Wer­be­schrei­ben mit Kre­dit­kar­ten

Die Deut­sche Post­bank AG ver­sand­te im Jahr 2008 an eine Viel­zahl ihrer Kun­den per­sön­lich adres­sier­te Wer­be­schrei­ben, denen eine auf den Namen des Adres­sa­ten aus­ge­stell­te Kre­dit­kar­te bei­gefügt war. Um die Kre­dit­kar­te ver­wen­den zu kön­nen, muss­te der Bank­kun­de ein als Frei­schalt­auf­trag bezeich­ne­tes For­mu­lar unter­zeich­nen und der beklag­ten Bank zusen­den. Im ers­ten Jahr soll­te die Kre­dit­kar­te kos­ten­los sein.

Wer­be­schrei­ben mit Kre­dit­kar­ten

Der Klä­ger, der Bun­des­ver­band der Ver­brau­cher­zen­tra­len, hat dar­in einen Ver­stoß gegen das Wett­be­werbs­recht, ins­be­son­de­re unter den Gesichts­punk­ten einer unsach­li­chen Ein­fluss­nah­me auf die Ent­schei­dungs­frei­heit der Adres­sa­ten des Wer­be­schrei­bens (§ 4 Nr. 1 UWG) und einer unzu­mut­ba­ren Beläs­ti­gung (§ 7 Abs. 1 UWG) gese­hen und die Post­bank auf Unter­las­sung und Erstat­tung von Abmahn­kos­ten in Anspruch genom­men.

Das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Land­ge­richt Bonn hat die Kla­ge abge­wie­sen 1, eben­so in der Beru­fungs­in­stanz das Ober­lan­des­ge­richt Köln 2. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt die Revi­si­on des Klä­gers zurück­ge­wie­sen.

Eine unzu­läs­si­ge Ein­fluss­nah­me auf die Ent­schei­dungs­frei­heit der ange­schrie­be­nen Kun­den der Beklag­ten nach § 4 Nr. 1 UWG liegt nicht vor, ent­schied der Bun­des­ge­richts­hof. Die Ver­brau­cher ken­nen die Funk­ti­ons­wei­se einer Kre­dit­kar­te. Sie wis­sen auf­grund des Wer­be­schrei­bens, dass die über­sand­te Kre­dit­kar­te erst nach Rück­sen­dung des Frei­schalt­auf­trags ein­ge­setzt wer­den kann, durch den ein ent­gelt­li­cher Kre­dit­kar­ten­ver­trag mit der Post­bank zustan­de kommt.

Der Kun­de wird durch die Zusen­dung der Kre­dit­kar­te auch nicht im Sin­ne des § 7 Abs. 1 UWG unzu­mut­bar beläs­tigt. Wegen der auf ihren Namen aus­ge­stell­ten Kre­dit­kar­ten wer­den sich Kun­den zwar häu­fig ver­an­lasst sehen, die Kar­ten vor der Ent­sor­gung – etwa durch Zer­schnei­den – zu zer­stö­ren, um ihre per­sön­li­chen Daten unkennt­lich zu machen und dadurch einen Miss­brauch zu ver­hin­dern. Die­ser erhöh­te Auf­wand führt aber noch nicht zu einer den Adres­sa­ten unzu­mut­ba­ren Beläs­ti­gung. Ob die Wer­be­maß­nah­me die Schwel­le zur Unzu­mut­bar­keit über­schrei­tet, ist durch eine Abwä­gung der geschütz­ten Inter­es­sen des Adres­sa­ten und des wer­ben­den Unter­neh­mens zu ermit­teln. Nach der danach gebo­te­nen Abwä­gung über­wie­gen die Inter­es­sen des wer­ben­den Unter­neh­mens an ziel­ge­rich­te­ter Anspra­che sei­ner Kun­den den Ein­griff in die Pri­vat­sphä­re des Adres­sa­ten des Wer­be­schrei­bens, dem eine siche­re Ent­sor­gung der Kre­dit­kar­te eine gegen­über übli­chen Wer­be­brie­fen etwas grö­ße­re Mühe berei­tet.

Die Vor­schrift des § 675m Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 BGB, die die unauf­ge­for­der­te Zusen­dung von Zah­lungs­in­stru­men­ten unter­sagt, ist erst nach der bean­stan­de­ten Wer­be­maß­nah­me in Kraft getre­ten. Die Bestim­mung war des­halb für die Prü­fung der wett­be­werbs­recht­li­chen Zuläs­sig­keit der Wer­bung ohne Belang.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 3. März 2011 – I ZR 167/​09 – Kre­dit­kar­ten­wer­bung

  1. LG Bonn, Urteil vom 23.04.2009 – 14 O 18/​09[]
  2. OLG Köln, Urteil vom 02.10.2009 – 6 U 95/​09[]