Stil­le Ein­la­gen in die Lan­des­bank

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on hat heu­te zwei Ent­schei­dun­gen der Euro­päi­schen Kom­mis­si­on zur Über­tra­gung zwei­er Son­der­ver­mö­gen auf die Lan­des­bank Hes­sen-Thü­rin­gen bestä­tigt. Das der Lan­des­bank Hes­sen-Thü­rin­gen über­las­se­ne Kapi­tal, das der Unter­le­gung ihres Wett­be­werbs­ge­schäfts dient, ist nach Ein­schät­zung des Gerichts der Euro­päi­schen Uni­on kei­ne staat­li­che Bei­hil­fe.

Stil­le Ein­la­gen in die Lan­des­bank

Die Lan­des­bank Hes­sen-Thü­rin­gen Giro­zen­tra­le (Hela­ba) ist eine der größ­ten Ban­ken Deutsch­lands: Sie fun­giert als Haus­bank der Län­der Hes­sen und Thü­rin­gen sowie als Zen­tral­in­sti­tut der hes­si­schen und thü­rin­gi­schen Spar­kas­sen. Sie ist außer­dem sowohl auf dem natio­na­len Markt als auch auf inter­na­tio­na­len Märk­ten als Geschäfts­bank tätig.

Der ers­te jetzt vom Euro­päi­schen Gericht beur­teil­ten Fall betraf das hes­si­sche Son­der­ver­mö­gen "Woh­nungs­we­sen und Zukunfts­in­ves­ti­ti­on". Das Land Hes­sen hat­te ein Son­der­ver­mö­gen „Woh­nungs­we­sen und Zukunfts­in­ves­ti­ti­on“ geschaf­fen, das die For­de­run­gen des Lan­des aus den zwi­schen 1948 und 1998 gewähr­ten zins­güns­ti­gen Kre­di­ten zur För­de­rung des sozia­len Woh­nungs­baus umfasst. Die­ses Son­der­ver­mö­gen wur­de 1998 als unbe­fris­te­te stil­le Ver­mö­gens­ein­la­ge in das Kapi­tal der Hela­ba ein­ge­bracht. Als Gegen­leis­tung für die­se Ein­la­ge zahlt die Hela­ba dem Land eine Fest­ver­gü­tung, die in den ers­ten vier Jah­ren nach der Trans­ak­ti­on nicht auf den vol­len Wert des über­tra­ge­nen Ver­mö­gens, son­dern auf in jähr­li­chen Schrit­ten anstei­gen­de Tran­chen ent­rich­tet wur­de.

Der Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken e. V. teil­te der Kom­mis­si­on mit, dass die­se Ein­la­ge sei­ner Mei­nung nach eine staat­li­che Bei­hil­fe dar­stel­le. Die Kom­mis­si­on ver­trat die Auf­fas­sung, wäh­rend eini­ge Tei­le der Ein­la­ge tat­säch­lich eine staat­li­che Bei­hil­fe sei­en, kön­ne das der Hela­ba zur Unter­le­gung ihres Wett­be­werbs­ge­schäfts über­las­se­ne Kapi­tal nicht als sol­che ein­ge­ord­net wer­den. Dem­ge­gen­über war der Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken der Ansicht, dass die Ein­la­ge in vol­lem Umfang als staat­li­che Bei­hil­fe hät­te ein­ge­ord­net wer­den müs­sen, und hat des­we­gen die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on vor dem Gericht ange­foch­ten.

Mit sei­nem heu­ti­gen Urteil stellt das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on zunächst fest, dass die strei­ti­ge Ein­la­ge weder der Siche­rung des wirt­schaft­li­chen Über­le­bens der Hela­ba noch der Auf­recht­erhal­tung ihres Geschäfts­vo­lu­mens dien­te, da die Hela­ba zur Zeit der frag­li­chen Trans­ak­ti­on eine aus­rei­chend hohe Eigen­ka­pi­tal­quo­te hat­te. Das Gericht weist hier­zu dar­auf hin, dass die Bank nicht um jeden Preis eine öffent­li­che Ein­la­ge benö­tig­te, son­dern im Gegen­teil ihr Kern­ka­pi­tal auch dadurch hät­te erhö­hen kön­nen, dass sie sich an pri­va­te Kapi­tal­ge­ber gewandt hät­te. Das auf die Ver­gü­tung ange­wand­te Stu­fen­mo­dell, so das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, hat es ermög­licht, die begrenz­te Fähig­keit der Hela­ba, eine wesent­li­che Erhö­hung ihres Kapi­tals kurz­fris­tig zu bewäl­ti­gen, mit dem Anlie­gen des Lan­des zu ver­ein­ba­ren, ein illi­qui­des Ver­mö­gen zu inves­tie­ren, das es nicht tei­len woll­te.

