Bahn­ver­spä­tun­gen und das "Rail & Fly"-Ticket

Der Bun­des­ge­richts­hof hat die Haf­tung eines Rei­se­ver­an­stal­ters für Bahn­ver­spä­tun­gen beim Ange­bot eines Rail & Fly Tickets auch für den Fall bestä­tigt, dass dem Rei­sen­den selbst die Aus­wahl einer pas­sen­den Zug­ver­bin­dung oblag.

Bahn­ver­spä­tun­gen und das "Rail <span class="amp">&</span> Fly"-Ticket

In dem heu­te vom Bun­des­ge­richts­hof ent­schie­de­nen Fall ver­langt die Klä­ge­rin von der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin die Erstat­tung von Zusatz­kos­ten und Auf­wen­dun­gen, die ihr wegen eines ver­pass­ten Flu­ges ent­stan­den sind. Sie hat­te bei der Beklag­ten eine All-Inclu­si­ve-Flug­pau­schal­rei­se von Düs­sel­dorf nach Samaná in der Domi­ni­ka­ni­schen Repu­blik gebucht. Der Hin­flug soll­te am 19.06.2007 um 11.15 Uhr star­ten. Für die Anrei­se zum Flug­ha­fen nahm die Klä­ge­rin das "MEIER`S WELTREISEN Rail & Fly Ticket" in Anspruch. Zu die­sem Ticket wur­de in der Kata­log­be­schrei­bung und in einem der Klä­ge­rin aus­ge­hän­dig­ten Infor­ma­ti­ons­blatt der Beklag­ten aus­ge­führt:

"Kein Stress und kein Stau mit dem ‚MEIER"S WELTREISEN Rail & Fly Ticket". Bei jeder Flug­bu­chung aus die­sem Kata­log ist das ‚MEIER"S WELTREISEN Rail & Fly Ticket" 2. Klas­se der Deut­schen Bahn AG zum Flug­ha­fen bereits im Preis ent­hal­ten! … Bit­te wäh­len Sie Ihre Ver­bin­dung mög­lichst so, dass Sie den Abflug­ha­fen spä­tes­tens zwei Stun­den vor Abflug errei­chen…".

Die Klä­ge­rin wähl­te einen Zug aus, der plan­mä­ßig um 9:08 Uhr am Flug­ha­fen Düs­sel­dorf ankom­men soll­te. Tat­säch­lich erreich­te sie den Flug­ha­fen infol­ge einer Zug­ver­spä­tung erst um 11.45 Uhr und ver­pass­te den Hin­flug der gebuch­ten Rei­se. Nach Rück­spra­che mit der Beklag­ten reis­te sie mit der Bahn nach Mün­chen und flog von dort aus am nächs­ten Tag in die Domi­ni­ka­ni­sche Repu­blik.

Mit ihrer Kla­ge begehr­te die Klä­ge­rin nun die Rück­erstat­tung der Zusatz­kos­ten für die geän­der­te Anrei­se sowie Ersatz der hier­durch ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen für Unter­kunft, Ver­pfle­gung und Taxi. Sowohl das erst­in­stanz­lich mit der Kla­ge befass­te Ants­ge­richt Frank­furt am Main 1 wie auch in der Beru­fungs­in­stanz das Land­ge­richt Frank­furt am Main 2 haben der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Und auch der Bun­des­ge­richts­hof hat jetzt die Revi­si­on der beklag­ten Rei­se­ver­an­stal­te­rin gegen das Urteil des Land­ge­richts Frank­furt zurück­ge­wie­sen:

Die beklag­te Rei­se­ver­an­stal­te­rin hat aus der maß­geb­li­chen Sicht eines durch­schnitt­li­chen Rei­sen­den mit ihrem Gesamt­ver­hal­ten den Ein­druck ver­mit­telt, dass sie den Bahn­trans­fer als eige­ne Leis­tung anbie­te und für den Erfolg ein­ste­hen wol­le. Das Land­ge­richt Frank­furt hat in sei­nem Beru­fungs­ur­teil die Bezeich­nung des Tickets, die Bewer­bung als "beque­men Anrei­se­ser­vice von MEIER`S WELTREISEN" und den Umstand, dass der Trans­fer im Gesamt­rei­se­preis ent­hal­ten ist, zutref­fend als Indi­zi­en für eine Eigen­leis­tung gewer­tet. Dass die Aus­wahl der Bahn­ver­bin­dung zum Flug­ha­fen dem Rei­sen­den über­las­sen ist, führt jeden­falls dann nicht zu einer ande­ren Beur­tei­lung, wenn der Rei­se­ver­an­stal­ter – wie hier – den Trans­fer aus­drück­lich als eige­ne Leis­tung bewirbt, die Vor­zü­ge gegen­über ande­ren Anrei­se­mög­lich­kei­ten her­vor­hebt und detail­lier­te Hin­wei­se zur Aus­wahl der Bahn­ver­bin­dung gibt. Da die Klä­ge­rin ihre Anrei­se mit dem Zug gemäß den Vor­ga­ben der Beklag­ten hin­rei­chend sorg­fäl­tig geplant hat­te, muss die Beklag­te für die Mehr­kos­ten im Wege der Abhil­fe nach § 651c BGB* der wegen des ver­spä­te­ten Bahn­trans­fers geän­der­ten Anrei­se zum Rei­se­ziel auf­kom­men. Über Scha­dens­er­satz- und Min­de­rungs­an­sprü­che war im vor­lie­gen­den Fall nicht zu ent­schei­den.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 28. Okto­ber 2010 – Xa ZR 46/​10

  1. AG Frank­furt am Main, Urteil vom 28.09.2009 – 29 C 2763/​08-86[]
  2. LG Frank­furt am Main, Urteil vom 04.03.2010 – 2 – 24 S 211/​09[]