Aus­län­di­sches Zivil­recht und der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Zivil­pro­zess

Ist nach dem deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat- und Zivil­ver­fah­rens­recht aus­län­di­sches Recht (hier: grie­chi­sches Recht) anzu­wen­den, hat der Tatrich­ter die­ses gemäß § 293 ZPO von Amts wegen zu ermit­teln. Gibt die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung kei­nen Auf­schluss dar­über, dass der Tatrich­ter sei­ner Pflicht zur Ermitt­lung aus­län­di­schen Rechts nach­ge­kom­men ist, ist davon aus­zu­ge­hen, dass eine aus­rei­chen­de Erfor­schung des aus­län­di­schen Rechts ver­fah­rens­feh­ler­haft unter­blie­ben ist 1.

Aus­län­di­sches Zivil­recht und der Amts­er­mitt­lungs­grund­satz im Zivil­pro­zess

Die rich­ti­ge Anwen­dung des deut­schen inter­na­tio­na­len Pri­vat- und Zivil­ver­fah­rens­rechts ist im Rechts­be­schwer­de­ver­fah­ren von Amts wegen zu prü­fen 2.

Soweit danach aus­län­di­sches Recht anzu­wen­den ist, hat der Tatrich­ter die­ses nach stän­di­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs gemäß § 293 ZPO von Amts wegen zu ermit­teln. Dabei darf sich die Ermitt­lung nicht auf die Her­an­zie­hung der Rechts­quel­len beschrän­ken, son­dern muss auch die kon­kre­te Aus­ge­stal­tung des Rechts in der aus­län­di­schen Rechts­pra­xis, ins­be­son­de­re die aus­län­di­sche Recht­spre­chung, berück­sich­ti­gen.

In wel­cher Wei­se sich der Tatrich­ter die not­wen­di­gen Kennt­nis­se ver­schafft, liegt in sei­nem pflicht­ge­mä­ßen Ermes­sen. Vom Rechts­be­schwer­de­ge­richt darf inso­weit ledig­lich über­prüft wer­den, ob er sein Ermes­sen rechts­feh­ler­frei aus­ge­übt, ins­be­son­de­re sich anbie­ten­de Erkennt­nis­quel­len unter Berück­sich­ti­gung der Umstän­de des Ein­zel­falls hin­rei­chend aus­ge­schöpft hat 3.

Gibt die ange­foch­te­ne Ent­schei­dung kei­nen Auf­schluss dar­über, dass der Tatrich­ter sei­ner Pflicht nach­ge­kom­men ist, aus­län­di­sches Recht zu ermit­teln, ist davon aus­zu­ge­hen, dass eine aus­rei­chen­de Erfor­schung des aus­län­di­schen Rechts ver­fah­rens­feh­ler­haft unter­blie­ben ist 4.

Bun­des­ge­richts­hof, Beschluss vom 30. April 2013 – VII ZB 22/​12

  1. Anschluss an BGH, Urtei­le vom 23.04.2002 – XI ZR 136/​01, NJW-RR 2002, 1359, 1360; vom 26.06.2001 – XI ZR 241/​00, BGHR ZPO § 293 Satz 2 Ermes­sen 14; vom 08.05.1992 – V ZR 95/​91, NJW 1992, 3106, 3107[]
  2. vgl. BGH, Urtei­le vom 15.07.2008 – VI ZR 105/​07, BGHZ 177, 237 Rn. 8; vom 02.10.1997 – I ZR 88/​95, BGHZ 136, 380, 386[]
  3. vgl. BGH, Urtei­le vom 13.12.2005 – XI ZR 82/​05, BGHZ 165, 248, 260; vom 23.06.2003 – II ZR 305/​01, NJW 2003, 2685, 2686; vom 23.04.2002 – XI ZR 136/​01, NJW-RR 2002, 1359, 1360[]
  4. vgl. BGH, Urtei­le vom 23.04.2002 – XI ZR 136/​01, aaO; vom 26.06.2001 – XI ZR 241/​00, BGHR ZPO § 293 Satz 2 Ermes­sen 14; vom 08.05.1992 – V ZR 95/​91, NJW 1992, 3106, 3107[]
  5. BFH, Urteil vom 13.06.2013 – III R 10/​11, BFHE 241, 562, BSt­Bl II 2014, 706, Rz 29, m.w.N.[]