8jähriger Rad­fah­rer

Die Auf­sichts­pflicht von Eltern hat Gren­zen. So müs­sen sie ihren knapp acht Jah­re alten, mit sei­nem Fahr­rad ver­trau­ten Sohn nicht beauf­sich­ti­gen, wenn er mit dem Rad in einer Sack­gas­se im Umfeld der Fami­li­en­woh­nung unter­wegs ist. Weil Amts- und Land­ge­richt Coburg die­se Rechts­auf­fas­sung ver­tra­ten, schei­ter­te ein Auto­ei­gen­tü­mer mit sei­ner Kla­ge auf Scha­dens­er­satz in Höhe von fast 1.100 € gegen die Eltern. Dass der jun­ge Rad­ler gegen den Pkw gefah­ren war, führ­te nicht zur Haf­tung der Eltern wegen Auf­sichts­pflicht­ver­let­zung. Denn das Kind hat­te genü­gend Erfah­rung mit sei­nem Rad, um in dem ver­kehrs­ar­men Bereich vor der elter­li­chen Woh­nung unbe­auf­sich­tigt radeln zu dür­fen.

8jähriger Rad­fah­rer

Der Klä­ger saß in sei­nem gepark­ten Pkw, der knapp acht­jäh­ri­ge Sohn der Beklag­ten zog in der Sack­gas­se vor der Fami­li­en­woh­nung mit dem Kin­der­fahr­rad sei­ne Krei­se. Plötz­lich kam der Jun­ge aus dem Tritt und prall­te gegen die geöff­ne­te Fah­rer­tür des klä­ge­ri­schen Autos. Der Klä­ger behaup­te­te einen Scha­den in Höhe von fast 1.100 €, den er von den Eltern ersetzt haben woll­te. Die hat­ten sei­ner Mei­nung nach ihre Auf­sichts­pflicht ver­letzt.

Das sah das Amts­ge­richt Coburg anders. Denn die Ver­neh­mung von Zeu­gen ergab, dass der jun­ge Rad­ler schon meh­re­re Jah­re in die Peda­le trat, bereits län­ge­re Stre­cken zusam­men mit der Fami­lie zurück­ge­legt und dabei nie­mals Schwie­rig­kei­ten hat­te, mit sei­nem Fahr­rad zurecht­zu­kom­men. Des­halb durf­ten die Eltern ihr Schul­kind in der Sack­gas­se im Umfeld der Woh­nung unbe­auf­sich­tigt radeln las­sen. Sei­ne hier­ge­gen ein­ge­leg­te Beru­fung nahm der Klä­ger nach einem Hin­weis des Land­ge­richts Coburg, dass es den Fall iden­tisch beur­teilt, zurück. Eltern haf­ten eben nicht immer, wenn ihre Kin­der etwas anstel­len.

Amts­ge­richt Coburg, Urteil vom 26. Juni 2008 – 11 C 1760/​07;
Land­ge­richt Coburg, Hin­weis­ver­fü­gung vom 21. August 2008 – 33 S 66/​08
(rechts­kräf­tig)