Sen­der und Emp­fän­ger, die sich aus ver­schie­de­nen Teil­stre­cken zusam­men­set­zen kön­ne, berech­net wer­de, wobei es sein kön­ne, dass Tei­le einer sol­chen Stre­cke durch Abzwei­gun­gen ver­schie­den genutzt wür­den. Er hat dabei ergänzt, dass ein Ver­mie­ter kei­nen Ein­fluss auf die Sys­tem­re­ser­ve habe. Die­se sei vor allem davon abhän­gig, wel­cher Sen­der und wel­cher Emp­fän­ger usw. ver­wen­det wer­de. Des­we­gen kön­ne man die­se Reser­ve nicht direkt auf die Regel­län­gen bezie­hen. In die­sel­be Rich­tung gehen die Aus­füh­run­gen von Dr. E, dass die Netz­be­trei­ber die Para­me­ter ihrer Sys­te­me und die Sys­tem­re­ser­ve dimen­sio­nier­ten. Dr. E führt dabei aus­drück­lich aus, dass im Fal­le einer Ver­mie­tung Beson­der­hei­ten zu berück­sich­ti­gen sei­en; der vom Ver­mie­ter sei­nen Kun­den zuge­si­cher­te Dämp­fungs­grenz­wert müs­se ein­ge­hal­ten wer­den.

Die durch­ge­führ­te Repa­ra­tur und bereits der Scha­dens­fall direkt haben außer­dem zu einer Erhö­hung des Aus­fall­ri­si­kos des Licht­wel­len­lei­ters geführt.

Der Sach­ver­stän­di­ge P hat dar­ge­legt: Höher als die Qua­li­täts­min­de­rung durch die erhöh­te Dämp­fung sei das erhöh­te Aus­fall­ri­si­ko der Stre­cke zu bewer­ten. Die bei­den zusätz­lich ein­ge­brach­ten Splei­ße und die dabei ein­ge­setz­ten Muf­fen bräch­ten eine zusätz­li­che Feh­ler­quel­le im lau­fen­den Betrieb und damit eine Erhö­hung des Aus­fall­ri­si­kos. Vor allem sei zu berück­sich­ti­gen, dass dann, wenn das Licht­wel­len­lei­ter­ka­bel der­art belas­tet wer­de, dass es abrei­ße, erheb­li­che Zieh­kräf­te auf das Kabel ein­ge­wirkt haben müss­ten. Wie weit die­se Kräf­te in das Kabel hin­ein wirk­ten, las­se sich nicht gesi­chert bestim­men, dies sei vom Aus­maß der Lage­ver­än­de­rung des Kabels abhän­gig. Die Zug­kraft kön­ne zu einer Schä­di­gung der Fasern füh­ren, die sich, unter Umstän­den zum eigent­li­chen Scha­dens­er­eig­nis sehr stark zeit­ver­setzt, durch zusätz­li­che Dämp­fung bis hin zum kom­plet­ten Faser­bruch aus­wir­ken könn­ten.

Die­ses Risi­ko sei nicht kal­ku­lier­bar. Die Berech­nung des sta­tis­ti­schen Feh­ler­ri­si­kos, wie sie in den vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten der Sach­ver­stän­di­gen Sch und Dr. E ange­stellt wer­de, sei theo­re­tisch und wohl auf instal­lier­te Net­ze anwend­bar, bei denen man zunächst davon aus­ge­hen kön­ne, dass sie bei Inbe­trieb­nah­me feh­ler­frei gewe­sen sei­en. Vor­lie­gend las­se sich eine Vor­schä­di­gung durch Mikro­ris­se nicht ein­schät­zen. In die­sel­be Rich­tung gehen die Aus­füh­run­gen des Gut­ach­ters K, dass auf­grund der Kom­ple­xi­tät der Licht­wel­len­lei­ter­an­la­ge und der Daten­über­tra­gung eine tech­nisch begrün­de­te, auf all­ge­mein aner­kann­ten Zusam­men­hän­gen basie­ren­de Berech­nung eines Min­der­wer­tes nicht mög­lich sei. Die vol­le Qua­li­tät der Stre­cke kön­ne nur durch den Aus­tausch der kom­plet­ten Kabel­län­ge in den ursprüng­li­chen Zustand gebracht wer­den.

