Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – und die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers

Ein Geschäfts­füh­rer haf­tet für delik­ti­sche Hand­lun­gen der von ihm ver­tre­te­nen Gesell­schaft per­sön­lich, wenn er an ihnen ent­we­der durch posi­ti­ves Tun betei­ligt war oder wenn er sie auf­grund einer nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen des Delikts­rechts begrün­de­ten Garan­ten­stel­lung hät­te ver­hin­dern müs­sen 1.

Urhe­ber­rechts­ver­let­zung – und die Haf­tung des Geschäfts­füh­rers

Beruht die Rechts­ver­let­zung auf einer Maß­nah­me der Gesell­schaft, über die typi­scher­wei­se auf Geschäfts­füh­rungs­ebe­ne ent­schie­den wird, kann nach dem äuße­ren Erschei­nungs­bild und man­gels abwei­chen­der Fest­stel­lun­gen davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass sie von dem oder den Geschäfts­füh­rern ver­an­lasst wor­den ist 2.

Von einem sol­chen typi­schen Gesche­hens­ab­lauf ist in dem hier ent­schie­de­nen Fall der Wer­bung für einen uner­laub­ten Nach­bau einer urhe­ber­recht­lich geschütz­ten Wer­kes (Wagen­feld-Leuch­te) aus­zu­ge­hen. Über den all­ge­mei­nen Wer­be­auf­tritt ein­schließ­lich des Inter­net­auf­tritts eines Unter­neh­mens wird typi­scher­wei­se auf Geschäfts­lei­tungs­ebe­ne ent­schie­den 3. Des­glei­chen wird typi­scher­wei­se auf Geschäfts­füh­re­r­ebe­ne dar­über ent­schie­den, ob und inwie­weit von der Gesell­schaft her­ge­stell­te und ver­trie­be­ne Pro­duk­te im Aus­land ver­trie­ben und bewor­ben wer­den sol­len. Danach ist davon aus­zu­ge­hen, dass der allei­ni­ge Geschäfts­füh­rer des nach­bau­en­den Unter­neh­mens ent­schie­den hat, in Deutsch­land für den Kauf der Leuch­te zu wer­ben. Vor­lie­gend ist weder vor­ge­tra­gen noch sonst ersicht­lich, dass die streit­ge­gen­ständ­li­chen Hand­lun­gen durch eine drit­te Per­son ohne Betei­li­gung des Geschäfts­füh­rers ver­an­lasst wor­den sein könn­ten. Daher ist vom Regel­fall aus­zu­ge­hen, dass der Geschäfts­füh­rer die­se Hand­lun­gen selbst vor­ge­nom­men hat.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 5. Novem­ber 2015 – I ZR 76/​11

  1. BGH, Urteil vom 18.06.2014 – I ZR 242/​12, BGHZ 201, 344 Rn. 17 – Geschäfts­füh­rer­haf­tung, mwN; Urteil vom 27.11.2014 – I ZR 124/​11, GRUR 2015, 672 Rn. 80 = WRP 2015, 739 – Video­spiel-Kon­so­len II; Urteil vom 22.01.2015 – I ZR 107/​13, GRUR 2015, 909 Rn. 45 = WRP 2015, 1090 – Exzen­ter­zäh­ne[]
  2. vgl. BGHZ 201, 344 Rn.19 – Geschäfts­füh­rer­haf­tung; BGH, GRUR 2015, 672 Rn. 83 – Video­spiel-Kon­so­len II; GRUR 2015, 909 Rn. 45 – Exzen­ter­zäh­ne[]
  3. vgl. BGHZ 201, 344 Rn.19 – Geschäfts­füh­rer­haf­tung[]