See­lot­se mit 1,5‰

Alko­ho­li­sie­rung im Dienst kann einem See­lot­sen dau­er­haft den Beruf kos­ten.

See­lot­se mit 1,5‰

So hat jetzt das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg die Kla­ge eines See­lot­sen gegen den Wider­ruf sei­ner Bestal­lung abge­wie­sen. Dem lag fol­gen­der Sach­ver­halt zugrun­de: Der Klä­ger führ­te als bera­ten­der See­lot­se im Juni 2009 im Ems­re­vier eine Lots­ung durch. Er gab feh­ler­haf­te Anwei­sun­gen, die dazu führ­ten, dass das Motor­schiff „Belu­ga Majes­ty" auf Grund lief. Blut­pro­ben vom frü­hen Nach­mit­tag des Unfall­ta­ges erga­ben eine Alko­hol­kon­zen­tra­ti­on von 1,61 ‰ bzw. 1,5 ‰. Dar­auf­hin unter­sag­te die Was­ser- und Schiff­fahrts­di­rek­ti­on Nord­west dem See­lot­sen im Juni 2009 vor­läu­fig die Berufs­aus­übung. Das See­amt Emden ent­zog ihm auf­grund einer münd­li­chen Ver­hand­lung am 6. Juli 2010 sein Kapi­tän­spa­tent und das Amts­ge­richt Emden ver­ur­teil­te ihn wegen einer fahr­läs­si­gen Gefähr­dung des Schiffs­ver­kehrs zu einer Geld­stra­fe von 50 Tages­sät­zen.

Die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, ver­tre­ten durch die Was­ser- und Schiff­fahrts­di­rek­ti­on Nord­west, wider­rief wegen die­ses Vor­falls im Sep­tem­ber 2010 die Bestal­lung des See­lot­sen. Zur Begrün­dung ver­wies sie dar­auf, dass der Klä­ger die Lots­ung des Schif­fes unter erheb­li­chem Alko­hol­ein­fluss durch­ge­führt und hier­durch gröb­lich sei­ne Pflich­ten ver­letzt habe. Die Umstän­de recht­fer­tig­ten die Annah­me, dass er künf­tig nicht geeig­net sei, sei­nen Beruf ord­nungs­ge­mäß aus­zu­üben.

Die hier­ge­gen im Janu­ar 2011 erho­be­ne Kla­ge hat das Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg abge­wie­sen. Es folg­te im Wesent­li­chen den Ein­schät­zun­gen der Was­ser- und Schiff­fahrts­di­rek­ti­on Nord­west und der aus­führ­li­chen und gründ­li­chen Auf­ar­bei­tung des See­un­falls vom 5. Juni 2009 durch den Spruch des See­amts Emden. Zu Las­ten des Klä­gers berück­sich­tig­te es dabei, dass er von der Mög­lich­keit, sein Kapi­tän­spa­tent durch ein posi­ti­ves medi­zi­nisch-psy­cho­lo­gi­sches Gut­ach­ten wie­der­zu­er­lan­gen, bis­lang kei­nen Gebrauch gemacht habe.

Ver­wal­tungs­ge­richt Olden­burg, Urteil vom 25. Novem­ber 2011 – 7 A 241/​11