Neben die­sen Aus­wir­kun­gen einer Beschä­di­gung von Licht­wel­len­lei­tern im All­ge­mei­nen besteht im vor­lie­gen­den Fall die Beson­der­heit, dass nach dem Vor­trag der Klä­ge­rin die beschä­dig­ten Kabel seit der vor nun­mehr ca. neun Jah­ren durch­ge­führ­ten, von der Klä­ge­rin so bezeich­ne­ten, Not­re­pa­ra­tur genutzt wer­den. Anhalts­punk­te für eine kon­kre­te Beein­träch­ti­gung der Licht­wel­len­lei­ter in tech­ni­scher Hin­sicht oder in Bezug auf ihre Ver­mark­tung (Ver­mie­tung, Höhe des Miet­zin­ses etc.) in die­sem lan­gen Zeit­raum hat die Klä­ge­rin trotz ein­ge­hen­der Ein­wen­dun­gen des Beklag­ten bereits in ers­ter Instanz nicht vor­ge­tra­gen; sie sind auch sonst nicht ersicht­lich. In der Beru­fungs­ver­hand­lung hat die Klä­ge­rin dazu ein­ge­räumt, dass beim Ein­bau des Ersatz­stücks kei­ne Mes­sun­gen über eine Dämp­fungs­er­hö­hung vor­ge­nom­men wor­den sei­en. Auch wenn zu ihren Guns­ten unter­stellt wird, dass sol­che Mes­sun­gen unter den kon­kre­ten Umstän­den vor Ort nicht mög­lich gewe­sen sein mögen, ist nicht nach­voll­zieh­bar, wes­halb dies spä­ter nicht hät­te nach­ge­holt wer­den kön­nen. Dass dies nicht erfolgt ist, spricht deut­lich dafür, dass die Klä­ge­rin die Not­wen­dig­keit einer Mes­sung nicht gese­hen und die Gefahr einer ver­rin­ger­ten Leis­tungs­fä­hig­keit der Licht­wel­len­lei­ter nicht als erheb­lich bewer­tet hat.

Schließ­lich kann nach der von der Beru­fung inso­weit nicht ange­grif­fe­nen Beweis­auf­nah­me des Land­ge­richts davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass die Licht­wel­len­lei­ter durch den Bag­ger gedehnt wur­den. In wel­chem Umfang die Deh­nung bis zum Zer­rei­ßen der Kabel erfolgt ist, blieb aller­dings offen.

Trotz die­ser ver­blie­be­nen Beein­träch­ti­gun­gen und Risi­ken kann von einem ersatz­fä­hi­gen Scha­den nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Von einem aus tech­ni­scher Sicht zu wün­schen­den Aus­tausch der Licht­wel­len­lei­ter auf der Regel­län­ge, wie vom Sach­ver­stän­di­gen P aus all­ge­mei­nen Grün­den der Risi­ko­vor­sor­ge her­aus befür­wor­tet, muss die allein vom Gericht zu beant­wor­ten­de Rechts­fra­ge unter­schie­den wer­den, ob im kon­kre­ten Fall ein mess­ba­rer Scha­den im Rechts­sin­ne nach­weis­bar ist, für den die Klä­ge­rin Ersatz ver­lan­gen kann.

Das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart stimmt dem Land­ge­richt dar­in zu, dass der Aus­tausch auf der gesam­ten Regel­län­ge nicht erfor­der­lich im Sin­ne von § 249 BGB ist.

