Switch & Pro­fit – Per Han­dy­num­mer ins Fest­netz

Die von der Deut­schen Tele­kom AG ange­bo­te­ne Ruf­um­lei­tung „Switch & Pro­fit“ ist wett­be­werbs­recht­lich unzu­läs­sig. Dies ent­schied auf die Kla­ge von e‑plus nun der Bun­des­ge­richts­hof und bestä­tig­te damit gleich­lau­ten­de Urtei­le des Land­ge­richts Köln [1] und den Ober­lan­des­ge­richts Köln [2].

Switch & Pro­fit – Per Han­dy­num­mer ins Fest­netz

Hin­ter­grund des Streits war ein Ange­bot der Deut­schen Tele­kom für ihre Fest­netz­kun­den. Die Deut­sche Tele­kom warb bei ihren Fest­netz­kun­den, die zugleich über einen Mobil­te­le­fon­an­schluss eines belie­bi­gen Anbie­ters ver­fü­gen, für eine Ruf­um­lei­tungs-Opti­on, bei der Anru­fe, die von einem Tele­fon­an­schluss des Fest­net­zes der Tele­kom aus­ge­hen und an den Mobil­funk­te­le­fon­an­schluss des Kun­den gerich­tet sind, auf des­sen Fest­netz­an­schluss umge­lei­tet wer­den. Dem Anru­fer berech­net die Tele­kom gleich­wohl das tarif­li­che Ent­gelt für Anru­fe aus ihrem Fest­netz in das von ihm gewähl­te Mobil­funk­netz, der ange­ru­fe­ne Kun­de erhielt für die ein­ge­rich­te­te Ruf­um­lei­tung eine Gut­schrift.

Die Deut­sche Tele­kom und der Ange­ru­fe­ne ver­dien­ten also bei­de zulas­ten des Anru­fers: Der Anru­fer zahl­te den erhöh­ten Tarif für einen Anruf in das Mobil­funk­netz, die Tele­kom spar­te sich das Zusam­men­schlus­s­ent­gelt, das sie bei Gesprä­chen aus dem Fest­netz in das Mobil­funk­netz an des­sen Betrei­ber zah­len muss, und der Ange­ru­fe­ne erhält eine Prä­mie dafür.

Einer der betrof­fe­nen Mobil­funk­be­trei­ber, e‑plus, hielt die­ses Ange­bot der Deut­schen Tele­kom für wett­be­werbs­wid­rig und hat die Deut­sche Tele­kom auf Unter­las­sung, Fest­stel­lung der Scha­dens­er­satz­pflicht und Aus­kunfts­er­tei­lung in Anspruch genom­men.

Mit die­ser Kla­ge war e‑plus nun in allen drei Instan­zen erfolg­reich, der Bun­des­ge­richts­hof hat das bereits von den Instanz­ge­rich­ten aus­ge­spro­che­ne Ver­bot bestä­tigt. Dabei hat der BGH hat auf­grund der von der Beklag­ten ange­bo­te­nen Ruf­um­lei­tung eine geziel­te Behin­de­rung des kon­kur­rie­ren­den Mobil­funk­be­trei­bers ange­nom­men. Die Unlau­ter­keit des Ver­hal­tens der Deut­schen Tele­kom hat der Bun­des­ge­richts­hof dar­in gese­hen, dass die­se sich bei der Schal­tung der Ruf­um­lei­tung Leis­tun­gen des Mobil­funk­be­trei­bers zunut­ze macht, gleich­zei­tig aber die für das Gespräch in das Mobil­funk­netz anfal­len­den Gebüh­ren selbst ver­ein­nahmt.

Der den Anruf täti­gen­de Fest­netz­kun­de der Beklag­ten wählt die Mobil­funk­num­mer des Ange­ru­fe­nen, weil er erwar­tet, sei­nen gewünsch­ten Gesprächs­part­ner unter die­ser Tele­fon­num­mer zu errei­chen. Er hat sich ent­schlos­sen, auch die Leis­tung des Mobil­funk­netz­be­trei­bers in Anspruch zu neh­men. Die Klä­ge­rin gewähr­leis­tet die Erreich­bar­keit ihrer Kun­den durch die Unter­hal­tung ihres Mobil­funk­net­zes. Die­se Leis­tung nutzt die Beklag­te durch die von ihr ange­bo­te­ne Ruf­um­lei­tung aus, da der Anru­fer die Mobil­funk­num­mer ohne die Bereit­hal­tung des Mobil­funk­an­schlus­ses und den Betrieb des Mobil­funk­net­zes nicht anwäh­len wür­de. Lei­tet die Beklag­te wegen der Akti­vie­rung der Ruf­um­lei­tung den Anruf nicht in das Netz der Klä­ge­rin wei­ter, ver­hin­dert sie den Anfall des Zusam­men­schlus­s­ent­gelts und behin­dert die Klä­ge­rin dar­in, ihre Leis­tun­gen auf dem Markt durch eige­ne Anstren­gun­gen in ange­mes­se­ner Wei­se zur Gel­tung zu brin­gen und ihre Inves­ti­tio­nen zu erwirt­schaf­ten.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 7. Okto­ber 2009 – I ZR 150/​07 (Ruf­um­lei­tung)

  1. LG Köln, Urteil vom 24.11.2006 – 81 O 31/​06[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 24.08.2007 – 6 U 237/​06, CR 2008, 365[]