Der Zeit­punkt des Rei­se­an­tritts beim Online Check-In

Beginnt der Ver­si­che­rungs­schutz einer Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung nach den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen mit der Buchung der Rei­se und endet mit dem Antritt der Rei­se, ist der Zeit­punkt des fak­ti­schen Rei­se­an­tritts maß­ge­bend und nicht der des Online Check-Ins.

Der Zeit­punkt des Rei­se­an­tritts beim Online Check-In

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Müchen in dem hier vor­lie­gen­den Fall einem Klä­ger Recht gege­ben, der für sei­ne gebuch­te Rei­se zwar das Online Check-In-Ver­fah­ren nutz­te aber wegen einer Erkran­kung die Rei­se nicht mehr antre­ten konn­te und des­halb von sei­ner Ver­si­che­rung die Rei­se­kos­ten erstat­tet bekom­men woll­te. Am 3. April 2013 buch­te ein Düs­sel­dor­fer Klä­ger eine Flug­rei­se vom 28. April 2013 bis 17. Mai 2013 von Frank­furt nach San­to Dom­in­go. Gleich­zei­tig hat er eine Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung bei einer Mün­che­ner Ver­si­che­rung abge­schlos­sen. Am Vor­mit­tag des 28. April 2013 nutz­te er das Ange­bot der Flug­ge­sell­schaft zum soge­nann­ten Online Check-In. Kurz nach­dem er ein­ge­checkt hat­te, erkrank­te er so schwer, dass er nicht mehr flug­fä­hig war und stor­nier­te den Flug bei der Flug­ge­sell­schaft.

Nach den Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen der Rei­se­rück­tritts­ver­si­che­rung beginnt der Ver­si­che­rungs­schutz mit der Buchung der Rei­se und er endet mit dem Antritt der Rei­se. Der Düs­sel­dor­fer Klä­ger ver­langt nun von der Ver­si­che­rung die Rei­se­kos­ten erstat­tet. Er argu­men­tiert, dass er den Flug aus medi­zi­ni­schen Grün­den nicht ange­tre­ten habe. Die Ver­si­che­rung wei­gert sich zu zah­len. Sie ist der Mei­nung, dass mit dem Ein­che­cken die Flug­rei­se ange­tre­ten wur­de und damit der Ver­si­che­rungs­schutz geen­det hat.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, das klas­si­sche Check-In-Ver­fah­ren am Flug­schal­ter im Abfer­ti­gungs­ge­bäu­de eines Flug­ha­fens die­ne der Kon­trol­le von Unter­la­gen, wie zum Bei­spiel Pass oder Visum, jedoch vor­ran­gig der Gepäck­auf­ga­be und der Über­ga­be der Bord­kar­te.

Das Online Check-In-Ver­fah­ren die­ne maß­geb­lich den wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen der Flug­ge­sell­schaf­ten. Die­se könn­ten Per­so­nal ein­spa­ren, wenn die Rei­sen­den den Vor­gang des Ein­che­ckens in Eigen­re­gie durch­füh­ren. Mit dem Online Check-In erklä­re der Rei­sen­de der Flug­ge­sell­schaft gegen­über, dass er beab­sich­tigt, die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Beför­de­rung durch die Flug­ge­sell­schaft abzu­ru­fen. Die­ser Zeit­punkt ist aber noch nicht der fak­ti­sche Rei­se­an­tritt. Das Amts­ge­richt ist der Mei­nung, dass für den Rei­se­an­tritt der Rei­sen­de zumin­dest auch fak­tisch Leis­tun­gen der Flug­ge­sell­schaft in Anspruch neh­men muss, die unmit­tel­bar mit der Beför­de­rung ver­bun­den sind. So neh­me ein Rei­sen­der mit der Auf­ga­be von Gepäck am Flug­ha­fen­schal­ter eine sol­che Leis­tung in Anspruch, da die­ses Gepäck zum Zweck der Beför­de­rung in den Fracht­raum trans­por­tiert wird. Wei­ter­hin kön­ne man von einem Rei­se­an­tritt aus­ge­hen, wenn der Rei­sen­de unter Vor­la­ge sei­ner Bord­kar­te den Flug­steig pas­siert, um das Flug­zeug betre­ten zu kön­nen. Das Amts­ge­richt Mün­chen hat offen gelas­sen, ob durch die Vor­la­ge der Bord­kar­te bei der Sicher­heits­kon­trol­le im Abflug­be­reich ein Rei­se­an­tritt erfolgt.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 30. Okto­ber 2013 – 171 C 18960/​13