Ver­dachts­kün­di­gung in der Sys­tem­gas­tro­no­mie

Auch im Bereich der Restau­rant­mie­te ist eine Ver­dachts­kün­di­gung mög­lich. So ver­ur­teil­te jetzt das Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main die Betrei­ber von vier Schnell­re­stau­rants in Frank­furt am Main zur Räu­mung und Her­aus­ga­be der Loka­le und änder­te damit das vor­aus­ge­hen­de anders lau­ten­de Urteil des Land­ge­richts Frank­furt am Main ab.

Ver­dachts­kün­di­gung in der Sys­tem­gas­tro­no­mie

Die ursprüng­lich für das Arbeits­recht ent­wi­ckel­te Ver­dachts­kün­di­gung ist nach der Recht­spre­chung bei allen Dau­er­schuld­ver­hält­nis­sen zuläs­sig, wenn sich star­ke Ver­dachts­mo­men­te auf objek­ti­ve Tat­sa­chen grün­den und die Ver­dachts­mo­men­te geeig­net sind, das für die Fort­set­zung des Ver­trags­ver­hält­nis­ses erfor­der­li­che Ver­trau­en zu zer­stö­ren. Nicht erfor­der­lich ist also, dass der mit dem Ver­dacht zusam­men­hän­gen­de Vor­wurf tat­säch­lich bewie­sen ist. Der Kün­di­gen­de muss jedoch alle zumut­ba­ren Anstren­gun­gen unter­nom­men haben, um den Sach­ver­halt auf­zu­klä­ren. Ins­be­son­de­re muss er sei­nem Ver­trags­part­ner Gele­gen­heit gege­ben haben, Stel­lung zu neh­men.

Die Klä­ge­rin in dem jetzt vom OLG Frank­furt ent­schie­de­nen Rechts­streit ist die deut­sche Zweig­nie­der­las­sung eines in der Sys­tem­gas­tro­no­mie täti­gen Unter­neh­mens. Die Beklag­ten betrei­ben als Fran­chise­neh­mer und Päch­ter der Klä­ge­rin seit 2003 vier Schnell­re­stau­rants in Frank­furt am Main. Die Klä­ge­rin hat die zugrun­de lie­gen­den Fran­chise- und Pacht­ver­trä­ge mehr­fach außer­or­dent­lich gekün­digt, weil sie den Beklag­ten meh­re­re gra­vie­ren­de Pflicht­ver­let­zun­gen vor­wirft. Ins­be­son­de­re macht sie gel­tend, dass die in den vier Restau­rants für eine Stif­tung gesam­mel­ten Spen­den­gel­der über meh­re­re Jah­re hin­weg zweck­wid­rig ver­wen­det wor­den sei­en. Die Beklag­ten bestrei­ten die Vor­wür­fe der Klä­ge­rin und hal­ten die Kün­di­gung für unwirk­sam.

Anders als das Land­ge­richt Frank­furt sah das Ober­lands­ge­richt Frank­furt in der Beru­fungs­in­stanz die Kün­di­gun­gen der Klä­ge­rin nun­mehr als wirk­sam an. Die Klä­ge­rin sei jeden­falls zum Aus­spruch einer so genann­ten "Ver­dachts­kün­di­gung" berech­tigt gewe­sen, nach­dem es über Jah­re hin­weg zu Unre­gel­mä­ßig­kei­ten bei der Wei­ter­lei­tung von Spen­den­gel­dern gekom­men war. So sei­en von den Beklag­ten zwar "Spen­den­häus­chen" bestellt und in ihren Loka­len auf­ge­stellt wor­den, seit Novem­ber 2003 sei­en aber kei­ne Spen­den­gel­der mehr abge­führt wor­den. Die Klä­ge­rin habe auf­grund der von ihr ermit­tel­ten Umstän­de – und nach­dem sie den Beklag­ten Gele­gen­heit zur Stel­lung­nah­me gege­ben hat­te – davon aus­ge­hen dür­fen, dass die Beklag­ten bzw. der für sie han­deln­de Geschäfts­füh­rer inso­weit einer Straf­tat drin­gend ver­däch­tig erscheint. Hier­durch sei das Ver­trau­ens­ver­hält­nis der Ver­trags­par­tei­en zer­stört wor­den, so dass der Klä­ge­rin eine Fort­set­zung der Ver­trags­ver­hält­nis­se nicht zumut­bar gewe­sen sei.

Ober­lan­des­ge­richt Frank­furt am Main, Urteil vom 13. Novem­ber 2009 – 2 U 76/​09