Aus­sa­gen über den Front­mann einer Rechts­rock-Band und das Per­sön­lich­keits­recht

Ist die Aus­sa­ge in einem Arti­kel einer Tages­zei­tung falsch, wonach der Front­mann einer Rechts­rock-Band seit 2003 zu dem deut­schen Com­bat-18-Füh­rungs­ka­der zählt, hat der Betrof­fe­ne einen Unter­las­sungs­an­spruch gegen die­se Zei­tung. Dage­gen liegt kei­ne Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung in der Aus­sa­ge, dass im Umkreis der Band eine C‑18-Zel­le ent­stan­den sei.

Aus­sa­gen über den Front­mann einer Rechts­rock-Band und das Per­sön­lich­keits­recht

So hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm in dem hier vor­lie­gen­den Fall des Lea­ders einer Rechts­rock-Band ent­schie­den und die Beru­fung der Her­aus­ge­be­rin einer gro­ßen deut­schen Tages­zei­tung mit Sitz in Ber­lin teil­wei­se zurück­ge­wie­sen. Gleich­zei­tig ist das Kla­ge statt­ge­ben­de Urteil des Land­ge­richts Dort­mund [1] im Ergeb­nis bestä­tigt wor­den, soweit der Her­aus­ge­be­rin ver­bo­ten wor­den ist, Aus­sa­gen wie in einem Arti­kel in einem Lokal­teil der Tages­zei­tung vom Juni 2019 zu tref­fen, wonach der kla­gen­de Front­mann der Rechts­rock-Band seit 2003 zu dem deut­schen C‑18-Füh­rungs­ka­der zäh­le. Geklagt hat­te der Lea­der einer Rechts­rock-Band. Nach eige­nen Anga­ben ste­he er der sog. rechts­ex­tre­men Sze­ne nahe und sei dar­in durch sei­ne Musik­bands ein­ge­bun­den. Auf sei­ner Brust hat er groß­for­ma­tig den Schrift­zug „Com­bat 18“ täto­wiert. Im Jahr 2006 ver­öf­fent­lich­te sei­ne Band ein Lied mit einem Titel, in dem der vor­ge­nann­te Schrift­zug eben­falls Erwäh­nung fin­det. Der Klä­ger und die Band tra­ten zudem mehr­fach auf Kon­zer­ten auf, die unter dem Slo­gan „Com­bat 18“ bewor­ben wur­den. Vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um ist die Ver­ei­ni­gung „Com­bat 18“ („C 18“) am 23.01.2020 ver­bo­ten wor­den, weil sie sich gegen die ver­fas­sungs­mä­ßi­ge Ord­nung rich­te, da sie mit dem Natio­nal­so­zia­lis­mus wesens­ver­wandt sei.

In dem Lokal­teil einer Print­aus­ga­be vom Juni 2019 ver­öf­fent­lich­te eine gro­ße deut­sche Tages­zei­tung einen Arti­kel mit dem Titel „DAS RECHTE NETZWERK“. Dar­in wird der Klä­ger u. a. als „Schlüs­sel­fi­gur“ von „Com­bat 18“ bezeich­net; außer­dem gehö­re er –wie es in dem Arti­kel wei­ter heißt –dem „C‑18-Füh­rungs­ka­der“ an. Dage­gen hat sich der Klä­ger gewehrt. Er behaup­tet, er sei kein Mit­glied der Grup­pie­rung „C 18“ und gehö­re somit erst recht nicht deren Füh­rungs­ka­der an. Durch die Arti­kel füh­le er sich in sei­nem Per­sön­lich­keits­recht ver­letzt und ver­lan­ge deren Unter­las­sung von der Her­aus­ge­be­rin der Tages­zei­tung.

Nach Auf­fas­sung des Land­ge­richts Dort­mund habe die Beklag­te ins­be­son­de­re nicht bewei­sen kön­nen, dass die oben genann­ten Aus­sa­gen rich­tig sei­en oder sie vor Auf­stel­lung oder Ver­brei­tung der Behaup­tun­gen hin­rei­chend sorg­fäl­ti­ge Recher­chen über den Wahr­heits­ge­halt ange­stellt habe. Nach­dem das Land­ge­richt der Kla­ge statt­ge­ge­ben hat­te, begehr­te die Beklag­te mit der Beru­fung die Abwei­sung der Kla­ge.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Ober­lan­des­ge­richt Hamm aus­ge­führt, dass die Ent­schei­dung des Land­ge­richts im Ergeb­nis zu bestä­ti­gen war, soweit der Her­aus­ge­be­rin ver­bo­ten wor­den ist, Aus­sa­gen wie in einem Arti­kel in einem Lokal­teil der Tages­zei­tung vom Juni 2019 zu tref­fen, wonach der kla­gen­de Front­mann der Rechts­rock-Band seit 2003 zu dem deut­schen C‑18-Füh­rungs­ka­der zäh­le.

Bezüg­lich der Per­sön­lich­keits­rechts­ver­let­zung des Klä­gers war das Ober­lan­des­ge­richt aller­dings der Mei­nung, dass man die­se nicht in der Aus­sa­ge erken­nen kön­ne, dass im Umkreis der Band des Klä­gers eine C‑18-Zel­le ent­stan­den sei.

Ober­lan­des­ge­richt Hamm, Urteil vom 25. August 2020 – 4 U 54/​20, OLG Hamm

  1. LG Dort­mund, Urteil vom 19.02.2020 – 4 O 348/​19[]