Bele­ge für die Erstat­tung durch die Aus­lands­rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung

Eine Rei­se­ver­si­che­rung hat die wäh­rend einer Rei­se ange­fal­le­nen Behand­lungs­kos­ten dann nicht zu erset­zen, wenn die Bele­ge unvoll­stän­dig sind und der Rei­sen­de den Ver­si­che­rungs­fall nicht nach­wei­sen kann.

Bele­ge für die Erstat­tung durch die Aus­lands­rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung

Mit die­ser Begrün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen in dem hier vor­lie­gen­den Fall die Kla­ge eines Vaters abge­wie­sen, der für sich und sei­ne Kin­der die Erstat­tung der Behand­lungs­kos­ten in Höhe von umge­rech­net 1343,75 €von der Rei­se­ver­si­che­rung ver­langt hat. Am 20.1.15 hat­te er für sich und sei­ne bei­den 5 Jah­re alten Zwil­lin­ge eine Aus­lands­rei­se­kran­ken­ver­si­che­rung abge­schlos­sen. Am 23.3.15 reich­te er eine Scha­dens­mel­dung ein und ver­lang­te von ihr in Paki­stan für Behand­lung und Medi­ka­men­te bezahl­te 150.060,00 paki­sta­ni­sche Rupi­en zu erstat­ten. Aus den ein­ge­reich­ten Unter­la­gen ging nicht her­vor, an wel­chen Erkran­kun­gen der Klä­ger und sei­ne Kin­der lit­ten und inwie­weit die­se Erkran­kun­gen behan­delt wur­den.

Die Beklag­te beauf­trag­te einen Ermitt­lungs­dienst mit Nach­for­schun­gen über die Kor­rekt­heit der ein­ge­reich­ten Rech­nun­gen, wodurch ihr Kos­ten von 250 € ent­stan­den. Mit Schrei­ben vom 25.6.2015 lehn­te die Beklag­te die Regu­lie­rung ab. Nach den All­ge­mei­nen Ver­si­che­rungs­be­din­gun­gen müs­sen alle Bele­ge neben Namen und Geburts­da­tum der behan­del­ten Per­son das Behand­lungs­da­tum, den Grund der Behand­lung und die ein­zel­nen ärzt­li­chen Leis­tun­gen und Kos­ten ent­hal­ten. Der Klä­ger behaup­tet, er und sei­ne min­der­jäh­ri­gen Kin­der sei­en in Paki­stan plötz­lich und uner­war­tet erkrankt und hät­ten an erheb­li­chen Magen-Darm-Beschwer­den gelit­ten. Die Beklag­te wie­der­um behaup­tet, die vom Klä­ger ein­ge­reich­ten Bele­ge sei­en zum Teil gefälscht, jeden­falls von einer Insti­tu­ti­on aus­ge­stellt, die über­haupt nicht mehr exis­tent gewe­sen sei. Sie ver­langt ihrer­seits die von ihr für die Nach­for­schung bezahl­ten 250 € erstat­tet. Bei­de Sei­ten erho­ben gegen­ein­an­der Kla­ge beim Amts­ge­richt Mün­chen.

In sei­ner Urteils­be­grün­dung hat das Amts­ge­richt Mün­chen aus­ge­führt, dass der Klä­ger zwar glaub­haft ange­ge­ben hat, dass zunächst sei­ne Kin­der und dann er selbst uner­war­tet erkrank­ten, so dass eine ärzt­li­che Behand­lung der Kin­der sowie sein sta­tio­nä­rer Auf­ent­halt erfor­der­lich wur­den. Ande­rer­seits war sei­ne Aus­sa­ge von Detail­ar­mut geprägt, so dass immer wie­der Begleit­um­stän­de erfragt wer­den muss­ten. Außer­dem ergibt sich aus den vor­ge­leg­ten Rech­nun­gen unstrei­tig kei­ne Dia­gno­se. Wei­ter­hin ist nicht erkenn­bar, wel­che kon­kre­ten Behand­lun­gen durch­ge­führt wur­den. Dass der Klä­ger tat­säch­lich 150.060 PKR für medi­zi­ni­sche Behand­lun­gen und Medi­ka­men­te gezahlt hat, ist nicht nach­ge­wie­sen.

In Bezug auf den Antrag der Ver­si­che­rung auf Erstat­tung der Nach­for­schungs­kos­ten von 250 € hat das Amts­ge­richt Mün­chen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nicht zur Über­zeu­gung des Gerichts fest­steht, dass die vor­ge­leg­ten Bele­ge gefälscht sind. Aus dem vor­ge­leg­ten Bericht des ein­ge­setz­ten Ermitt­lungs­diens­tes erge­ben sich zwar die Behaup­tun­gen der Beklag­ten. Der Klä­ger hat jedoch die Rich­tig­keit des Berich­tes bestrit­ten. Ob die­ser Bericht den Tat­sa­chen ent­spricht, ver­moch­te das Gericht nicht zu beur­tei­len.

Aus die­sen Grün­den sind vom Amts­ge­richt Mün­chen bei­de Kla­gen abge­wie­sen wor­den.

Amts­ge­richt Mün­chen, Urteil vom 30. Mai 2017 – 159 C 517/​17