Urhe­ber­recht­li­che Gerä­te­ver­gü­tung für Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te

Nach einer aktu­el­len Ent­schei­dung des Bun­des­ge­richts­hof ist beim Kauf eines Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­tes die urhe­ber­recht­li­che Gerä­te­ver­gü­tung in vol­ler Höhe zu zah­len, auch wenn die­se Gerä­te in wei­tem Umfang für ande­re Zwe­cke ein­ge­setzt wer­den.

Urhe­ber­recht­li­che Gerä­te­ver­gü­tung für Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te

Der Urhe­ber eines Wer­kes hat nach dem Urhe­ber­rechts­ge­setz einen Ver­gü­tungs­an­spruch gegen den Her­stel­ler, Impor­teur und Händ­ler von Ver­viel­fäl­ti­gungs­ge­rä­ten wie bei­spiels­wei­se Foto­ko­pier­ge­rä­ten. Nach der bis Ende 2007 gel­ten­den und in dem zu ent­schei­den­den Fall noch zugrun­de zu legen­den Rechts­la­ge bestimmt sich die Höhe der Ver­gü­tung – wenn nichts ande­res ver­ein­bart ist – nach im Gesetz aus­drück­lich genann­ten fes­ten Ver­gü­tungs­sät­zen. Danach ist bei­spiels­wei­se für ein Gerät, mit dem bis zu zwölf Farb­ko­pi­en je Minu­te her­ge­stellt wer­den kön­nen, eine Ver­gü­tung von 76,70 € geschul­det.

Die Klä­ge­rin ist die Ver­wer­tungs­ge­sell­schaft Wort. Sie nimmt die urhe­ber­recht­li­chen Befug­nis­se von Wort­au­toren und Ver­le­gern wahr. Die Beklag­te impor­tiert und ver­treibt soge­nann­te Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te, die in Ver­bin­dung mit einem Com­pu­ter dru­cken und scan­nen sowie ohne einen Com­pu­ter foto­ko­pie­ren und teil­wei­se auch faxen kön­nen. Die Klä­ge­rin hat die Fest­stel­lung bean­tragt, dass die Beklag­te ihr für jedes bis 31. August 2001 in Ver­kehr gebrach­te Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rät die in der bis Ende 2007 gel­ten­den Fas­sung des Geset­zes fest­ge­leg­te Ver­gü­tung zu zah­len hat.

Das Beru­fungs­ge­richt hat dem Fest­stel­lungs­an­trag statt­ge­ge­ben. Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Revi­si­on der Beklag­ten zurück­ge­wie­sen.

Der Bun­des­ge­richts­hof ist nicht der Ansicht der Beklag­ten gefolgt, dass für Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te eine gerin­ge­re als die gesetz­lich bestimm­te Ver­gü­tung zu zah­len ist, weil die­se Gerä­te nur in gerin­gem Umfang als Foto­ko­pie­rer ver­wen­det wer­den. Dass Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­te nicht nur kopie­ren, son­dern dar­über hin­aus auch noch dru­cken und scan­nen sowie teil­wei­se faxen kön­nen, ändert – so der BGH – nichts dar­an, dass sie in ihrer Kopier­funk­ti­on Foto­ko­pier­ge­rä­ten gleich­ste­hen. Die Beklag­te hat­te fer­ner gel­tend gemacht, mit Mul­ti­funk­ti­ons­ge­rä­ten wür­den, wenn sie zu Kopier­zwe­cken ein­ge­setzt wür­den, nur zu einem gering­fü­gi­gen Anteil Ver­viel­fäl­ti­gun­gen von urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Vor­la­gen her­ge­stellt; fer­ner sei­en die Ver­gü­tungs­sät­ze im Ver­hält­nis zum Gerä­te­preis unver­hält­nis­mä­ßig hoch. Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem­ge­gen­über dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es nach der im Streit­fall anwend­ba­ren gesetz­li­chen Rege­lung für die Höhe der geschul­de­ten Gerä­te­ver­gü­tung kei­ne Rol­le spie­le, inwie­weit sich unter den Ver­viel­fäl­ti­gun­gen urhe­ber­rechts­neu­tra­le Kopi­en – wie etwa Ver­viel­fäl­ti­gun­gen eige­ner Schrift­stü­cke – befin­den; auch der Gerä­te­preis sei danach für die Ver­gü­tungs­hö­he nicht von Bedeu­tung. Da das Gesetz die Gerä­te­her­stel­ler allein aus Prak­ti­ka­bi­li­täts­grün­den mit einer Ver­gü­tungs­pflicht belas­te, obwohl nicht sie selbst, son­dern allen­falls die Käu­fer mit den Gerä­ten urhe­ber­recht­lich rele­van­te Kopi­en anfer­ti­gen, wäre es – so der BGH – aller­dings ver­fas­sungs­recht­lich bedenk­lich, wenn der Ver­gü­tungs­satz im Ver­hält­nis zum Gerä­te­preis der­art hoch wäre, dass die Her­stel­ler die Last der Ver­gü­tung nicht auf die Erwer­ber der Gerä­te abwäl­zen könn­ten. Davon kön­ne im Streit­fall jedoch nicht aus­ge­gan­gen wer­den.

Nach der seit dem 1. Janu­ar 2008 gel­ten­den – im Streit­fall nicht anwend­ba­ren – Neu­re­ge­lung des § 54a UrhG ist für die Ver­gü­tungs­hö­he maß­geb­lich, in wel­chem Maß die Gerä­te als Typen tat­säch­lich für urhe­ber­rechts­re­le­van­te Ver­viel­fäl­ti­gun­gen genutzt wer­den; die Ver­gü­tung darf den Her­stel­ler der Gerä­te nicht unzu­mut­bar beein­träch­ti­gen und muss in einem wirt­schaft­lich ange­mes­se­nen Ver­hält­nis zum Preis­ni­veau des Geräts ste­hen.

Der Bun­des­ge­richts­hof hat bereits am 6. Dezem­ber 2007 ent­schie­den, dass für Dru­cker kei­ne Gerä­te­ver­gü­tung zu zah­len ist (I ZR 94/​05) und wird sich dem­nächst mit der Fra­ge der Ver­gü­tungs­pflicht von Kopier­sta­tio­nen (I ZR 206/​05, Ter­min: 8.5.2008) und PCs (I ZR 18/​06, Ter­min ver­mut­lich im Herbst 2008) zu befas­sen haben.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 30. Janu­ar 2008 – I ZR 131/​05