Sodann stellt das Gericht fest, dass die strei­ti­ge Ein­la­ge zwar ein beson­de­res Instru­ment ist, das weder mit nor­ma­len stil­len Ein­la­gen noch mit Stamm­ka­pi­tal genau über­ein­stimmt, dass der Kom­mis­si­on jedoch kein offen­sicht­li­cher Beur­tei­lungs­feh­ler unter­lau­fen ist, als sie befand, dass die Ein­la­ge auf­grund eini­ger gemein­sa­mer Merk­ma­le den­noch mit stil­len Ein­la­gen ver­gleich­bar sei. Das Gericht weist dar­auf hin, dass den Beson­der­hei­ten der frag­li­chen Ein­la­ge, die sie von nor­ma­len stil­len Ein­la­gen unter­schei­den, durch gebo­te­ne Ver­gü­tungs­auf­schlä­ge gebüh­rend Rech­nung getra­gen wur­de.

Das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on stellt fer­ner fest, dass die Höhe der dem Land geschul­de­ten Ver­gü­tung unter Berück­sich­ti­gung der Gege­ben­hei­ten des Mark­tes und der beson­de­ren Merk­ma­le der Trans­ak­ti­on im Ver­gleich zu am Markt plat­zier­ten stil­len Ein­la­gen fest­ge­setzt wur­de. Daher erfor­der­ten zusätz­li­che Risi­ken wie das Volu­men der Trans­ak­ti­on oder die Tat­sa­che, dass es nur einen ein­zi­gen Kapi­tal­ge­ber gab, nicht not­wen­di­ger­wei­se einen Ver­gü­tungs­auf­schlag, da das Land die­se Risi­ken aus ihm eige­nen Grün­den akzep­tiert hat, unbe­ein­flusst von den Wün­schen und Bedürf­nis­sen der Bank.

Auch der Ver­gü­tungs­ab­schlag, der der Hela­ba wegen der von ihr gezahl­ten Gewer­be­steu­er gewährt wur­de, kann nach Auf­fas­sung des Gerichts nicht als rechts­wid­rig ange­se­hen wer­den, denn tat­säch­lich muss­te die Bank die Gewer­be­steu­er anstel­le des Lan­des ent­rich­ten. Auch sind der Hela­ba auf­grund der feh­len­den Liqui­di­tät der strei­ti­gen Ein­la­ge zusätz­li­che Kos­ten für die Auf­nah­me liqui­der Mit­tel in Höhe der Inves­ti­ti­on am Markt ent­stan­den, was einen Ver­gü­tungs­ab­schlag zur Berück­sich­ti­gung die­ser zusätz­li­chen finan­zi­el­len Belas­tung recht­fer­tigt.

Unter die­sen Umstän­den gelangt das Gericht, indem es die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on bestä­tigt, zu dem Ergeb­nis, dass das der Hela­ba zur Unter­le­gung ihres Wett­be­werbs­ge­schäfts über­las­se­ne Kapi­tal kei­ne staat­li­che Bei­hil­fe dar­stellt. Das Gericht weist daher die Kla­ge in vol­lem Umfang ab.

Der zwei­te jetzt vom Gericht der Euro­päi­schen Uni­on beur­teil­ten Fall betraf den Hes­si­schen Inves­ti­ti­ons­fonds. Der Hes­si­sche Inves­ti­ti­ons­fonds wur­de als Son­der­ver­mö­gen des Lan­des Hes­sen geschaf­fen, um zins­freie oder zins­ver­bil­lig­te Dar­le­hen für loka­le Inves­ti­ti­ons­vor­ha­ben zu gewäh­ren. Das Land Hes­sen woll­te die­ses Ver­mö­gen in Form einer unbe­fris­te­ten stil­len Ein­la­ge gegen Zah­lung einer Fest­ver­gü­tung auf die Hela­ba über­tra­gen. Um sich zu ver­ge­wis­sern, dass die beab­sich­tig­te Trans­ak­ti­on mit dem Gemein­schafts­recht ver­ein­bar ist, bat Deutsch­land die Kom­mis­si­on um Prü­fung, ob die Inves­ti­ti­on eine staat­li­che Bei­hil­fe dar­stellt. Die Kom­mis­si­on ent­schied, dass die Trans­ak­ti­on kei­ne staat­li­che Bei­hil­fe ist. Der Bun­des­ver­band deut­scher Ban­ken e. V. hat auch gegen die Ent­schei­dung der Kom­mis­si­on Kla­ge vor dem Gericht erho­ben.

Auch die­se Kla­ge wies das Gericht der Euro­päi­schen Uni­on heu­te aus ähn­li­chen Grün­den wie die ers­te Kla­ge ab.

Gericht der Euro­päi­schen Uni­on, Urteil vom 3. März 2010 – T‑163/​05 und T‑36/​06