Bau­en im Bestand – und die Regeln der Tech­nik

Die Beach­tung der Regeln der Tech­nik ist Teil des­sen, was üblich ist und der Bestel­ler nach der Art des Wer­kes erwar­ten kann.

Bau­en im Bestand – und die Regeln der Tech­nik

DIN-Nor­men und ähn­li­che tech­ni­sche Rege­lungs­wer­ke mit Emp­feh­lungs­cha­rak­ter geben einen Anhalts­punkt für die Ein­zel­hei­ten des ein­zu­hal­ten­den Stan­dards 1.

Auch bei Errei­chung der Funk­tio­na­li­tät eines Wer­kes führt die Miss­ach­tung der aner­kann­ten Regeln der Tech­nik per se zu einem Man­gel 2.

Ein sol­cher Ver­stoß gegen tech­ni­sche Nor­men ließ sich in dem hier vom Han­sea­ti­schen Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg ent­schie­de­nen Fall indes­sen nicht fest­stel­len. Dies lag dar­an, dass die Arbei­ten hier nicht im Rah­men eines Neu­baus zu erbrin­gen waren, son­dern im Rah­men einer Bestands­im­mo­bi­lie, in wel­cher die Unter­kon­struk­ti­on mit hoher Wahr­schein­lich­keit vor­ge­schä­digt war. Bei einem sol­chen Bau­en im Bestand wäre daher "eine blin­de Anwen­dung der aner­kann­ten Regeln der Tech­nik will­kür­lich. Bei einem Bau­en im Bestand war die hier ins­ge­samt von der Hand­wer­ke­rin gewähl­te Kon­struk­ti­on auch kei­nes­wegs tech­nisch von vorn­her­ein unzu­läs­sig. Vor die­sem Hin­ter­grund kann ins­be­son­de­re kei­ne Rede davon sein, dass das Feh­len einer hoch­lie­gen­den Trä­ge­r­ein­la­ge gegen eine auf den kon­kre­ten Fall anwend­ba­re tech­ni­sche Norm ver­sto­ßen wür­de. Aus den glei­chen Grün­den ergibt sich auch aus dem behaup­te­ten feh­len­den Ein­bau von Schlepp­strei­fen kein Man­gel.

Ein Sach­man­gel des Wer­kes ergibt sich sodann auch nicht unter dem Gesichts­punkt der tat­säch­li­chen Funk­ti­ons­be­ein­träch­ti­gung. Zwar liegt eine Abwei­chung von der ver­trag­li­chen geschul­de­ten Beschaf­fen­heit auch dann vor, wenn das Werk sei­ne ver­ein­bar­te oder nach dem Ver­trag vor­aus­ge­setz­te Funk­ti­on nicht erfüllt, selbst wenn sich eine Ver­let­zung aner­kann­ter tech­ni­scher Nor­men nicht fest­stel­len lässt 3.

Han­sea­ti­sches Ober­lan­des­ge­richt Ham­burg, Urteil vom 20. Sep­tem­ber 2013 – 9 U 67/​12

  1. Voit, in: Bamberger/​Roth, 28. Ed., 2013, § 633 BGB, Rz. 12[]
  2. vgl. OLG Düs­sel­dorf, NJW-RR 1996, 146; Voit, in: Bamberger/​Roth, 27. Ed., 2013, § 633 BGB, Rz. 12[]
  3. vgl. BGH, Urteil vom 29.09.2011 – VII ZR 87/​11, NJW 2011, 3780 ff.[]