In Über­ein­stim­mung mit dem von der Klä­ger­sei­te her­an­ge­zo­ge­nen Urteil des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock vom 21. Janu­ar 2011 [23], der vom Beru­fungs­klä­ger genann­ten Ent­schei­dung des Land­ge­richts Tübin­gen vom 23. Dezem­ber 2008 [24] und dem dazu ergan­ge­nen Hin­weis­be­schluss gem. § 522 Abs. 1 ZPO des Ober­lan­des­ge­richts Stutt­gart vom 7. Sep­tem­ber 2009 [25] geht das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart davon aus, dass ein wirt­schaft­lich ver­nünf­tig den­ken­der Geschä­dig­ter anstel­le der Klä­ge­rin sich unter den Umstän­den des vor­lie­gen­den Falls mit der erfolg­ten Repa­ra­tur begnügt. Von einem erhöh­ten Inte­gri­täts­in­ter­es­se der Klä­ge­rin ist, da es sich bei dem Licht­wel­len­lei­tern um ein rei­nes Wirt­schafts­gut han­delt, nicht aus­zu­ge­hen. Es darf auch ange­nom­men wer­den, dass die Klä­ge­rin den Aus­tausch der Lei­tun­gen auf der Regel­län­ge nicht gescheut hät­te, wenn er ihr aus tech­ni­schen oder wirt­schaft­li­chen Grün­den not­wen­dig erschie­nen wäre. Dass dies in den letz­ten neun Jah­ren nicht erfolgt ist, spricht auch bei Berück­sich­ti­gung der Dis­po­si­ti­ons­frei­heit eines Geschä­dig­ten deut­lich gegen die Erfor­der­lich­keit eines Aus­tau­sches der Regel­län­ge im Sin­ne von § 249 BGB. Die repa­rier­ten Licht­wel­len­lei­ter sind nicht fühl­bar weni­ger leis­tungs­fä­hig als vor dem Scha­dens­fall; die wirt­schaft­li­che Posi­ti­on der Klä­ge­rin ist nicht beein­träch­tigt. Die Repa­ra­tur 2003 hat zur Her­stel­lung gleich­ar­ti­ger und gleich­wer­ti­ger Licht­wel­len­lei­ter im Sin­ne von § 249 BGB geführt.

Ein Aus­gleich für einen teil­wei­sen Ver­brauch der Dämp­fungs­re­ser­ve, wie ihn das Land­ge­richt Tübin­gen im Urteil vom 23. Dezem­ber 2008 [24] unter dem Gesichts­punkt der Erstat­tung von Vor­hal­te­kos­ten zuge­spro­chen hat, kommt nicht in Betracht. Die Klä­ge­rin bean­sprucht die Vor­hal­tung einer Dämp­fungs­re­ser­ve selbst nicht. Im Übri­gen ist eine Schät­zung, in wel­chem Umfang eine sol­che Reser­ve ggf. ver­braucht wur­de, nicht mög­lich. Man­gels Anga­ben zum tat­säch­li­chen Umfang einer sol­che Reser­ve durch die Betrei­ber der Lei­tun­gen lie­gen kei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­gen Anknüp­fungs­punk­te dazu vor. Da die Dämp­fungs­re­ser­ve nicht iso­liert auf eine Regel­län­ge bezo­gen ist, kann auch ihr Ver­brauch nicht dar­an anknüp­fend aus­ge­drückt wer­den.

Auch ein trotz der Repa­ra­tur bestehen­der Scha­den im Sin­ne eines tech­ni­schen Min­der­werts gemäß § 251 BGB besteht nicht.

Die Beru­fung rügt mit Recht, dass die Aus­füh­run­gen des Land­ge­richts, ein Aus­tausch der Kabel auf der gesam­ten Regel­län­ge sei nicht erfor­der­lich (§ 249 BGB), es sei aber ein tech­ni­scher Min­der­wert vor­han­den, der auf die Höhe der vol­len Aus­tausch­kos­ten zu bemes­sen sei (§ 251 BGB), wider­sprüch­lich erschei­nen. Die Schät­zung des tech­ni­schen Min­der­werts auf die unver­min­der­ten Aus­tausch­kos­ten impli­ziert, dass die Licht­wel­len­lei­ter der­zeit unbe­nutz­bar sind. Dies ist unstrei­tig nicht der Fall.

