Aner­kennt­nis und Ver­jäh­rung­neu­be­ginn

Ein Aner­kennt­nis i.S. von § 212 Abs. 1 Nr. 1 BGB liegt vor, wenn sich aus dem tat­säch­li­chen Ver­hal­ten des Schuld­ners gegen­über dem Gläu­bi­ger klar und unzwei­deu­tig ergibt, dass dem Schuld­ner das Bestehen der Schuld bewusst ist, und ange­sichts des­sen der Gläu­bi­ger dar­auf ver­trau­en darf, dass sich der Schuld­ner nicht auf den Ablauf der Ver­jäh­rung beru­fen wird.

Aner­kennt­nis und Ver­jäh­rung­neu­be­ginn

Der Schuld­ner muss dabei sein Wis­sen, zu etwas ver­pflich­tet zu sein, klar zum Aus­druck brin­gen, wobei ein ein­deu­ti­ges schlüs­si­ges Ver­hal­ten genü­gen kann 1. Für das Pflicht­teils­recht hat der Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­den, dass auch eine Aus­kunfts­er­tei­lung ein Aner­kennt­nis dar­stel­len kann. Aller­dings muss sich das Bewusst­sein des Schuld­ners vom Bestehen des Anspruchs unzwei­deu­tig erge­ben; eine Erklä­rung, die ledig­lich das Bewusst­sein erken­nen lässt, der Anspruch bestehe mög­li­cher­wei­se, reicht nicht aus 2.

Hier­an ändert auch ein vor­an­ge­gan­ge­ne Schrei­ben der Gläu­bi­ge­rin nichts, in dem die Gläu­bi­ge­rin gegen­über den Schuld­ner auf die ablau­fen­de Ver­jäh­rung hin­ge­wie­sen hat, solan­ge der Schuld­ner hier­auf nicht aus­drück­lich ein­geht. Um Klar­heit zu schaf­fen, wäre es Auf­ga­be der Gläu­bi­ge­rin gewe­sen, den Schuld­ner aus­drück­lich zu einer Erklä­rung dar­über auf­zu­for­dern, ob er den Anspruch aner­kennt und gege­be­nen­falls auf die Ein­re­de der Ver­jäh­rung ver­zich­tet.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 4. Juni 2014 – IV ZR 348/​13

  1. BGH, Beschluss vom 23.08.2012 – VII ZR 155/​10, NJW 2012, 3229 Rn. 11; Urtei­le vom 13.01.2005 – VII ZR 15/​04, NJW-RR 2005, 605 unter II 2; vom 27.01.1999 XII ZR 113/​97, NJW 1999, 1101 unter II 3[]
  2. Urtei­le vom 27.06.1990 – IV ZR 115/​89, Fam­RZ 1990, 1107 unter 2 a; vom 10.06.1987 IVa ZR 14/​86, NJW-RR 1987, 1411 unter 1[]