Aus­gleichs­zah­lun­gen bei Flug­um­bu­chun­gen

Der Bun­des­ge­richts­hof hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten ein Vor­ab­ent­schei­dungs­ge­such vor­ge­legt zur Ver­pflich­tung des Flug­un­ter­neh­mens zu Aus­gleichs­zah­lun­gen bei Umbu­chung durch den Rei­se­ver­an­stal­ter.

Aus­gleichs­zah­lun­gen bei Flug­um­bu­chun­gen

Die Klä­ge­rin in dem jetzt vor dem BGH ver­han­del­ten Fall hat­te für sich und ihre Fami­lie eine Flug­pau­schal­rei­se in die Tür­kei gebucht. Der von dem beklag­ten Luft­ver­kehrs­un­ter­neh­men durch­zu­füh­ren­de Rück­flug war für den 15. Juli 2005 von Anta­lya nach Ber­lin-Tegel vor­ge­se­hen. Am 12. Juli 2005 wur­den die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie durch die ört­li­che Rei­se­lei­tung benach­rich­tigt, dass der Rück­flug vom Rei­se­ver­an­stal­ter aus orga­ni­sa­to­ri­schen Grün­den geän­dert wor­den sei. Der ursprüng­lich für die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie vor­ge­se­he­ne Flug wur­de von der Beklag­ten plan­mä­ßig durch­ge­führt. Die Klä­ge­rin und ihre Fami­lie flo­gen am glei­chen Tag, dem 15. Juli 2005, mit einem ande­ren Flug der Beklag­ten zum Flug­ha­fen Leip­zig; von dort aus erfolg­te die Wei­ter­be­för­de­rung nach Ber­lin mit­tels Bus­trans­fers. Die Klä­ge­rin hat von dem beklag­ten Flug­un­ter­neh­men Aus­gleichs­zah­lun­gen nach Art. 4 Abs. 3 der Ver­ord­nung der Euro­päi­schen Gemein­schaft Nr. 261/​2004 über eine gemein­sa­me Rege­lung für Aus­gleichs- und Unter­stüt­zungs­leis­tun­gen für Flug­gäs­te im Fall der Nicht­be­för­de­rung und bei Annul­lie­rung oder gro­ßer Ver­spä­tung von Flü­gen ver­langt. Sol­che sieht die Ver­ord­nung für den Fall vor, dass Flug­gäs­ten die Beför­de­rung ver­wei­gert wird.

Die Klä­ge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Beklag­te zur Zah­lung des in der Ver­ord­nung vor­ge­se­he­nen Aus­gleichs­be­trags in Höhe von je 400 EUR pro Per­son ver­pflich­tet sei. Die Beklag­te hat erwi­dert, dass sie die Beför­de­rung nicht ver­wei­gert habe und für die Umbu­chung durch den Rei­se­ver­an­stal­ter nicht ver­ant­wort­lich sei. Das Amts­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben, wäh­rend das Beru­fungs­ge­richt sie abge­wie­sen hat, weil nicht die Beklag­te als aus­füh­ren­des Luft­fahrt­un­ter­neh­men der Klä­ge­rin und deren Fami­lie gegen deren Wil­len die Beför­de­rung ver­wei­gert habe, son­dern der Rei­se­ver­an­stal­ter eine Umbu­chung vor­ge­nom­men habe.

Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat der Bun­des­ge­richts­hof das Ver­fah­ren dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt. Der Gerichts­hof wird um Beant­wor­tung der Fra­gen gebe­ten, ob in der Umbu­chung auf einen ande­ren Flug eine Beför­de­rungs­ver­wei­ge­rung im Sinn von Arti­kel 4 Abs. 3 der Ver­ord­nung lie­gen kann (und die­se damit über­haupt eine Grund­la­ge für den Anspruch auf Aus­gleichs­zah­lun­gen nach Art. 7 der Ver­ord­nung bil­det). Falls dies zu beja­hen ist, soll er wei­ter die Fra­ge beant­wor­ten, ob dies auch für eine Umbu­chung gilt, die nicht auf Ver­an­las­sung des Luft­fahrt­un­ter­neh­mens, son­dern allein durch den Rei­se­ver­an­stal­ter ver­an­lasst wor­den ist.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 7. Okto­ber 2008 – X ZR 96/​06