Aber auch die oben ange­ge­be­nen Vor­aus­set­zun­gen für eine Schät­zung eines tech­ni­schen Min­der­werts gemäß § 287 ZPO auf einen gerin­ge­ren Betrag lie­gen nicht vor.

Ein tech­ni­scher Min­der­wert infol­ge erhöh­ter Dämp­fung (sei es infol­ge von scha­dens­be­ding­ten Mikro­ris­sen im nicht aus­ge­tausch­ten Kabel, sei es durch den Ein­bau der Repa­ra­tursplei­ße), ver­min­der­ter Zuver­läs­sig­keit oder ver­rin­ger­ter Lebens­dau­er des repa­rier­ten Kabels mag zwar grund­sätz­lich in Betracht kom­men. Aller­dings feh­len auch inso­weit aus­rei­chen­de Anknüp­fungs­tat­sa­chen, um von einem siche­ren Scha­den aus­ge­hen und eine Scha­dens­hö­he bestim­men zu kön­nen.

Der Sach­ver­stän­di­ge P geht von Pla­nungs­an­nah­men aus. Dies ist kei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für eine Scha­dens­schät­zung, weil unter den Umstän­den des vor­lie­gen­den Falls – ins­be­son­de­re dem über neun Jah­re unbe­an­stan­de­ten Betrieb der Licht­wel­len­lei­ter – nicht erkenn­bar ist, dass die rech­ne­ri­schen Fak­to­ren sich kon­kret rea­li­siert hät­ten. Das bestehen­de Risi­ko ent­zieht sich eben­falls einer recht­li­chen Bewer­tung. Die Klä­ge­rin, die nach ihrem Vor­trag die Fasern ver­schie­de­nen Mie­tern zum Betrieb über­lässt, trägt zwar vor, dass sie mit die­sen im Sin­ne einer Beschaf­fen­heits­ver­ein­ba­rung eine Dämp­fung von bis zu 30 dB fest­ge­legt habe. Ob die­ser Wert auch für die beschä­dig­ten Fasern gilt, ist aber eben­so offen wie die nähe­ren Umstän­de, die zu der Ver­ein­ba­rung geführt haben (Län­ge der Stre­cke, Anzahl der kon­struk­ti­ons­be­ding­ten Muf­fen etc.). Wenn außer­dem die Fasern für ver­schie­de­ne Teil­stre­cken genutzt wer­den und die Dämp­fung auf das Gesamt­sys­tem bezo­gen ist, führt ein Ver­gleich der Erhö­hung der rech­ne­ri­schen Dämp­fung durch die Repa­ra­tursplei­ße zur Regel­län­ge der Licht­wel­len­lei­ter nicht wei­ter. Wird der Licht­wel­len­lei­ter für eine Signal­über­tra­gung über meh­re­re hun­dert Kilo­me­ter genutzt (die geschä­dig­ten Kabel sind nach Klä­ger­vor­trag ein Teil der Stre­cke F/​D), ist eine Erhö­hung der Dämp­fung durch zwei zusätz­li­che Splei­ße zu ver­nach­läs­si­gen. Hin­zu kommt, dass die Kon­struk­ti­ons­län­gen der Licht­wel­len­lei­ter zwi­schen zwei Splei­ßen etwa in Stadt­be­rei­chen – mit oft nur 200 m bis 300 m – wesent­lich gerin­ger als die vor­lie­gen­de Regel­län­ge sind, wie die Klä­ge­rin in der Beru­fungs­ver­hand­lung bestä­tigt hat. Für dämp­fungs­er­hö­hen­de Mikro­ris­se gilt Ent­spre­chen­des. Inso­weit hat die Beweis­auf­nah­me kei­ner­lei Anhalt dafür gelie­fert, wie weit die Kabel durch den Bag­ger gedehnt wur­den. Wäre hier ein erheb­li­cher Scha­den, wäre nach den Anga­ben des Sach­ver­stän­di­gen P zu erwar­ten, dass er sich inzwi­schen kon­kre­ti­siert hät­te.

