Soda-Bespru­de­lungs­ge­rä­te

Der Kar­tell­se­nat des Bun­des­ge­richts­hofs hat in einem jetzt ver­kün­de­ten Beschluss den Miss­brauchs­vor­wurf im Wesent­li­chen bestä­tigt, den das Bun­des­kar­tell­amt gegen den Anbie­ter von Soda-Club-Bespru­de­lungs­ge­rä­ten erho­ben hat­te, und damit die Nach­fül­lung der Koh­le­säu­re-Kar­tu­schen durch Dritt­an­bie­ter frei­ge­ge­ben.

Soda-Bespru­de­lungs­ge­rä­te

Die Unter­neh­mens­grup­pe Soda-Club pro­du­ziert und ver­treibt Bespru­de­lungs­ge­rä­te. Mit die­sen Gerä­ten kann der End­ver­brau­cher Spru­del­was­ser selbst her­stel­len, indem er Lei­tungs­was­ser mit Koh­len­säu­re ver­setzt. Soda-Club unter­hält ein bun­des­wei­tes Ver­triebs­händ­ler­netz mit Annah­me­stel­len, bei denen der Kun­de lee­re Koh­len­säu­re­zy­lin­der gegen gefüll­te umtau­schen kann. Die Alu­mi­ni­um-Zylin­der über­lässt Soda-Club nur miet­wei­se (vgl. zur Aus­ge­stal­tung des Miet­zy­lin­der­sys­tems: Pres­se­vor­schau Nr. 199/​2007). Eine Befül­lung durch Dritt­un­ter­neh­men ver­folgt Soda-Club gegen­über dem betref­fen­den End­ver­brau­cher, Händ­ler und Abfüll­un­ter­neh­men als Eigen­tums­ver­let­zung.

Das Bun­des­kar­tell­amt hat­te in dem Ver­hal­ten von Soda-Club den Miss­brauch einer beherr­schen­den Stel­lung auf dem Markt der Befül­lung von Koh­len­säu­re­zy­lin­dern gese­hen. Dem­entspre­chend hat­te es Soda-Club unter­sagt, Dritt­un­ter­neh­men an der Ent­ge­gen­nah­me, Befül­lung oder Wei­ter­ga­be ihrer “Miet­zy­lin­der” zu hin­dern. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Beschwer­de von Soda-Club im Wesent­li­chen zurück­ge­wie­sen.

Dage­gen hat sich Soda-Club mit der Rechts­be­schwer­de gewandt. Soda-Club hat gegen ihre Normadres­sa­ten­ei­gen­schaft nach Art. 82 EG, § 19 Abs. 1 GWB vor­ge­bracht, dass nicht allein auf die Markt­ver­hält­nis­se auf dem Befüll­markt abzu­stel­len sei, son­dern auch trink­fer­ti­ges Mine­ral­was­ser zum sach­lich rele­van­ten Markt gehö­re. Der Bun­des­ge­richts­hof ist die­ser Argu­men­ta­ti­on nicht gefolgt. Er ist wie das Ober­lan­des­ge­richt davon aus­ge­gan­gen, dass Soda-Club über eine beherr­schen­de Stel­lung auf dem Markt für die Befül­lung von Koh­len­säu­re­zy­lin­dern zur Ver­wen­dung in Bespru­de­lungs­ge­rä­ten ver­fü­ge.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in dem Kauf von trink­fer­ti­gem Mine­ral­was­ser und in der Eigen­her­stel­lung von Mine­ral­was­ser zwei unter­schied­li­che Sys­te­me zur Deckung des­sel­ben Bedarfs gese­hen. Der Koh­len­säu­re­zy­lin­der sei ein Betriebs­mit­tel für das Sys­tem der Eigen­her­stel­lung. Wer­de durch die Wahl eines auf län­ger­fris­ti­ge Benut­zung ange­leg­ten Sys­tems ein spe­zi­fi­scher Bedarf nach einem Betriebs­mit­tel geweckt, kom­me es dar­auf an, wel­che Alter­na­ti­ven sich für den Nach­fra­ger, der sich bereits für ein Sys­tem ent­schie­den habe, bei der Wahl des Betriebs­mit­tels stell­ten. In den Haus­hal­ten, die über ein Bespru­de­lungs­ge­rät ver­füg­ten, bestehe ein spe­zi­fi­scher Bedarf an der in Rede ste­hen­den Befüll­dienst­leis­tung.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat in dem Ver­hal­ten von Soda-Club in Über­ein­stim­mung mit dem Bun­des­kar­tell­amt und dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf eine kar­tell­rechts­wid­ri­ge Behin­de­rung der Wett­be­wer­ber gese­hen. Das bean­stan­de­te Sys­tem füh­re dazu, dass der Markt mit Koh­len­säu­re­zy­lin­dern von Soda-Club im Lau­fe der Zeit ver­stopft wer­de. Auf der einen Sei­te wür­den die Wett­be­wer­ber davon abge­hal­ten, Soda-Club-Zylin­der gegen eige­ne Zylin­der zu tau­schen; auf der ande­ren Sei­te tausch­ten aber die Ver­triebs­händ­ler von Soda-Club auch die Koh­len­säu­re­zy­lin­der der Kon­kur­renz gegen eige­ne Zylin­der. Die Eigen­tums­ga­ran­tie ste­he dem kar­tell­recht­li­chen Ver­bot des Vor­ge­hens gegen Fremd­be­fül­lun­gen nicht ent­ge­gen.

Soda-Club muss nun die Befül­lung oder den Tausch der eige­nen Zylin­der durch Wett­be­wer­ber zulas­sen und auf die­se Möglichkeit auf dem Eti­kett der eige­nen Zylin­der hin­wei­sen.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 4. März 2008 – KVR 21/​07 – Soda-Club II