Struk­tur­kün­di­gung gegen­über Kfz-Ver­trags­händ­ler

Ver­triebs­ver­trä­ge zwi­schen Kfz-Her­stel­lern bzw. ‑lie­fe­ran­ten und Ver­trags­händ­lern kön­nen regel­mä­ßig nur mit 2‑jähriger Kün­di­gungs­frist been­det wer­den. Eine 1‑jährige Frist gilt aus­nahms­wei­se, wenn sich die Not­wen­dig­keit ergibt, das Ver­triebs­netz ins­ge­samt oder zu einem wesent­li­chen Teil umzu­struk­tu­rie­ren. Rechts­grund­la­ge hier­für ist die EG-Grup­pen­frei­stel­lungs­ver­ord­nung (GVO 1400/​2002), deren Bestim­mun­gen in den meis­ten Ver­triebs­ver­trä­gen über­nom­men wor­den sind.

Struk­tur­kün­di­gung gegen­über Kfz-Ver­trags­händ­ler

In einem Rechts­streit über die Wirk­sam­keit einer soge­nann­ten Struk­tur­kün­di­gung von Kfz-Ver­triebs­ver­trä­gen hat der 1. Kar­tell­se­nat des Ober­lan­des­ge­richts Frank­furt am Main jetzt die Been­di­gung der Ver­trags­händ­ler­ver­trä­ge durch Kün­di­gung bin­nen Jah­res­frist für gerecht­fer­tigt ange­se­hen und damit eine anders lau­ten­de Ent­schei­dung des Land­ge­richts Frank­furt am Main in der Rechts­mit­tel­in­stanz abge­än­dert.

Im Janu­ar 2006 hat­te die beklag­te Lie­fe­ran­tin (Allein­im­por­teu­rin) alle Ver­trags­händ­ler­ver­trä­ge bin­nen Jah­res­frist gekün­digt, weil das bis­he­ri­ge zwei­stu­fi­ge Händ­ler­netz auf­ge­löst und durch ein ein­stu­fi­ges Netz ersetzt wer­den sowie Stand­or­te teil­wei­se geschlos­sen, ver­legt und moder­ni­siert wer­den soll­ten. Anlass waren über län­ge­re Zeit deut­lich rück­läu­fi­ge Markt­an­tei­le. Gegen die Kün­di­gung hat­te sich die kla­gen­de Ver­trags­händ­le­rin gewandt, da nach ihrer Auf­fas­sung die Vor­aus­set­zun­gen für eine Kün­di­gung bin­nen Jah­res­frist nicht vor­la­gen.

Das OLG hielt die Struk­tur­kün­di­gung des Ver­trags­händ­ler­ver­tra­ges mit Jah­res­frist nach Beweis­auf­nah­me für rech­tens, so dass der gekün­dig­ten Ver­trags­händ­le­rin kein Scha­dens­er­satz zuste­he.

Die sub­jek­ti­ve geschäft­li­che Beur­tei­lung des Lie­fe­ran­ten rei­che dafür zwar nicht aus. Die Beklag­te habe jedoch den Zusam­men­hang der nega­ti­ven Ent­wick­lung der Markt­an­tei­le und dem Zustand des Ver­triebs­net­zes dar­ge­legt und im Sin­ne der Recht­spre­chung des Euro­päi­schen Gerichts­hofs (EuGH) plau­si­bel gemacht, dass die Ände­rung der Ver­triebs­struk­tur in finan­zi­el­ler und räum­li­cher Hin­sicht bedeu­tend und durch Grün­de der wirt­schaft­li­chen Effi­zi­enz gerecht­fer­tigt war.
So sei das gesam­te Händ­ler­netz eva­lu­iert und in Kun­den­ein­fluss­ge­bie­te auf­ge­teilt wor­den. Neue Markt­stand­or­te sei­en unter Berück­sich­ti­gung der opti­ma­len Kun­den­strö­me, der Kun­den­nach­fra­ge sowie der wirt­schaft­li­chen Ren­ta­bi­li­tät für die ein­zel­nen Händ­ler fest­ge­legt wor­den. Die Ana­ly­se habe zur Fest­le­gung von (nur noch) 535 Händ­ler­stand­or­ten geführt. Zugleich sei­en an den bereits vor­han­de­nen Stand­or­ten die Betrie­be hin­sicht­lich ihrer Leis­tungs­fä­hig­keit, ihrer wirt­schaft­li­chen Kon­di­tio­nen und künf­ti­gen Ent­wick­lungs­chan­cen geprüft wor­den. In die­sem Zusam­men­hang habe die Beklag­te auch mög­li­che erheb­li­che wirt­schaft­li­che Nach­tei­le dar­ge­legt, wenn die Umstruk­tu­rie­rung nicht inner­halb eines Jah­res durch­ge­führt wor­den wäre.

Das Urteil ist nicht rechts­kräf­tig, da das OLG die Revi­si­on zuge­las­sen hat. Dem lag zugrun­de, dass das Ober­lan­des­ge­richt Köln in einer Par­al­le­l­ent­schei­dung vom 7.12.2007 die Wirk­sam­keit der Struk­tur­kün­di­gung anders beur­teilt hat­te.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 13. Mai 2008 – 11 U 39/​07 (Kart)