Den Über­le­gun­gen des Ober­lan­des­ge­richts Ros­tock im Urteil vom 21. Janu­ar 2011 [23] zur Bemes­sung eines tech­ni­schen Min­der­werts kann sich das Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart unter die­sen Umstän­den eben­so wenig anschlie­ßen wie denen des Land­ge­richts Lübeck im Urteil vom 7. Juni 2011 [26] und denen des Land­ge­richts Essen im Urteil vom 5. März 2012 [27].

Einen mer­kan­ti­len Min­der­wert macht die Klä­ge­rin nicht gel­tend.

Ober­lan­des­ge­richt Stutt­gart, Urteil vom 1. Okto­ber 2012 – 5 U 180/​11

  1. LG Stutt­gart, Urteil vom 22.12.2011 – Az. 27 O 501/​09[]
  2. BGHZ 125, 56; OLG Nürn­berg NJW-RR 1997, 19; OLG Thü­rin­gen OLG-NL 2005, 83[]
  3. TKG 1996; BGBl. I 1120[]
  4. vgl. etwa Palandt/​Ellenberger, BGB, 71. Auf­la­ge, § 95 Randz. 6; MüKo, BGB, Stre­se­mann, 6. Auf­la­ge, § 95 Randz. 25, 29; Staudinger/​Jickeli/​Stieber, § 95 BGB, 2011, Randz. 20; Schütz, in: Beck’scher TKG-Kom­men­tar a.a.O., Randz. 9; Henn, in: Hand­buch Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­recht, 2. Auf­la­ge, Randz. 267; Münch, VIZ 2004, 207, 208 f.[]
  5. BGBl. I, 1190[]
  6. BGHZ 149, 213[]
  7. so BGH a.a.O[]
  8. BGH, NJW-RR 2004, 231[]
  9. OLG Thü­rin­gen, NL 2005, 83[]
  10. OLG Sach­sen-Anhalt, Urteil vom 08.12.1998 – 11 U 187/​98, zitiert von Münch, VIZ 2004, 207, 210[]
  11. BGH NJW 2008, 3425; BGH NJW 2009, 91[]
  12. BGH NJW-RR 2009, 382 = VersR 2009[]
  13. MüKo[InsO]/Ott-Vuia, 3. Auf­la­ge, § 117 Randz. 12[]
  14. vgl. BGH NJW 1999, 2898; BGH NJW 2008, 3425, 3426[]
  15. vgl. BGH NJW 2007, 1063, 1064, Randz. 14; jüngst eine ande­re Lite­ra­tur­mei­nung aus­drück­lich ableh­nend BGH VersR 2012, 865[]
  16. BGHZ 92, 85, 89; BGH NJW-RR 2003, 1042, 1043[]
  17. vgl. z.B. BGHZ 125, 56[]
  18. MüKo[BGB]-Oetker, 6. Auf­la­ge, § 249 Randz. 328 – 330[]
  19. BGH NJW-RR 1986, 874[]
  20. vgl. BGHZ 92, 85, 90; BGHZ 153, 279; Palandt/​Grüneberg, a.a.O., § 251 Randz. 10[]
  21. vgl. BGH NJW-RR 2002, 736; Palandt/​Grüneberg, a.a.O., § 251 Randz. 4; MüKo[BGB]/Oetker, 6. Auf­la­ge, § 251 Randz. 13[]
  22. BGH NJW 2012, 2267; BGH VersR 2004, 874[]
  23. OLG Ros­tock, Urteil vom 21.01.2011 – 5 U 240/​09; IBR 2011, 275[][]
  24. LG Tübin­gen, vom 23.12.2008 – 4 O 101/​08; IBR 2010, 456[][]
  25. OLG Stutt­gart, Beschluss vom 07.09.2009 – 4 U 14/​09; IBR 2011, 274[]
  26. LG Lübeck, Urteil vom 07.06.2011 – 9 O 132/​08[]
  27. LG Essen, Urteil vom 05.03.2012 – 19 O 202/​09[]