Anhö­rungs­rü­ge – und die fal­schen Ver­fah­rens­ver­stö­ße

Mit einer Anhö­rungs­rü­ge muss eine Ver­let­zung des ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­ten Anspruchs auf recht­li­ches Gehör nach Art. 103 Abs. 1 GG gel­tend gemacht wer­den. § 321a ZPO eröff­net kei­ne Mög­lich­keit der Durch­bre­chung der Rechts­kraft bei ande­ren Ver­fah­rens­ver­stö­ßen 1.

Anhö­rungs­rü­ge – und die fal­schen Ver­fah­rens­ver­stö­ße

§ 321a ZPO eröff­net aus­schließ­lich die Mög­lich­keit, einen Ver­stoß gegen den in Art. 103 Abs. 1 GG ver­bürg­ten Anspruch auf recht­li­ches Gehör gel­tend zu machen 2; ande­re Rechts­ver­let­zun­gen kön­nen nach § 321a ZPO nicht gerügt wer­den 3. Daher ist auf eine Anhö­rungs­rü­ge hin nur zu prü­fen, ob das Gericht gegen Art. 103 Abs. 1 GG ver­sto­ßen hat.

Für das hier vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­ne Ver­fah­ren bedeu­te­te dies: Die Klä­ge­rin hat mit ihrer – frist­ge­mäß – erho­be­nen Anhö­rungs­rü­ge kei­ne Ver­let­zun­gen des recht­li­chen Gehörs gerügt, die für die Ent­schei­dung des Amts­ge­richts erheb­lich waren. Soweit das Beru­fungs­ge­richt ange­nom­men hat, das Amts­ge­richt habe weder die Hin­weis­pflicht nach § 139 Abs. 3 ZPO ver­letzt noch die Zeu­gen­aus­sa­gen unzu­rei­chend zur Kennt­nis genom­men, erhebt die Revi­si­on die Rügen der Unver­ständ­lich­keit und damit der Will­kür. Die ent­spre­chen­de Beur­tei­lung des Beru­fungs­ge­richts ist jedoch revi­si­ons­recht­lich nicht zu bean­stan­den. Die Beur­tei­lung des Land­ge­richts lässt Will­kür nicht erken­nen. Ins­be­son­de­re sind die Gerich­te nach Art. 103 Abs. 1 GG nur ver­pflich­tet, das Vor­brin­gen der Par­tei­en zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwä­gung zu zie­hen. Hin­ge­gen ist es nicht erfor­der­lich, alle Ein­zel­punk­te des Vor­brin­gens auch aus­führ­lich zu beschei­den 4. So liegt der Fall hin­sicht­lich der Beweis­wür­di­gung durch das Amts­ge­richt. Hin­ge­gen dient eine Anhö­rungs­rü­ge nicht dazu, dass das Amts­ge­richt sei­ne (von der die Anhö­rungs­rü­ge erhe­ben­den Par­tei als falsch ange­se­he­ne) Beweis­wür­di­gung erneut über­prüft und ändert.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 14. April 2016 – IX ZR 197/​15

  1. im Anschluss an BGH, Beschluss vom 13.12 2007 – I ZR 47/​06, NJW 2008, 2126[]
  2. BT-Drs. 15/​3706 S. 14; BGH, Beschluss vom 13.12 2007 – I ZR 47/​06, NJW 2008, 2126 Rn. 4 f; Urteil vom 16.09.2014 – VI ZR 55/​14, VersR 2015, 82 Rn. 9; Stein/​Jonas/​Leipold, ZPO, 22. Aufl. § 321a Rn. 38[]
  3. BGH, Beschluss vom 13.12 2007 aaO Rn. 5; BVerfG, NJW 2009, 3710 Rn. 17; Wieczorek/​Schütze/​Rensen, ZPO, 4. Aufl., § 321a Rn. 56, 60[]
  4. BGH, Beschluss vom 01.07.2008 – VI ZR 5/​08, VersR 2009, 130 Rn. 1[]