Bein­bruch beim Fuß­ball

Dass bei einem Wett­kampf, etwa einem Fuß­ball­spiel, ein Spie­ler einen ande­ren ver­letzt, begrün­det für sich genom­men noch kei­nen Sorg­falts­pflicht­ver­stoß. Auch das Bestehen von Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­schutz wirkt grund­sätz­lich nicht anspruchs­be­grün­dend. Die­se Grund­sät­ze sah sich der Bun­des­ge­richts­hof jetzt ver­an­laßt, noch­mals zu bekräf­ti­gen.

Bein­bruch beim Fuß­ball

Die Haf­tung eines Sport­lers aus § 823 Abs. 1 BGB setzt den Nach­weis vor­aus, dass die­ser schuld­haft gegen die Regeln des sport­li­chen Wett­kampfs ver­sto­ßen und dabei einen ande­ren ver­letzt hat 1. Dage­gen schei­det eine Haf­tung aus, wenn es sich um Ver­let­zun­gen han-delt, die sich ein Sport­ler bei einem regel­ge­rech­ten und dem – bei jeder Sport­aus­übung zu beach­ten­den – Fair­ness­ge­bot ent­spre­chen­den Ein­satz sei­nes Geg­ners zuzieht 2. In einem sol­chen Fall hat sich der Schä­di­ger jeden­falls nicht sorg­falts­wid­rig ver­hal­ten (§ 276 BGB) 3.

Die Sorg­falts­an­for­de­run­gen an den Teil­neh­mer eines Wett­kampfs bestim­men sich nach den beson­de­ren Gege­ben­hei­ten des Sports, bei dem sich der Unfall ereig­net hat 4. Sie sind an der tat­säch­li­chen Situa­ti­on und den berech­tig­ten Sicher­heits­er­war­tun­gen der Teil­neh­mer des Wett­kamp­fes aus­zu­rich­ten und wer­den durch das beim jewei­li­gen Wett­kampf gel­ten­de Regel­werk kon­kre­ti­siert 5.

Die Beweis­last für eine Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung des Schä­di­gers trägt dabei nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen der Ver­letz­te 6.

Der Zwei­kampf um den Ball, bei dem ein oder bei­de Spie­ler mit­un­ter zu Fall kom­men, gehört aber zum Wesen eines Fuß­ball­spiels und begrün­det des­halb für sich genom­men kei­nen Sorg­falts­pflicht­ver­stoß.

Da die Anspruchs­vor­aus­set­zun­gen des § 823 Abs. 1 BGB nicht erfüllt sind, kommt es nicht dar­auf an, ob der Beklag­te haft­pflicht­ver­si­chert war. Das Bestehen eines Haft­pflicht­ver­si­che­rungs­schut­zes ver­mag das feh­len­de Ver-schul­den des Beklag­ten nicht zu erset­zen. Der Ver­si­che­rungs­schutz wirkt grund­sätz­lich nicht anspruchs­be­grün­dend 7. Dies ent­spricht dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass sich die Ver­si­che­rung nach der Haf­tung und nicht umge­kehrt die Haf­tung nach der Ver­si­che­rung rich­tet 8.

Bun­des­ge­richts­hof, Urteil vom 27. Okto­ber 2009 – VI ZR 296/​08

  1. vgl. BGHZ 58, 40, 43; 63, 140, 142; 154, 316, 323; BGH, Urteil vom 05.03.1957 – VI ZR 199/​56, VersR 1957, 290[]
  2. vgl. BGHZ 63, 140, 143; 154, 316, 323; OLG Köln, VersR 1994, 1072[]
  3. vgl. BGHZ 63, 140, 147; BGH, Urtei­le vom 10.02.1976 – VI ZR 32/​74VersR 1976, 591; vom 16.03.1976 – VI ZR 199/​74VersR 1976, 775, 776; OLG Düs­sel­dorf VersR 1996, 343 f.; Wag­ner in Münch­Komm, BGB, 5. Aufl., § 823 Rn. 549; Staudinger/​Hager, BGB, 13. Aufl., Vor­bem. zu § 823 Rn. 55[]
  4. vgl. BGHZ 58, 40, 43; BGH, Urteil vom 16.03.1976 – VI ZR 199/​74, aaO[]
  5. vgl. BGHZ 63, 140, 142 ff.; BGH, Urteil vom 16.03.1976 – VI ZR 199/​74, aaO; OLG Düs­sel­dorf, VersR 1996, 343 f.; Wag­ner in Münch­Komm, aaO, Rn. 547[]
  6. vgl. BGHZ 63, 140, 148; BGH, Urteil vom 10.02.1976 – VI ZR 32/​74, aaO; Wag­ner in Münch-Komm, aaO, Rn. 549; Staudinger/​Hager, aaO, Rn. 56[]
  7. vgl. BGHZ 23, 90, 99; BGH, Urtei­le vom 13.06.1958 – VI ZR 109/​57, VersR 1958, 485, 486 f.; vom 24.04.1979 – VI ZR 8/​78, VersR 1979, 645; vgl. zur Aus­nah­me bei Bestehen einer Pflicht­ver­si­che­rung für den beson­de­ren ver­schul­dens­un­ab­hän­gi­gen Anspruch aus Bil­lig­keits­grün­den gemäß § 829 BGB: BGHZ 76, 279, 283; 127, 186, 192[]
  8. Tren­nungs­prin­zip, vgl. BGHZ 76, 279, 283; 116, 200, 209; 127, 186, 192; BGH, Urteil vom 01.10.2008 – IV ZR 285/​06, VersR 2008, 1560, jeweils m.w.N.[]